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Quereinsteiger in Bad Honnef: Einstieg in die Feuerwehr mit 39 Jahren

Quereinsteiger in Bad Honnef : Einstieg in die Feuerwehr mit 39 Jahren

Björn Haupt kam als Quereinsteiger mit 39 Jahren zur Feuerwehr. „Für mich ein absoluter Glückstreffer“, sagt er, denn es sei ein besonderes Ehrenamt, aus dem man selbst ganz viel mitnehme.

Den Spitznamen wird er so schnell wohl nicht mehr los. „Ich bin der Lehrgangsopa“, sagt Björn Haupt und lacht. Mit nicht mal Mitte 40 ist der Bad Honnefer von großväterlichen Weihen zwar noch weit entfernt. Für einen Neueinstieg bei der Feuerwehr hingegen ist ein Alter rund um die 40 schon eher eine Seltenheit. Oder nicht? „Sicher, die anderen Lehrgangsteilnehmer waren alle so um die 20 Jahre alt. Aber teils auch Quereinsteiger. Quereinstiege sind gar nicht so selten“, sagt der heute 43-Jährige. Und ergänzt: „Ich kann nur jeden, der sich interessiert, ermuntern, sich bei uns zu melden. Die Feuerwehr ist für mich ein absoluter Glückstreffer.“

Feuerwehr quasi von Kindesbeinen an: Von allen Einstiegsmöglichkeiten ist dies die landläufigste (siehe Kasten). Das Gros der späteren Aktiven startet mit der Jugendfeuerwehr, weiß auch Haupt. Hinzu kommen Mitglieder, die zwar nicht in der Jugendfeuerwehr waren, sich aber mit Erreichen des wehrfähigen Alters für die Wehr entscheiden. Die sei einerseits Hobby – also Aus- und Fortbildung mit anspruchsvollen Inhalten. Vor allem sei sie ein besonderes Ehrenamt, aus dem man selbst ganz viel mitnehme: „Man hilft Menschen, von banalen Dingen wie der Katze auf dem Dach bis dahin, dass Existenzen bedroht oder vernichtet werden oder es sogar um Leben und Tod geht.“ Das sporne an, erfülle – und sei eine Herzensangelegenheit.

Keine Vorbehalte

Immer häufiger gibt es Quereinsteiger wie Haupt. Frauen wie Männer. Technikinteresse sei sicher hilfreich, aber keine Voraussetzung, sagt der gelernte Systemelektroniker, der seit Langem im Vertrieb arbeitet. Und gibt es Berührungsängste oder gar Vorbehalte „alter Hasen“? „Überhaupt nicht. Das war auch etwas, das mich gleich überzeugt hat: Alle haben mich offen empfangen, man ist sofort integriert.“ Und zwar egal, woher man kommt oder was man macht. „Alles passiert auf Augenhöhe. Man muss sich schließlich immer auf den anderen verlassen können, einander vertrauen.“

„Mundpropaganda ist das A und O“, sagt Haupt. Auch bei ihm gaben persönliche Kontakte den ersten Ausschlag. „Thomas Weiss und Jörg Olbermann, die beide schon lange in der Feuerwehr aktiv sind, haben gesagt: 'Das wäre doch was für dich'“, so Haupt. Und: „Natürlich wusste ich, das ist eine gute Sache, die Feuerwehr leistet extrem wichtige Arbeit. Aber was sich alles dahinter verbirgt, wie intensiv das wirklich ist, davon hatte ich keine Vorstellung.“ Seine Neugierde war jedenfalls geweckt.

Vier Jahre ist das her. 2014 nahm Haupt als Beobachter an einer technischen Übung teil: „Einfach nur, um reinschnuppern“ – und um noch am selben Abend zu Hause Frau Donata, die im Ehrenamt beim Deutschen Roten Kreuz tätig ist, und den zehn und acht Jahre alten Söhnen Louis und Leon zu eröffnen: „Das würde ich gerne machen.“ Die Reaktion? „Klar, mach!“

Danach ging alles recht schnell. Es folgten das Bewerbungsgespräch bei der Wehrleitung – Haupt: „In die Feuerwehr tritt man nicht einfach ein wie in einen Verein.“ –, die arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung mit dem schönen Namen „G 26-3“, die die Befähigung zum Tragen von Atemschutzgeräten bescheinigt und regelmäßig neu nachgewiesen werden muss, der Antrag auf Aufnahme und schließlich die Einkleidung samt Übergabe des Melders. Lediglich auf den Start der Grundausbildung musste Haupt noch warten, „den Anfang des aktuellen Lehrgangs hatte ich leider gerade verpasst. Also habe ich erst mal sehr viel zugeschaut, viele Fragen gestellt.“ Das dicke Kompliment an die Kameraden: „Da gab es nicht einen, der genervt gewesen wäre. Im Gegenteil.“

Im Jahr darauf startete die aus sechs Modulen zu je etwa 40 Stunden bestehende Ausbildung. Diese deckt sämtliche Aspekte der Feuerwehr ab, von rechtlichen Grundlagen über Löschlehre und Löschangriffe bis zu technischen Hilfeleistungen. Hinzu kommen der Funker- sowie der Atemschutzlehrgang. Pauken für das Ehrenamt mindestens zweimal in der Woche abends sowie samstags – schon das zeigt, ohne die Rückendeckung der Familie ist das nicht zu machen. Haupt: „Das gilt umso mehr, wenn der Melder geht und man vom Essenstisch weggeholt wird oder mitten in der Nacht los muss. Wenn die Familie da nicht mit hintersteht, funktioniert das nicht. Diese Rückendeckung ist gar nicht hoch genug einzuschätzen.“

Dann kam der erste Einsatz – und der Puls, sagt er, war „erst mal auf 280“. Haupt: „Eine goldene Regel lautet: Man darf sich nicht überschätzen. Und es wird auch nichts verlangt, was man nicht leisten kann oder will. Aber jeder am Einsatzort hat eine wichtige Aufgabe, jedes Rädchen ist wichtig. Wenn der Fahrer fehlt oder der, der draußen steht, das Wasser nicht aufdreht, gibt es nichts zum Löschen.“ Eine Zusatzaufgabe wuchs Haupt durch einen Zufall zu: die der Außendarstellung der Wehr.

Einsatz vor der Kamera

„Daran ist ein Reh schuld“, sagt Haupt, wie er zunächst Vize-, dann alleiniger Pressesprecher wurde. „Tierrettung“, so lautete das Einsatzstichwort: In einem Pool schwamm panisch ein Reh gegen das Ertrinken an. Haupt griff beherzt zu, zog das Reh aus dem Wasser. „Wir dachten, jetzt rennt es weg. Aber es war total erschöpft, blieb einfach stehen. Wir haben es zum Retscheider Hof gebracht.“ Und Haupt fand sich als Interviewpartner vor den Fernsehkameras wieder. Mit dem Ergebnis, dass noch ein Lehrgang folgte – zum Pressesprecher. Und wie finden das alles seine beiden Jungs? „Cool.“ Und wer weiß, vielleicht ist das ja schon die nächste Generation für die Freiwillige Feuerwehr.