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Ausstellung im Kunstraum: Ein Appell zum Klimaschutz in Bad Honnef

Ausstellung im Kunstraum : Ein Appell zum Klimaschutz in Bad Honnef

Der Künstler Ulrich Cremer zeigt seine Plakate zum European Green Deal im Kunstraum Bad Honnef. Seine Ausstellung „KLMSCHTZ jetzt“ ist ein flammender Appell, mehr für den Schutz unseres Heimatplaneten zu unternehmen.

Aus der Sicht von Ulrich Cremer ist die Welt im Eimer – zwar noch nicht ganz, aber fast. Die eine Hälfte des alten Globus’ ist bereits in dem rostigen Mülleimer aus Metall verschwunden, die andere schaut noch oben heraus. Noch scheint es also nicht zu spät zu sein, noch könnte die Erde gerettet werden. So ist die Ausstellung, die am Sonntag im Kunstraum in Bad Honnef eröffnet wurde, ein einziger flammender Appell Cremers, mehr für den Schutz unseres Heimatplaneten zu unternehmen. Unter dem Titel „KLMSCHTZ jetzt“ zeigt der Königswinterer Künstler noch bis zum 23. August Plakate zum European Green Deal sowie Plastiken, die sich mit der Zerstörung von Umwelt und Natur beschäftigen.

„Der Titel ist Ausdruck für eine der dringlichsten Forderungen unserer Zeit, für deren Umsetzung uns jedoch noch entscheidende Vokale fehlen“, erläutert Cremer. „Uns fehlt das I, der Intellekt zu erkennen, dass sich dem Klimaschutz  alle anderen Probleme und ökonomischen Erwägungen unterordnen müssen.“ Es fehle weiterhin das A, die Anerkennung der Tatsache, dass die lange Verweildauer menschengemachter Treibhausgase in der Atmosphäre deren sofortige maximale Reduzierung erfordert. „Und uns fehlt das U, das Umweltverständnis, dass wir selbst Teil der Natur sind und Klimaschutz nichts weniger als den Erhalt unserer existenziellen Lebensgrundlagen bedeutet.“ Mit seinen Arbeiten möchte er das Thema visualisieren und so „eine Brücke vom wissenden Kopf zur handelnden Hand bauen“.

Fundstücke aus dem Rhein werden zum Kunstobjekt

So ist auf einem Plakat ein großer Apfel abgebildet, auf dem wiederum eine Weltkarte zu sehen ist. „Ein Apfel, an dem wir so lange herumknabbern, bis er weg ist“, so Cremer. Ein anderes Plakat trägt den Titel „Wir sind eins“: ein Vogel, ein Affe, ein Fisch und ein Mensch bilden hier gemeinsam einen Körper. Die Plastik „Der Stellvertreter“ zeigt den Kopf eines mächtigen Damhirschs, der fast vollständig mit Mullbinde umwickelt ist – ein Sinnbild für das, was wir der Natur antun. 

Andere Skulpturen hat der Künstler aus Fundstücken gearbeitet, die der Rhein angespült hat: morsche Holzstücke, ein verbogenes Grillrost, eine rostige Metallpfanne. „Ich lebe den Recyclinggedanken“, sagt Cremer. Außerdem reize ihn die natürliche Patina, die der Fluss an Holz und Metall entstehen lässt – und die den Kunstwerken ihren ganz eigenen Charme verleihen.

Es ist die zweite Ausstellung nach dem Lockdown im März, die im Kunstraum zu sehen ist. „Das Konzept eines Tags der offenen Tür hat sich bewährt“, sagt Claudia Nasner, Vorsitzende des Vereins zur Förderung von Kunst und Kultur in Bad Honnef. Auf die Einführungsrede müssen Kunstfreunde zwar verzichten, auch dürfen sich maximal acht Besucher mit Mundschutz im Ausstellungsraum aufhalten, dafür wurden aber die Öffnungszeiten verlängert, sodass alle Kunstinteressierten ausreichend Gelegenheit haben, sich die Werke anzuschauen. „Das ist der Kompromiss, den wir eingehen mussten, um den Kunstraum wieder aufmachen zu dürfen.“ Bislang habe das Konzept super funktioniert. „Man merkt, dass die Leute wieder Kunst sehen wollen.“ Ab dem Herbst wolle man daher auch versuchen, wieder zum regulären Ausstellungsprogramm zurückzukehren.

Die Ausstellung ist noch bis zum 23. August im Kunstraum am Rathausplatz in Bad Honnef zu sehen. Geöffnet ist sonntags von 11 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung unter 0 22 24/7 32 34 (Nasner). Jederzeit angeschaut werden kann zudem die „FensterGalerie“.