1. Region
  2. Siebengebirge
  3. Bad Honnef

Blick zurück: Der Kursaal in Bad Honnef hat eine bewegende Geschichte

Blick zurück : Der Kursaal in Bad Honnef hat eine bewegende Geschichte

Ein Blick in die Bad Honnefer Historie: Am 21. April 1907 wurde der Honnefer Kursaal mit Festessen, Musik und Tanz eröffnet. Die Wiedereröffnung musste in diesem Jahr aber erst einmal verschoben werden.

Erinnerungen an kurkönigliche Honnefer Zeiten werden geweckt! Wenn sich die Türen zum sanierten Kursaal erstmals für das Publikum öffnen, dürfte es den Honnefern ähnlich ergehen wie ihren Vorfahren vor 113 Jahren. Das Staunen war beträchtlich, als am 21. April 1907 der Saal mit einem großen Fest eingeweiht wurde. Später sollte er einmal von dem amerikanischen Pianisten Michael Ponti als „kleine Carnegie-Hall“ bezeichnet werden. In dieser „Jahrhunderthalle“ spielte sich seither alles ab – Kultur, Kunst, Politik. Entstanden war sie, als die Stadt enormen Aufschwung nahm.

Bereits 1845 entdeckten immer mehr Sommerfrischler den Ort. Mit seinem angenehmen Klima entwickelte er sich insbesondere für Rekonvaleszenten zur ersten Adresse. Wohlhabende Fabrikanten, Beamte oder Rentner ließen sich hier Sommerwohnsitze bauen oder siedelten sich gleich ganz an. Allein zwischen 1898 und 1905 wurden in Honnef 250 Bauanträge ausgeführt; auch die Erbohrung der Drachenquelle durch Carl Weckbecker an der Austraße führte zu diesem Boom.

Zentrum für gesellschaftliches Leben

Die Stadt wollte ein Zentrum für das gesellschaftliche Leben. Die ersten Kurkonzerte fanden bereits im großen Garten von Dells Hotel statt. 1901 erwarben die Stadtväter die Villa Haarhaus als städtisches Kurhaus – der Baumwollfabrikant Julius Haarhaus aus Barmen hatte sich 1874 auf dem ehemaligen Kartoffelacker eine klassizistische Villa hinstellen lassen. Das elegante Gebäude wurde nach dem Eigentümerwechsel kurtauglich gemacht – mit Restaurant, Logierzimmer, Spiel- und Lesezimmer. Die Buchhandlung Werber lieferte Zeitschriften fürs großbürgerliche Publikum.

Für Musik- und Theaterveranstaltungen reichte der Platz nicht. Im Sommer wichen die Akteure in den „Musiktempel“ im Park aus. Doch da waren sie weder vor Nässe noch vor Sonne geschützt. Nach Diskussionen im Rat stand der Entschluss fest: Ein Kursaal sollte her. Im Protokollbuch heißt es: „Der einschließlich Mobiliar erforderliche Kostenbetrag von 150.000 Mark ist durch Anleihe zu decken.“ Und so entstand ein Jugendstilsaal mit Anklängen an den Historismus unter Leitung von Stadtbaumeister Wilhelm Schwingen.

Unter „Telephon Nr. 25“ war das Kurhaus erreichbar. Foto: Archiv GA

Malermeister Franz Neunkirchen war für die Farbenpalette zuständig. Die Kölner Dekorationswerkstätten besorgten die aufwendigen Stuckarbeiten des Saales mit seinen allegorischen Figuren um das Stadtwappen herum am östlich gelegenen Dachstuhl, mit den fast bis zur Dachtraufe reichenden Fenstern oder mit dem Dekor im Inneren. Ergänzt wurde das Ensemble durch Wandelhalle gegenüber und Musikpavillon. Alte Ansichten zeigen lustwandelnde Damen in der Mode der Zeit. Honnef – ganz fein.

Auch die Eröffnung war spektakulär. Zu „nachmittags um vier Uhr“ hatte Bürgermeister Theodor Waechter geladen. Bevor die Herrschaften zum Abendessen mit Damen schritten – serviert wurde schwedische Platte, Ostender Steinbutt, Roastbeef und Kopfsalat sowie Eis und Käsestangen zum Dessert –, gab es wohlgesetzte Worte des Bürgermeisters und Musik.

