Ray Cooper in Bad Honnef Ein außergewöhnlicher Gentleman

BAD HONNEF · Ray Cooper ist ein wahrer Star der Folkszene. Mit 16 Jahren stieg er in das Musikgeschäft ein; 1988 wurde er zum großen Fisch, als er sich der berühmten "Oysterband" anschloss. In 27 Ländern ist er bislang aufgetreten, ganze 19 Alben hat er aufgenommen - nun bricht er auf in neue Gewässer. Als Solokünstler tourt er durch Nordeuropa und genießt die Ungezwungenheit, die künstlerische Freiheit. Seine Rundreise durch Deutschland führte ihn nun ins Feuerschlösschen.

 Mit Gitarre, Cello und rauem Gesang: Ray Cooper.

Mit Gitarre, Cello und rauem Gesang: Ray Cooper.

Foto: Neal Graham

Mit dem gebürtigen Briten, der in Schweden lebt und sich in Deutschland verliebt hat, ging dem Veranstalterverein "Folk im Feuerschlösschen" ein großer Fang ins Netz. "Viele Leute nennen mich einen ausgezeichneten Folkmusiker... außer Folkmusikern", beschrieb sich Cooper schmunzelnd. Denn er ist kein gewöhnlicher "Folker": Schon auf den ersten Blick wirkt er anders, als man es vielleicht erwarten würde.

Statt dem folktypischen Jeans-Hemd-Look versprüht er im stilvollen Anzug den Charme eines englischen Gentlemans. Den nötigen Schuss schwarzen Humor inklusive: "Ich spiele heute Abend aus meinem ersten Soloalbum mit dem wundervollen Titel 'Geschichten von der Liebe, vom Krieg und vom Tod durch den Strang'", begrüßte er den vollen Saal.

Direkt nach den ersten Liedern zeigte sich: Cooper wirkt nicht nur anders, er ist es auch. Seine Musik ist überraschend modern, erfrischend individuell. Wer rein traditionelle Klänge erwartete, der wurde von Cooper und seinem modernen Zugang zur Folkmusik verblüfft. Mit einfachen Mitteln, nämlich Gesang, Mundharmonika, Konzertgitarre und Cello, verstand er es, vollen Sound und eine mitreißende Atmosphäre aufblühen zu lassen. Seine Lieder waren mal fröhlich, mal melancholisch, doch stets optimistisch, und vor allem: Sie gingen direkt ins Ohr.

Mit viel Witz führte Cooper durch sein zweistündiges Arrangement - vom dramatisch-intensiven "Destroying Angel" über das träumerische "My Compass Points To North" bis hin zum locker-fröhlichen "The Sleeping Giant" war immer Abwechslung geboten. Wahre schottische Klassiker wie etwa "Mc Pherson's Rant" hatte er auch im Gepäck - in sein zeitgemäßes Gewand gekleidet. Wer sich an der modernen Herangehensweise an Folktraditionen störte, den gewann Cooper spätestens mit "Palace of Tears" für sich. In der Ballade, dem vorläufigen Titeltrack seines geplanten Nachfolgealbums, schilderte er seine Eindrücke von der deutschen Teilung, die er damals auf Tour mit der Oysterband gewonnen hatte. Das Publikum war sichtlich ergriffen.

Einen gelungeneren Auftakt zum Winterprogramm im Feuerschlösschen als Ray Cooper hätte es kaum geben können. Mit sowohl Biss als auch Feingefühl ließ der Brite die Linie zwischen Tradition und Moderne gekonnt verschwimmen. Er bewies, dass ein Mann mit viel Talent und Spielfreude genauso eindrucksvoll unterhalten kann wie eine mehrköpfige Band. Sein Publikum würdigte diese Leistung mit lang anhaltendem Applaus.

Übrigens: Nach Deutschland zurückkommen möchte Ray Cooper auf jeden Fall. "Ich fühle mich in ganz Nordeuropa zu Hause, denn die Menschen dort haben alle eine gemeinsame Kultur", so der Songwriter. Und ergänzte grinsend: "Sie heißt Bier."

Info: Das Programm von "Folk im Feuerschlösschen" ist unter folkimfeuerschloesschen.de.vu zu finden.

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