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Ausstellung im Kunstraum Bad Honnef: Die Suche nach dem zutiefst Menschlichen

Ausstellung im Kunstraum Bad Honnef : Die Suche nach dem zutiefst Menschlichen

Die Königswinterer Künstlerin Gisela Thielmann beschäftigt sich mit dem menschlichen Individuum mit all seinen Ecken und Kanten. Das Ergebnis sind ausdrucksstarke Werke von der Plastik bis zum Druck. Einige sind zurzeit im Kunstraum Bad Honnef zu sehen.

Das Menschsein in all seinen Facetten hat es Gisela Thielmann angetan. Eine simple Geste, ein Blick sage oft mehr aus als ein minutenlanges Gespräch. „Denn es ist einfach unglaublich spannend, jemandem in die Augen zu blicken und sich die Hintergründe zu erschließen, weshalb er oder sie so schaut, so wirkt, sich so verhält“, sagte sie.

Die großen Gestalten der griechischen Mythologie neben den indigenen Völkern der entlegendsten Landschaften im süden Äthiopiens, darüber wachend die zwölf Tierkreiszeichen – es ist nicht ohne Grund ein weiter thematischer Bogen, den die Königswinterer Künstlerin Gisela Thielmann mit ihrer jüngsten Ausstellung im Honnefer Kunstraum spannt.

Das Individuum mit all seinen Ecken und Kanten zu erfassen, so lautet das Ziel ihrer kreativen Sinnsuche nach der Essenz des Menschseins – mal aus mythologischer, mal aus symbolischer, mal aus psychologischer Perspektive, und dabei doch immer mit Charme, kreativem Esprit und unverkennbarer künstlerischer Handschrift.

Fröhliches gibt es in diesem ausdrucksstarken Panoptikum genauso zu sehen wie Verführerisches und Sehnsüchtiges, wie intime Ergriffenheit und spartanische Härte – aber auch die Schattenseiten des Menschseins, das Trostlose, das Traurige, werden nicht ausgespart. In einer Ecke des Raumes, direkt neben dem Eingang, hängt etwa das „Scheidungskind“ an der Wand, ein kopfloser, zerrissener Pappmaché-Körper, aufgespießt und in entgegengesetzte Richtungen gezerrt von stramm gespannten Fäden; am anderen Saalende die „Antriebslose“, ein dunkel gehaltener Bronzeguss als Symbol für Melancholie und Trübsinn, freudlos in sich zusammengesunken, scheinbar mit ihrem Stuhl verwachsen.

Zwischen Tristesse und Lebensfreude

Im Kontrast dazu sprüht die „Jugend“, eine hochgewachsene, schlanke Frauenfigur mit langen Proportionen, an der Thielmann über einen Zeitraum von zwei Jahren arbeitete, Selbstvertrauen und Lebensfreude aus. „Sie ist sich ihrer Schönheit bewusst, aber noch jung und zurückhaltend, stellt sich nicht offensiv zur Schau“, kommentiert die Künstlerin ihr Werk.

Schwarzer Ton mit erdiger, ockerfarbener Engobe zeichnet indes das „Surma-Mädchen“ aus – eine Kopf-Plastik, einer jungen Äthiopierin nachempfunden, die den Betrachter mit leuchtenden, aufgemalten Augen in den Bann zieht. Inspirieren ließ sich Thielmann von den Werken des italienischen Fotografen Gianni Giansanti – „mich hat es fasziniert, wie stolz und aufrichtig die Menschen einen in seinen Bildern anschauen“.

Diese Schönheit hält Thielmann ferner nicht nur mit Linol- oder Holzschnittdrucken auf Weinfilterplatten fest, sondern lädt zudem mit „Meditation“, einer überdimensionierten Gesichtshalbplastik aus glasfaserverstärktem Kunststoff, zur direkten Konfrontation der Blicke ein. Die heimlichen Perlen der Ausstellung warten jedoch in der Raumecke, die der homerischen Odyssee gewidmet ist. Dort lockt die Zauberin Kirke, ihre Reize lasziv zur Schau tragend, auf ihrem Thron, während die goldene Büste der Pallas Athene in beinahe völliger Abstraktion ein wachsames Auge auf das verführerische Sirenen-Trio richtet.

Der König von Ithaka selbst prangt als Holzschnitt an der Wand, durch dunkelblau angedeutete Wassermassen getrennt von seiner in Ungewissheit wartenden Gattin Penelope. Im übertragenen Sinne spiegelt sich die Irrfahrt des listenreichen Odysseus auch in den zwölf Tierkreiszeichen wider, die als Tonfiguren auf einem Tisch mitten im Raum prangen: „Die zwölf Sonnenzeichen stehen für die Erfahrungen, die Odysseus während seiner Reise durchläuft“, erklärt Thielmann, selbst astrologisch interessiert. In welchem Zeichen sie geboren sei? „Schütze“, erwidert sie, „die Sinnsuchende.“

Die Ausstellung „Menschenbilder“ im Kunstraum, Rathausplatz 3 in Bad Honnef, ist bis zum 29. Januar jeden Donnerstag und Freitag von 16 bis 19 Uhr sowie jeden Samstag und Sonntag von 10 bis 15 Uhr zu sehen.