Katholisch-Soziales Institut zieht nach Siegburg Der "geistliche Leuchtturm" zieht um

BAD HONNEF · Wie sieht eine von Gott gewollte Ordnung aus? Oder weltlicher gefragt: Wie können die Menschen aus Sicht der Kirche vernünftig zusammen leben? Um diese Kernfragen kreist die katholische Soziallehre seit ihrer Gründung vor mehr als hundert Jahren.

 Das KSI in Bad Honnef von oben: Obenrechts der Altbau; von der Straße abgewandt ist die Kapelle mit der kleinen Turmspitze erkennbar.

Das KSI in Bad Honnef von oben: Obenrechts der Altbau; von der Straße abgewandt ist die Kapelle mit der kleinen Turmspitze erkennbar.

Foto: Frank Homann

Mehr als sechs Jahrzehnte lang gab es Semester für Semester Antworten auf diese Fragen im Katholisch-Sozialen Institut (KSI) an der Selhofer Straße in Bad Honnef. Damit ist es bald vorbei. Das Tagungs- und Bildungshaus zieht in einem Jahr auf den Siegburger Michaelsberg.

Der Gründer des KSI, der beliebte Kölner Kardinal Josef Frings, beschritt seine eigenen Wege, wenn es darum ging, die Soziallehre in die Praxis zu überführen. In seiner berühmt gewordenen Silvesterpredigt im bitterkalten Winter 1946/47 sagte er in der Kölner Kirche Sankt Engelberg, der Kohlenklau von Bahnwaggons in der Not sei moralisch nicht verwerflich.

Seine Schäflein liebten ihn für diese Barmherzigkeit und schenkten ihm zum Dank das Wort "fringsen". Es klingt weniger streng als stehlen. Frings war 1942 ziemlich überraschend zum Erzbischof ernannt worden. Damals lebte er in Bad Honnef und leitete als Regens das Priesterseminar in Bensberg.

Das Katholisch-Soziale Institut gründete der Kardinal erst nach jenem Winter im Jahr 1947, ab 1952 war es in Bad Honnef an der Selhofer Straße beheimatet. Den Altbau hatte das Erzbistum den Schwestern Proff-Imich schon 1896 abgekauft. 1951 musste zunächst umfangreich renoviert werden, bevor das Bistum das Antoniusheim und zwei Jahre später den Erweiterungsbau einweihen konnte. Der Neubau mit Zimmern, Kapelle, Schwimmbad und Kegelbahn folgte von 1962 bis 1965.

2017 zieht das KSI auf den Michaelsberg

Mehr als 60 Jahre lang ist nun die Geschichte der katholischen Soziallehre eng mit der Stadt verknüpft. Ende des kommenden Jahres wird ein Schlusspunkt gesetzt. Das Jahresprogramm 2016 des Tagungs- und Bildungszentrums läuft noch komplett an der Selhofer Straße. Anfang 2017 wird das KSI nach Siegburg auf den Michaelsberg ziehen.

"Wir freuen uns auf Siegburg, aber natürlich ist dieser Umzug für viele Mitarbeiter nicht einfach", sagt KSI-Direktor Ralph Bergold. Die Bedingungen seien optimal gewesen mit einem modernen Haus und der christlich geprägten Kunst, die immer häufiger in den Räumen zu Gast war. "Wir werden nach so vielen Jahren sicher eine Wunde hinterlassen", so Bergold.

Die Entscheidung des Erzbistums, die vor drei Jahren öffentlich gemacht wurde, wirkte auf den ersten Blick nicht zwingend Geld sparend: Nachdem die Benediktiner ihren Weggang aus Siegburg nach mehr als 800-jähriger Verbundenheit aus personellen und finanziellen Gründen beschlossen hatten, wollte die Diözese einen klösterlichen Nachfolger finden. Aber die Zeiten großer Klöster gehören weitgehend der Vergangenheit an. Und so fand sich zwar mit den Unbeschuhten Karmeliten aus Indien ein "Nachmieter", der allerdings mit nur sechs Patres den Karmel betreibt.

Für das Katholisch-Soziale Institut blieb also einiges an Platz. Dennoch musste ein Anbau für rund 40 Millionen Euro her, in dem unter anderem die Verwaltung und ein Restaurant untergebracht werden sollen. Der Rohbau steht bereits. Im Herbst 2016 sollte ursprünglich der Umzug stattfinden. Nach einem Hagelschaden wird die Fertigstellung sich um ein paar Monate verschieben. Für die Gegenfinanzierung soll die Bad Honnefer Immobilie mit mehr als 100 Zimmern und Restaurant verkauft werden.

Die Gespräche mit den Interessenten laufen gut, erklärt Bergold. Gut möglich also, dass das in gutem Zustand befindliche Haus einen direkten Nachbetreiber findet.

Der damalige Kölner Generalvikar Dominik Schwaderlapp sprach bei der Verkündung der Umzugspläne von einem "Leuchtturm des geistlichen Lebens". Nicht nur Soziallehre, sondern auch Arbeitnehmerbildung, Frauenbildung, Medienkompetenzen mit gut ausgestatteten Aufnahmestudios und die Auseinandersetzung mit Zukunftsfragen hatte und hat sich das KSI mit vielen, von eigenen Pädagogen ausgearbeiteten Programmen auf die Fahne geschrieben.

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Die meisten der 80 Mitarbeiter ziehen mit um an die neue Wirkungsstätte. Die christlich geprägte Bildungsstruktur im Siebengebirge wird um eine Attraktion ärmer, die in Siegburg um eine Attraktion reicher.