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Tauchereinsatz in Aegidienberg: DLRG übt Lebensrettung am Himberger See

Tauchereinsatz in Aegidienberg : DLRG übt Lebensrettung am Himberger See

Die DLRG hat gemeinsam mit dem Ortsverband Bad Honnef-Unkel die Lebensrettung eines in Not geratenen Schwimmers in Aegidienberg geübt. Dazu wurde eine Puppe im Himberger Sees versteckt.

Notruf vom Himberger See: „Eine Person ist im Wasser verschwunden!“ Was wie ernste Lage klang, war glücklicherweise nur eine Übung für die DLRG. Aber die Lebensretter vom Ortsverband Bad Honnef-Unkel, die diesen Einsatz zusammen mit dem Bezirksverband DLRG Rhein-Sieg absolvierten, waren dennoch konzentriert bei der Sache und setzten alles daran, um den Vermissten zu finden.

Bevor die DLRG-Mitglieder am See eintrafen, war eine Kunststoffpuppe mit ordentlich viel Blei am Leib in sechs Meter Tiefe auf eine Astgabel gesetzt worden. Auf dem Plateau über dem See teilte Daniel Heuser, Einsatzleiter der DLRG Rhein-Sieg, dann die Gruppen ein.

Das Raft-Boot für die Strömungsretter wurde klargemacht und den steilen, vom Regen aufgeweichten, rutschigen Abhang zum Wasser hinunter geschleppt, die Taucher legten ihre schwere Ausrüstung an. Alles funktionierte wie am Schnürchen. Klaus Peter Baum, Leiter Einsatz beim DLRG-Ortsverband Bad Honnef-Unkel, der selbst den Taucheranzug trug, meinte: „Wir üben ja auch regelmäßig.“

Suche im Scheibenwischerverfahren

Als Signalmann am Seerand agierte der Leiter der Honnefer Ortsgruppe, Uli Medenbach. Er hielt die Leine an einem Ende, während die junge Taucherin eine Schlaufe am anderen Ende an der Hand hatte. Über diese Leine „funkte“ ihr Leinenführer Signale – einmal Ziehen ist das Notsignal, zweimal – der Taucher soll sich nach links bewegen, dreimal nach rechts.

Im Scheibenwischerverfahren wurden so Bereiche des Sees abgesucht. Wäre Svenja Monien in Not geraten, hätte ein Reservetaucher der Leine entlang losziehen müssen, zum Beispiel Klaus Peter Baum oder auch Marvin Faust aus Lülsdorf, um ihr zu helfen.

38 Minuten blieb sie bei ihrem ersten Tauchgang unten. „In acht Meter Tiefe war ich. 13 Grad sind unten, oben herrschen Wassertemperaturen von 15 bis 16 Grad.“ Die Kälte hatte sie irgendwann gespürt in ihrem halbtrockenen Anzug. Aber vor allem: „Ich habe kaum etwas gesehen, nur noch getastet.“ Noch einmal 20 Minuten tauchte sie ab. Nichts. Der erfahrene Klaus Peter Baum konnte ebenfalls weit und breit nichts von der zu rettenden Puppe sehen.

Auch die befreundeten Taucher aus Lülsdorf stießen nicht auf den Plastikkörper. Währenddessen fuhren Strömungsretter aus Eitorf im Boot die Außenbereiche ab, schauten konzentriert ins Wasser. Nichts. Auch sie hatten nur einen halben Meter Sicht vom Boot aus.“ Gerade jetzt in Corona-Zeiten, in denen das Schwimmen in den Freibädern mit gewissen Einschränkungen verbunden ist, befürchten die Retter, dass noch mehr Leute Seen und Flüsse aufsuchen, gerade an heißen Sommertagen.

Selbstüberschätzung und Schwimmunfähigkeit

Daniel Heuser, zuständig für die Wasserwacht bei der DLRG: „Die größte Gefahr sind Selbstüberschätzung und Schwimmunfähigkeit. Konnten in den neunziger Jahren noch 90 Prozent der Drittklässler schwimmen, sind es jetzt nur noch 50 Prozent.“ Die Gründe: Jeden zweiten Tag schließe in Deutschland ein Schwimmbad und das Schwimmenlernen sei teilweise nicht üblich. Zum tödlichen Mix könne auch noch Alkohol beitragen. „Dann kommt die Idee, mal eben den See zu durchschwimmen, weil die Strecke doch nicht weiter als beim Seepferdchen sei – und in der Mitte geht es dann doch nicht mehr.“

Uli Medenbach kann sich nicht an einen Badeunfall im Himberger See erinnern, aber an ernste Einsätze im Dornheckensee oder am Allner See. Daniel Heuser: „Und seit Jahren gibt es die Schaulustigen, die dann den Rettungseinsatz auch noch filmen. Wir müssen dann regelmäßig den Einsatzort von der Polizei räumen lassen.“

Bei der Übung im strömenden Regen gab es keine Schaulustigen. Es wurde schon schummrig, als die DLRG-Retter nach fast zwei Stunden die Suche einstellten nach dieser Puppe. Stellvertretend demonstrierten zwei Strömungsretter die letzten Meter: Janneck Winkler kraulte Michael Müller entgegen, um ihn mit einem Rettungsgriff an Land zu ziehen. Uli Medenbach: „In der nächsten Woche suchen wir weiter.“