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Nachtwächter in Bad Honnef: Es braucht 400 Unterstützer

Nachtwächter in Bad Honnef : Es braucht 400 Unterstützer

Keine Hand blieb am Mittwochabend im Foyer des Kurhauses unten bei der Frage von Georg Zumsande, wer bereit sei, für die Sicherheit und Lebensqualität in Bad Honnef 20 Euro pro Monat zu zahlen.

Die rund 100 Teilnehmer am zweite Sicherheitssymposium, zu dem der Vorsitzende des Centrums-Vereins zusammen mit Christoph Kramer vom Bürgerblock eingeladen hatte, waren sich sicher: Ohne das geplante Projekt "Nachtwächter" wird die Stadt zu einem El Dorado für Einbrecher und andere Kriminelle.

"Dieses Votum bestärkt uns, zwei Monate weiterzuarbeiten, um dann hoffentlich einen Sicherheitsdienst engagieren zu können", so Kramer. Dieser werde etwa sieben Stunden mit einem Auto durch Bad Honnef fahren. Einzige "Bewaffnung": ein Handy. Damit soll die Polizei alarmiert werden.

"Wir brauchen 400 Unterzeichner, so dass wir mit einem Beitrag von 15 Euro auf die erforderlichen 60.000 Euro im Jahr kommen", rechnete der Vorsitzende des Centrum-Vereins hoch. Nur eine so große Plattform garantiere auch die Tragfähigkeit des Projektes.

Vor allem Betroffene waren der Einladung gefolgt. Eine der wenigen, die von einem Einbruch bislang verschont geblieben ist, war Elisabeth Pollak. "Aber die Einschläge kommen immer näher. Viele meiner Nachbarn haben leider schon mehrmals unangemeldeten Besuch bekommen", berichtete sie. Dieser schleiche sich meist über die Gärten an, nachdem Späher die Situation sondiert und die entsprechenden Häuser mit "Gaunerzeichen" markiert hätten.

"Selbst die Polizei hat die Situation in Bad Honnef ja als alarmierend bezeichnet", so ein Anwesender. Der Anstieg der Wohnungseinbrüche habe in 2011 mehr als 25 Prozent betragen, so dass Bad Honnef 30 Prozent über dem Landesdurchschnitt lag. Im Vorjahr sei die Zahl dann nochmals um 40 Prozent angestiegen. Da tröste es wenig, dass auch die Aufklärungsrate gestiegen sei.

"Die Polizei hat die Bevölkerung zwar aufgefordert, auch bei kleinsten Verdachtsfälle ohne Scheu die 110 zu wählen, aber damit haben wir in der Vergangenheit keinen große Erfolg gehabt", monierten leidgeprüfte Bürger. Eine Verbesserung der Sicherheit in Bad Honnef könnten Polizei und Ordnungsamt angesichts des Personalmangels nicht nachhaltig gewährleisten, so der Tenor.

"Damit steht unsere Stadt ja auch nicht alleine da", betonte Zumsande, der wie Kramer keine Konfrontation mit den beiden Institutionen sucht. Schließlich soll der "Nachtwächter" sie ja auch nicht ersetzen, sondern lediglich unterstützend begleiten. "Er ist ein drittes wachendes Auge neben Polizei und Ordnungsamt", so der Kommunalpolitiker. Mit diesen beiden Institutionen werde sich der Sicherheitsdienst abstimmen.

So er denn zum Mai engagiert werden kann. Um dieses Ziel zu erreichen, werden in Geschäften in der Innenstadt sowie in zahlreichen Arztpraxen Unterschriftenlisten ausgelegt. "Wir haben heute zwar keine 100 Unterzeichner zusammenbekommen, weil natürlich nur eine Person pro Haushalt die Beteiligung an dem Projekt per Unterschrift bekundet hat", so Ratsfrau Katja Kramer-Dissmann. Ihr lägen aber bereits zahlreiche Zusagen von Bürgern vor, die nicht an dem Sicherheitssymposium teilgenommen hätten.

Kurz gefragt:
Über das Sicherheitssymposium in Bad Honnef sprach Horst-Dieter Küsters mit Mitveranstalter Georg Zumsande, Vorsitzender des Centrums-Vereins.

Sind Sie mit der Resonanz beim Sicherheitssymposium zufrieden?
Georg Zumsande: Es sind ja mehr als 100 Bürger und zwar aus allen Tal-Stadtteilen gekommen. Ihr Votum war durchgängig so überzeugend, dass wir uns diesem einfach nicht verschließen können. Die Sorgen um eine dauerhafte Wohl- und Lebensqualität ist in der Bevölkerung eben enorm groß.

Warum waren dann nicht mehr Kommunalpolitiker beim Symposium anwesend?
Zumsande: Durch das Engagement von Christoph Kramer wird unsere Aktion leider auf den Bürgerblock fokussiert. Das ist bedauerlich, weil wir die Unterstützung aller Verantwortlicher einschließlich anderer Vereine benötigen.

Viele haben eventuell Angst vor einem "schwarzen Sheriff".
Zumsande: Genau das soll der "Nachtwächter" ja nicht sein. Er patrouilliert nicht mit einem Knüppel durch die Straßen, sondern fährt die Stadtteile mit einem als Sicherheitsdienst gekennzeichneten Auto ab. Neben dieser präventiven Funktion soll er bei Gefahr die Polizei alarmieren oder von den Bürgern zu Hilfe gerufen werden. Seine Anwesenheit soll dann abschrecken, selbst eingreifen soll er nicht.