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Ausstellung im Gutenberghaus: Das Leben mit und aus dem Fluss

Ausstellung im Gutenberghaus : Das Leben mit und aus dem Fluss

Die Szene mutet romantisch an. Im Hintergrund: der Drachenfels. Vor den eng zusammenstehenden Häusern der Schiffer fällt das Ufer steil zum toten Rheinarm ab. In dem alten Hafen liegen Schiffe und transportfertige Waren.

"Als Honnef noch am Rhein lag": So lautet der Titel einer Ausstellung im Gutenberghaus. Und dort wird auch dieses Zeugnis einer untergegangenen Epoche präsentiert. Francis Frith aus Chesterfield reiste Mitte des

19. Jahrhunderts mit einer großformatigen Kamera nicht nur mehrfach in den Orient, sondern der Fotograf war 1863 auch am Rhein auf der Suche nach Motiven unterwegs. Dem berühmten Engländer ist es zu verdanken, dass es von dem Honnefer Ortsteil Mülheim mit seiner Schiffersiedlung und dem Hafen eine Aufnahme aus jener Zeit gibt, in der ein Fotoapparat noch als Rarität galt und der Romantik-Rhein vorwiegend Tummelplatz der Maler war.

Nicht getrennt durch Eisenbahn und Schnellstraße wie heute, pulsierte am Rhein das Leben. Diese neue Schau dokumentiert, wie die Honnefer vom Rhein, mit ihm und aus ihm existierten. Gezeigt werden interessante Dokumente, Objekte, auch Schiffsmodelle und natürlich viele Bilder und Fotos. "Mülheim war der Bezugspunkt vom Rhein zum Ort", sagte Renate Mahnke, die Vorsitzende des Vereins Gutenberghaus, bei der Eröffnung der Schau.

Viele Honnefer profitierten vom Fluss. Sie waren Fischer, Schiffer oder Müller. Aber auch als Transportweg war der Rhein geschätzt: von Weinbauern, Landwirten, Händlern und Firmenbesitzern. Zahlreiche Objekte machen dieses vielfältige Treiben am Rheinstrom lebendig. Auch Zeugnisse der Personenschifffahrt und aus der Geschichte des Aalschokkers Aranka, der zum beliebten Fotomotiv der Neuzeit geworden ist, sind zu sehen.

Anna Maria ten Haaf, die Schwester des letzten Honnefer Fischers Willi Jansen, freute sich, dass dieses Kapitel des Aalfangs, den ihre Familie betrieben hat, im Gutenberghaus so umfangreich präsentiert wird. Sie stellte Material zur Verfügung - bis hin zu den Reusen, die unter der Zimmerdecke gespannt sind, und Nadeln, mit denen die Netze geflickt wurden. Viel Wissenswertes kann der Besucher hier "auffischen".

Das Gutenberghaus-Team hatte mit Helmut Krahe, dem Kapitän der "Grafenwerth", der auch das Modell des Personenschiffes, seine Schiffermütze und zahlreiche Unterlagen beisteuerte, einen Rundgang zu ehemals wichtigen Punkten am Rhein absolviert; in der Ausstellung sind diese Standorte dokumentiert - wie etwa die Schiffswerft Kickel, die Emulsionsfabrik Zalewski oder das Gasthaus "Zum Anker".

Alte Zeitungsartikel geben Einblicke in die Historie. Über Helmut Krahes Großvater Johann, den Heimatdichter Franzjosef Schneider als den "wortkargsten unter den rheinischen Schiffern" bezeichnete, gibt es nette Episoden. Egal, wen er auf die Insel Grafenwerth übersetzte, ob Liebespaare, Studenten oder auch hohe Herrschaften, über seine Lippen kam kein Wort. Als Soldat im Ersten Weltkrieg schrieb er auf Bitten seiner Frau um ein Lebenszeichen nur zwei Worte auf eine Feldpostkarte: "Gruß, Johann!".

Mitgliedslisten des Honnefer Schiffervereins, der Feuerversicherungsschein der Vereinsfahne, die Fahne selbst mit der Aufschrift "In Gottes Namen", die Abschrift der im Krieg verlorengegangenen Gründungsurkunde, die Pfarrer Wüsten 1949 fertigte, oder Zeugnisse sind ebensolche Raritäten dieser Dokumentation des Lebens am Fluss.

Eine dritte Abteilung widmet sich noch früheren Zeiten. Hier kann sich der Besucher informieren, wie die Römer auf dem Rhein unterwegs waren. Und von denen gibt es sogar Bleie zum Beschweren von Netzen als Fundstücke aus dem Rhein. Gerade wird analysiert, woher das Material stammt. Es bleibt spannend am Rhein.

Die Ausstellung im Gutenberghaus, Hauptstraße 40, wird bis zum Herbst gezeigt, immer sonntags, 10 bis 13 Uhr, erstmals am 8. Juni. Eintritt: 1,80 Euro. Weitere Infos auch auf www.gutenberghaus.org