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Schüler spenden für Projekte: Ein Arbeitstag für Afrika

Schüler spenden für Projekte : Ein Arbeitstag für Afrika

Es war quasi Afrika-Woche am Schloss Hagerhof. Erst absolvierten die Schüler ihren traditionellen "Tag für Afrika" und arbeiteten acht Stunden lang bei Honnefer Unternehmen zugunsten ihres Ausbildungsprojektes in Burkina Faso.

Dann überreichte Karina Rohskothen, die Geschäftsstellenleiterin der Bad Honnefer Aktion Weltkinderhilfe, dem Leiter der AG Entwicklungspolitik an der Schule, Jürgen Berg, einen Scheck in Höhe von 30 000 Euro. Mit dabei war neben Hagerhof-Leiterin und Weltkinderhilfe-Stiftungsvorstand Gudula Meisterjahn-Knebel auch Rakieta Poyga.

Die Frau aus Westafrika ist Gründerin der Association Bangr-Nooma, die Projektträgerin des Ausbildungszentrums in Ouagadougou ist. "Bangr Nooma" bedeutet: "Es gibt nichts Besseres als Wissen". Ganz in diesem Sinne hat die Aktion Weltkinderhilfe den Bau des Ausbildungszentrums großzügig unterstützt und hilft seitdem mit, den laufenden Betrieb zu sichern. Ende 2013 hat die Stiftung einen Container mit einem Kleinbus und Werkzeug, Arbeitsmaterial und Kleidung im Wert von 47 000 Euro nach Burkina Faso geschickt.

Rakieta Poyga war aber noch in einer weiteren Mission am Hagerhof. Sie ist eine der Vorkämpferinnen gegen weibliche Genitalverstümmelung und hält derzeit im Auftrag von Terre des femmes Vorträge in ganz Deutschland. Über das schwierige Thema berichtete die Mutter von zwei Kindern Schülern der Klassen 9 bis 11.

17 Millionen Menschen leben in ihrem Heimatland, 52 Prozent sind Frauen. "70 Prozent aller Mädchen und Frauen sind von Genitalverstümmelung betroffen. Frauen meines Alters sind zu 99 Prozent beschnitten", berichtete Poyga, die von ihrer Tochter Magali (16) begleitet wurde. Zwar sei das Beschneiden seit 1996 per Gesetz verboten.

Aber in einem Land, in dem 70 Prozent der Bevölkerung nicht schreiben und lesen können, komme diese Vorschrift nicht an. Unter dem Motto "Damit der Schmerz ein Ende hat" informierte sie über die unmenschlichen Beschneidungspraktiken, die meist auch noch ohne Narkose und unter unhygienischen Bedingungen angewandt werden.

"Mädchen verbluten dabei oder infizieren sich mit Krankheiten, andere leiden ein Leben lang unter Schmerzen. Bei Schwangerschaften und Geburten kommt es häufig zu lebensgefährlichen Komplikationen für Mutter und Kind", so Rakieta Poyga. Sie selbst schwebte bei der Geburt ihres ersten Kindes in Lebensgefahr.

Sie nannte die Gründe für diese Handlung: "Tradition. Eine nicht beschnittene Frau ist unrein, der Mann wird impotent nach dem Verkehr mit ihr, ihre Gebete werden nicht erhört." Ihr Verein setzt auf Aufklärung. In drei Provinzen sind ihre Mitarbeiterinnen aktiv und führen Sensibilisierungskampagnen in Dörfern oder Stadtvierteln durch, lokal einflussreiche Personen werden geschult. Beschneiderinnen erhalten Kleinkredite, um sich eine neue Existenz aufbauen zu können.

"Seit der Gründung von Bangr Nooma 1998 konnten wir nachweislich mehr als 33 000 Mädchen vor der Genitalverstümmelung bewahren."

Kurz gefragt

Jürgen Berg (52) leitet die AG Entwicklungspolitik am Gymnasium Schloss Hagerhof, an dem er seit 1996 unterrichtet. Mit dem Lehrer für Geschichte, Religion und Latein sprach Roswitha Oschmann.

Was passiert mit dem Scheck über 30 000 Euro von der Aktion Weltkinderhilfe?
Jürgen Berg: Wir unterstützen seit 2007 den Aufbau eines Ausbildungszentrums in Burkina Faso. Dafür bekommen wir Mittel von der Aktion Weltkinderhilfe. Insgesamt erhielten wir aus dieser Quelle bisher Geld- und Sachspenden in Höhe von 240 000 Euro. Wir hatten in dieser Woche aber auch unseren "Tag für Afrika". 500 Schüler haben einen Tag lang in Honnefer Unternehmen gearbeitet. Bei dieser Aktion gehen jedes Jahr zwischen 12 000 und 15 000 Euro ein. Ich möchte mich gerne bei den Familien und Firmen bedanken, die unsere Schüler einen Tag lang aufgenommen und bezahlt haben.

Welche Berufe erlernen die Jugendlichen im Ausbildungszentrum in Burkina Faso?
Berg: Dort werden Kfz-Schlosser, Elektriker, Schreiner, Schweißer und Näherinnen ausgebildet. Die Jugendlichen haben beim Aufbau der Einrichtung mit angepackt, beispielsweise Tische und Stühle selbst hergestellt. In einer Werkstatt vor der Tür bieten sie einen Reparaturservice für Zweiräder an.

Wie halten Sie Kontakt?
Berg: Im Januar 2013 habe ich mit Schülern der AG im Zentrum gewohnt. Für 2016 planen wir einen erneuten Besuch. Zwischendurch erhalten wir E-Mails und Fotos und können so die Entwicklung verfolgen. Aufnahmen zeigen, dass das Gebäude mittlerweile einen schönen Anstrich erhielt. Das Haus ist vollständig eingerichtet, die Werkstätten funktionieren. Wir arbeiten auch mit dem Senior-Expert-Service zusammen. Fachleute im Ruhestand leiten die Schüler an.

Wer erhält eine Ausbildung?
Berg: Es sind Kinder benachteiligter Familien aus den Vorstädten der Hauptstadt Ouagadougou, die sonst keine Lehre absolvieren könnten. Auch einige Straßenkinder werden aufgenommen.

Was gibt Ihnen dieser Einsatz für Afrika?
Berg: Viel. Als Mensch versuche ich gern, die Welt zu ändern. Es ist aber auch mein Auftrag als Lehrer. Unsere Schüler sollen die Möglichkeit erhalten, selbstwirksames Handeln in Schule und Gesellschaft erproben zu können.