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Thema Klimawandel in Bad Honnef: „Die Probleme sind hausgemacht“

Thema Klimawandel in Bad Honnef : „Die Probleme sind hausgemacht“

Wettermann Karsten Brandt eröffnet die dreiteilige Veranstaltungsreihe „Nachhaltigkeit lernen“ mit einem Vortrag über den Klimawandel und seine lokalen Ursachen und Auswirkungen.

Gegen die Fenster prasselte der Regen als im Ratssaal die Veranstaltungsreihe „Nachhaltigkeit lernen“ mit dem Auftaktthema „Klimawandel und dessen regionale Auswirkungen“ startete. Eine Gemeinschaftsaktion von Stadt und Abwasserwerk, Bad Honnef AG und der Internationalen Hochschule Bad Honnef (IUBH).

Das Ziel: „Den Bürgern den Gedanken des nachhaltigen Handelns näherzubringen und aufzuzeigen, wie dieses Prinzip bereits mit Investitionen und Aktivitäten angekurbelt wird“, erläuterte IUBH-Professor Hansjochen Ehmer, der den Abend moderierte. Hauptreferent war Karsten Brandt, Autor und Macher der Internet-Wetterdienstseite „donnerwetter.de“.

Die Ereignisse schienen das Thema zu unterstreichen: Unwetter und Verwüstungen erschüttern zurzeit viele Regionen in Deutschland – Bilder, wie man sie nach Starkregenereignissen auch in Bad Honnef und Königswinter kennt. Besonders der Juni hatte es schon mehrfach in sich: In der jüngeren Vergangenheit sind die Unwetter 2011, 2013 und 2014 in unguter Erinnerung. Hat das alles nun mit dem Klimawandel zu tun?

So leicht wollte es sich Karsten Brandt nicht machen. „Die Probleme, die wir haben, sind überwiegend hausgemacht. Die haben mit dem Klimawandel, der übrigens schon mit der industriellen Revolution einsetzte, wenig zu tun“, betonte der promovierte Klimatologe. Der globale Klimawandel sei häufig die Ausrede, um sich lokalen Problemen nicht stellen zu müssen.

Ja, es sei sicher wärmer geworden und bestimmt auch feuchter. Die Jahresregenmenge in Bad Honnef betrage rund 800 Liter pro Quadratmeter. Im Zeitraum von 1951 bis 1980 seien es rund 700 Liter gewesen. Aber: „Der entscheidende Punkt ist, wenn wir freie Fläche in urbanisierte Fläche umwandeln.“ Ein großer Tropfen bei Starkregen komme mit einer Geschwindigkeit von 20 Metern pro Sekunde herunter. „Der Niederschlag ist eine Energiezufuhr. Es trifft Energie auf den Boden. Im Wald hat das weniger Auswirkungen.“

Doch die steigende Besiedelung und damit die Versiegelung der Flächen wirke sich negativ aus. Karsten Brandt nannte Beispiele. Ein „fieser Trend“ sei das Anlegen von Steinlandschaften in Gärten.

„Das Wasser wird oberflächig abgeführt. Das ist nicht ökologisch, das ist nicht nachhaltig. Ökologisch genau richtig ist der ungepflegte Garten, je wilder, umso besser, der Regen versickert.“ Und: „Jeder denkt, er habe ja nur eine kleine Fläche. Aber alle privaten Gärten in Deutschland zusammen sind so groß wie alle Naturparks zusammen.“ Auch die Landwirtschaft („Die Landwirtschaft halte ich für einen Problemfall“), die etwa die Spargelernte durch Folienabdeckung der Felder bereits ab März ermögliche, nahm der Wettermann aufs Korn. „Bei Regen schießt das Wasser sogar schneller über die Folienflächen als über versiegelte Flächen.“

Der Einsatz von schwerem Gerät in der Forstwirtschaft habe Auswirkungen auf die Durchlässigkeit des Bodens, monierte Karsten Brandt. Und er hat auch den „Problembaum“ ausgemacht – die Fichte, die viel weniger Wasser speichere als die Buche mit 70 Litern pro Quadratmeter. Dennoch werde der schnell wachsende Nadelbaum vielfach aus wirtschaftlichen Interessen angebaut. „Gewässer sind etwas Lebendiges. Für die alten Siedlungsplätze wurde Wasser gesucht, aber eben mit Distanz“, sagte Brandt auch.

Am Schluss entfachte sich in der Fragerunde mit dem Publikum noch eine lebhafte Diskussion. Der Klimatologe riet, abzuwägen bei städtebaulichen Entscheidungen. Einen Trend zur Häufung von Starkregen sah er nicht, aber pro Ereignis sei die Niederschlagsmenge größer. „Wir haben selbst viel in der Hand. Es wird viel zu viel Fläche versiegelt.“ Forstdirektor Stephan Schütte nannte eine Zahl: „Jeden Tag werden 120 Hektar Fläche in urbane Bereiche umgewandelt.“

Jutta Schmidt, Leiterin des Fachdienstes Tiefbau bei der Stadt, und Marcus Killat, Chef des Abwasserwerks, informierten bei der Auftaktveranstaltung der Nachhaltigkeits-Reihe darüber, was die Stadt in Sachen Starkregen tut: Nach den Ereignissen 2013 und 2014 wurde eine Arbeitsgemeinschaft gegründet; eine Risikostudie und eine Risikokarte werden erstellt, um Schadenspotenziale schnell erkennen zu können, etwa bei der Planung von Neubauten; die Brücke am Annapfad, wo sich alles staute, wurde zurückgebaut; der Möschbach wird renaturiert; an gefährdeten Punkten am Fuße des Siebengebirges werden Geröllfänge installiert. Bei der nächsten Veranstaltung am 22. September geht es um das Thema „Verkehr & Tourismus“ mit Referenten der IUBH.