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Theater in Bad Honnef: Die Rheingräfin lädt in die Villa Schaaffhausen

Theater in Bad Honnef : Die Rheingräfin lädt in die Villa Schaaffhausen

Die Villa Schaaffhausen war einst Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens Im Siebengebirge. Inzwischen sind die herrschaftlichen Tage des Gebäudes in Rommersdorf in Vergessenheit geraten. Ein Theaterstück soll die Vergangenheit und die Familie Schaaffhausen nun wieder lebendig machen.

Hier verkehrten Repräsentanten aus Hochadel, Kirche und Militär. Der spätere Kaiser Wilhelm II. pflanzte bei einem Besuch der Familie Schaaffhausen 1876 die Kaisereiche. 1846 erwarb der Fabrikant Hubert Schaaffhausen die Villa und fügte ihr den Südflügel an. Und Sohn Hermann ließ später den Turm errichten, der das Ensemble heute noch prägt. Nun ist zwei bedeutenden Mitgliedern der weitverzweigten rheinischen Familie Schaaffhausen, die in Köln das Schaaffhausensche Bankhaus besaß, ein theatralischer Abend gewidmet ist: dem Anthropologen Hermann Schaaffhausen und seiner Großcousine Sibylle Mertens Schaaffhausen. Sie ist als „die Rheingräfin“ berühmt geworden. Entsprechend heißt das Stück, das am Donnerstag, 9. September, auf dem herrschaftlichen Anwesen anlässlich des Beethovenfestes Premiere hat, „Die Rheingräfin lädt ein“.

Die Idee zum Theaterstück im Beethovenjahr hatte Kulturring-Chef Torsten Schreiber. Und die Stadt Bad Honnef vergab den Auftrag an Autorin und Regisseurin Sabine Fringes, die drei Personen auf die Bühne bringt, um dem Publikum die Familie Schaaffhausen näherzubringen. Sibylle (1797-1857), die in ihren Salons die bedeutendsten Köpfe – Gelehrte, Künstler, Musiker – um sich scharte und selbst zu den gebildetsten Frauen ihrer Zeit gehörte, wird von Sabine Falter dargestellt. Ihre gute Freundin und Begleiterin Adele Schopenhauer (1797-1849), Schriftstellerin und Schwester des Philosophen Arthur Schopenhauer spielt Frederike Bohr. Hermann Schaaffhausen (1816-1893), der als Neandertalforscher auch den Neandertaler für 1000 Goldmark aus dem eigenen Vermögen dem damaligen Provinzial- und heutigem Landesmuseum Bonn sicherte und sich darüber hinaus als Mäzen der Künste auszeichnete, stellt Tom Jacobs dar. „Hermann Schaaffhausen, der auch beliebter Professor an der Uni Bonn war und rappelvolle Vorlesungen hatte, wird durch den Abend im Innenhof des Anwesens führen“, beschreibt Sabine Fringes das Stück.

Nichts Fiktives im Stück

Die Autorin hat sich an das gehalten, was ihr an Schriftlichem vorlag. „Ich habe nichts Fiktives in mein Skript aufgenommen.“ Nicht nur Aufzeichnungen und spannende Briefe der Protagonisten, sondern auch Vorlesungen Hermanns ließ sie in das Stück einfließen – Ernstes, Trauriges neben Leichtem, ja auch Komischem sind dann auf Schaaffhausen zu hören. Die Besucher werden einen Blick in die damalige Zeit werfen, dem Lebensgefühl nachspüren an einem authentischen Ort, auch die Rolle der Frau in dieser Zeit wird beleuchtet. Die Musik zieht ein mit Kompositionen von Beethoven und seinem Schüler Ferdinand Ries, der bei der Rheingräfin „um die Ecke wohnte“. Beethoven lebte zwar schon in Wien, als Sibylle in Köln geboren wurde, wo sie neben dem Dom aufwuchs. Aber „die tatkräftige Frau“, so Fringes, verehrte ihn, kümmerte sich mit um die Errichtung des Beethovendenkmals, unterstützte die Rheinischen Musikfestspiele; die Klaviervirtuosin und Sängerin dirigierte dafür riesige Chöre zu den Proben.

In Bonn bewohnte sie in Plittersdorf den Auerhof und eine Villa an der Wilhelmstraße, auf dem Petersberg hatte sie einen Sommersitz. Auch Hubert und Hermann Schaaffhausen sind in ihren Salons zu Gast. Dichter Wolfgang Müller von Königswinter beschrieb das bunte Treiben einmal so: „Da wurden dann Bowlen gebraut, da wurden Quartette gesungen, da war lauter Lust und Fröhlichkeit.“ Fast vergessene Lieder von Annette Droste-Hülshoff, Josefine Lang und von der Rheingräfin selbst werden erklingen, ja, auch ein altes rheinisches Lied. Fringes: „Die Rheingräfin liebte das alte kölsche Liedgut.“

Sabine Fringes bringt dem Publikum die Rheingräfin, deren Mutter aus der Honnefer Schifferfamilie Giesen stammte und sieben Tage nach Sibylles Geburt verstarb, in vielen Facetten nahe. „Schon ihr Vorname hat Sibylle alle Ehre gemacht. Sibylle bedeutet die göttliche Seherin. Sie selbst hatte auch Ahnungen, einen ausgeprägten sechsten Sinn.“ Die intellektuelle Wissenschaftlerin, die Archäologin, Altertumskundlerin, die eine Sammlung aus der klassischen Antike zusammengetragen hatte, über eine der bedeutendsten Münzsammlungen Deutschlands und über Sammlungen von Gemälden und alten Kupferstichen verfügte, wird in dem Schaaffhausen-Anwesen förmlich greifbar.

Archäologische Funde in Italien

„Sie begleitete ihren Vater als kleines Kind zu Ferdinand Franz Wallraf und spielte dann auf dem Boden sitzend mit Münzen“, fand Sabine Fringes heraus. Vater Schaaffhausen war nicht nur ein Kaufmann großen Stils, sondern auch ein Verehrer von Kunst und Wissenschaft und ein kräftiger Förderer. Das Interesse an Kunst, Musik und Kultur war also früh geweckt bei Sibylle.  „Von Wallraf wurde sie ausgebildet, zu ihren archäologischen Funden in Italien gibt es interessante Briefe“, so Fringes. Die außergewöhnliche Frau war für die Italiener „La Principessa tedesca“. Auf dem Friedhof des Campo Santo Teutonico in Rom wurde sie beigesetzt.

Durch das Verschieben der Open-Air-Aufführungen gab es für die Regisseurin und die Schauspieler neue Voraussetzungen. „Jetzt ist die Treppe eingerüstet“, berichtet Sabine Fringes. Fast symbolisch zu nehmen: Die Ruinen der Vergangenheit werden ins Licht gerückt. Das Publikum wird sich jedenfalls auf zwei interessante Abende freuen dürfen. Die Autorin hofft, dass es wie in den ungezwungenen, aber anspruchsvollen Salons der Rheingräfin zugeht – dass die Besucher gut unterhalten werden, sich aber gleichzeitig bilden können. Spaß soll es machen, wenn in dem herrschaftlichen Anwesen alte Zeiten erweckt und die Erinnerung an die bedeutenden Protagonisten des Stückes lebendig wird. Salonmäßig passend werden den Zuschauern auch Getränke gereicht.

„Die Rheingräfin lädt ein“ wid in der Villa Schaaffhausen am Donnerstag, 9. September, und am Freitag, 10. September, jeweils um 19 Uhr aufgeführt. Tickets zum Preis von 18,50 Euro sind noch erhältlich über BonnTicket oder an der Abendkasse.