Der Honnefer Männer-Gesang-Verein unter Leitung von Gottfried Stang und die Kapelle des Infanterieregimentes Nr. 68 aus Koblenz gaben ein Konzert. Rheinlieder, die Freischütz-Ouvertüre, selbst der „Einzug der Götter in Walhall“ aus Wagners Rheingold erklangen. Nach dem „Essenfassen“ wurde ein weiteres Konzert mit Liedern für Sopran geboten, zu dem Hofopernsängerinnen angereist waren, und anschließend die Operette „Flotte Bursche“ von Franz von Suppé.

Idylle pur – Bäume oder Markisen schützen das Publikum im Kurgarten vor der Sonne. Foto: GA-Archiv

Danach durften sich die Premierengäste endlich bewegen – beim Festball. Friseurmeister Friedrich Fahrig machte den „Ballordner“. Im Laufe der zehnstündigen Veranstaltung trug eine junge Dame einen eigens gedichteten „Prolog“ vor. Pfarrer Karl Röhrig hatte diese poetische Botschaft vom Kaiserhof in Berlin an seine frühere Wirkungsstätte gesandt. Darin hieß es: „So ist denn unser stolzes Werk vollendet, es strahlt vor uns in seiner ganzen Schöne. Die Sorgen um den Kursaal sind geendet, wir weihen ihn der hohen Kunst der Töne.“ Glückwunschtelegramme, etwa von der schwedischen Königin Sophie, Honnefs Stammgast, trafen ein.

Ein städtisches Kurorchester

Nach einiger Zeit leisteten sich die Honnefer ein städtisches Kurorchester. 1910 wurde Friedrich Krekeler als erster Kurkapellmeister angestellt, der seine 25 Musiker „nicht nur dienstlich, sondern auch außerdienstlich zu überwachen“ hatte. 1913 kam es wegen der Anzeige eines unsittlichen Verhaltens und ständiger Geldprobleme zum Bruch. Im Frühjahr 1914 übernahm Willy van Hoogstraten, Ehemann der bekannten Pianistin Elly Ney, den Dirigentenstab. Der Erste Weltkrieg setzte seinem Engagement ein Ende, schon bald wurden Tanzveranstaltungen untersagt. Im Kurhaus koordinierte nun ein Ausschuss die Arbeit der Lazarette in der Stadt.

Der Zeitgeist nach dem Ersten Weltkrieg setzte dem Bauwerk zu: Schmückende Elemente wurden überpinselt. Zu allem Übel verwüsteten im November 1923 die Separatisten den Kursaal, zündeten Lagerfeuer an, verbrannten Vorhänge und Einrichtungen. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die gute Stube Bad Honnefs von Soldaten belagert. Die Alliierte Hohe Kommission beschlagnahmte den Saal 1949 für Mitarbeiter. Im Jahr darauf wurde renoviert, am 14. September 1950 fand die Bundespressekonferenz im Kursaal statt – mit hochrangigen Politikern. Überhaupt, Politgrößen wie Adenauer, Heuss, Strauß oder Brandt traten während der Bonner Republik hier auf. Und die Kultur wurde stets großgeschrieben – Bälle, Konzerte, Theater, Karnevalsveranstaltungen für Einheimische und Kurgäste fanden statt.

Werbung späterer Jahre kündete von Badefreuden in der Badestadt. Foto: Archiv GA

Nicht nur die Mode der Besucher änderte sich im Verlaufe der Zeit vom langen Kleid bis zum Mini: In den sechziger Jahren wurde die Villa Haarhaus abgerissen. Der zur Hauptstraße gelegene Vorbau musste 1967 einem Restauranttrakt in Sichtbeton weichen. 1989 die Rolle rückwärts: Das Lokal wurde entfernt und stattdessen ein neues Foyer errichtet, das den Blick auf den Giebel wieder freigab, der Kursaal restauriert. Am 24. April 1993 fand die Wiedereröffnung statt.

Nach der aktuellen Sanierung wird der Saal auch optisch überraschen – so orientiert sich die Farbgebung am Urzustand, nachdem unter alten Anstrichen Originalteile des Kursaals entdeckt wurden. Ein Hauch kurköniglicher Zeiten wird die Eröffnungsgäste umwehen. Aber Majestäten gibt es ja wieder in Bad Honnef, seitdem das Aalkönigskomitee jährlich einen Aalkönig krönt.

Vorgesehen war die Eröffnung des Kursaals für den 26. April. Durch die Corona-Krise verschiebt sich diese Feierlichkeit.