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Patrick Steidle aus Bad Honnef veröffentlicht Erstlingswerk: Drei Monate von der ersten Zeile bis zum fertigen Roman

Patrick Steidle aus Bad Honnef veröffentlicht Erstlingswerk : Drei Monate von der ersten Zeile bis zum fertigen Roman

Unter dem Pseudonym Patrick D. Stein hat der Bad Honnefer Autor Patrick Steidle jetzt seinen ersten Roman veröffentlicht. Das Buch widmet sich unter anderem der Aufarbeitung von Kriegserlebnissen, dem Leben eines Bombeentschärfers - und verschütteten Erinnerungen.

Ein Bombenentschärfer und die Einsamkeit – das sind die Zutaten für das Buch „Wir sind nicht da“ von Patrick Steidle. „Den Wunsch, einen Roman zu schreiben, hatte ich schon als Kind“, erzählt der 45-Jährige, der unter dem Pseudonym Patrick D. Stein seinen Erstling vorstellt. „Weil mein Name regelmäßig falsch geschrieben wird“, erklärt der Autor, der seit zehn Jahren in Bad Honnef lebt, die Wahl der Alias-Form.

Bisher hatte ihm das Thema gefehlt, aber dann brachten ihn die Berichte über die zahlreichen Bombenentschärfungen im Rheinland und die Sirenen-Probealarme auf die Idee. „In unserem Nachbarhaus war noch eine Sirene angebracht, die während der Kriegszeit bei Fliegeralarm laut heulte“, berichtet Steidle, der in Flehingen bei Karlsruhe aufgewachsen ist.

Erinnerungen der Kriegskinder

An diese Erzählungen erinnerte er sich während der Sirenenproben. Er verknüpfte das explosive Erbe des Bombenkriegs mit den verschütteten Erinnerungen der Kriegskinder. „Gefangen zwischen Schuldgefühlen und schmerzhaften Erfahrungen versuchen viele Betroffene und deren Angehörige bis heute, mit diesem Erbe zu leben“, sagt Patrick Steidle, der Geschichte, Volkswirtschaftslehre und Linguistik studierte, bevor er im Bereich Marketing, PR sowie als Redenschreiber in Wirtschaft und Industrie tätig wurde und sich auch immer für psychologische Themen interessierte.

Steidle verfolgt in seinem Buch den Faden vom Zweiten Weltkrieg bis heute. Da ist diese Kriegsenkelgeneration, die noch unter der „Fernwirkung“ dieser dramatischen Jahre leidet, so wie sein Protagonist. Väter waren abwesend durch Krieg und Gefangenschaft, kehrten nicht zurück oder sprachen nach der Heimkehr nicht über ihre furchtbaren Erlebnisse. Steidle hat da eigene Erfahrungen: „Ich kenne nur den Bruchteil meiner Familie.“ Auf dem Ofensims bei der Großmutter, die selbst im Krieg verschüttet war, standen Fotos gefallener Angehöriger. Erlebnisse wurden nicht verarbeitet, aber dennoch weitergegeben an die Kinder und Enkel.

Nicht nur das Thema ist spannend, sondern der Leser spürt auch, dass hier kein unerfahrener Schreiber am Werk ist. Bereits der erste, filigrane Satz macht Lust auf mehr: „Bruno Hartmann fühlte eine solche Schwere in sich, als ob er mit flüssigem Blei ausgegossen wäre.“ Steidle hat eine feine Sprache für dieses schwere Thema gefunden.

Von Bombenentschärfern und Einsamkeit

Dieser Bruno Hartmann ist Bombenentschärfer, lebt seit vielen Jahren zurückgezogen. Doch dann kommt sein Kollege Rolf, sein einziger Freund, bei einer missglückten Entschärfung ums Leben. Er hatte die Druckwelle der Explosion, die sich zuerst über den Boden fortgepflanzt hatte, unter den Füßen gespürt – so als ob „eine gewaltige Macht angeklopft hätte“. Brunos Welt gerät ins Wanken. Er lernt Rolfs Tochter Vera kennen. Die für ihn unentrinnbar scheinende Einsamkeit wird so durchbrochen.

Patrick Steidle: „Die unverhoffte Begegnung zwingt ihn, sich seiner großen Angst und damit auch seiner Vergangenheit zu stellen.“ Als eine weitere Bombe in Köln gefunden wird, schafft es Bruno, dieses Monster unschädlich zu machen. Und im Buch heißt es: „Er dachte an Rolf. Etwas Sinnvolles tun. Die Welt ein bisschen sicherer zu machen.“ Bruno besucht danach nach langer Zeit seine alte Mutter. „Sie hatte ihr Leben nie gelebt. Und im gleichen Moment wurde ihm bewusst, dass er das auch nicht getan hatte.“

Auch wenn Bomben, Todesnähe, Einsamkeit in diesem Buch thematisiert sind, unterstreicht der Autor: „Ich will den Leser nicht deprimieren, sondern möchte ihm zeigen, wie Betroffene sich selbst aus der Situation befreien. Das Buch ist aber kein Ratgeber, sondern soll eine positive Botschaft überbringen.“

In nur drei Monaten hat Patrick Steidle das Buch verfasst. „Aber ich habe mich sehr lange mit dem Thema beschäftigt, es von allen Seiten beleuchtet.“ Er ließ sich auch von Mitgliedern der Kampfmittelräumdienste die technischen Details der Bomben erläutern. „Sie öffneten mir das Tor zu dieser Welt.“ Einer gefährlichen. Jetzt sitzt Patrick Steidle an einem neuen Roman. „Es geht um den Sinn des Lebens“, verrät Steidle alias Patrick D. Stein.

Patrick D. Stein, „Wir sind nicht da“ (128 Seiten, 8,99 Euro, BoD Norderstedt)