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GA-Interview mit Ditmar Doerner: "Fall Anna" diente als Vorlage für Roman

GA-Interview mit Ditmar Doerner : "Fall Anna" diente als Vorlage für Roman

Der Fall der neunjährigen Anna, die im Juli 2010 von ihrer Pflegemutter in Bad Honnef in der Badewanne ertränkt wurde, erschütterte die Region. Kann man ein solch tragisches Ereignis als Romanvorlage nehmen? Ditmar Doerner hat es getan. Mit dem Autor von "Anna - Ein Kindsmord" sprach Hansjürgen Melzer.

Wie nah ist Ihr Buch am echten Fall Anna, der die Region vor zweieinhalb Jahren erschütterte?
Ditmar Doerner: Zu Beginn des Buches gibt es Ähnlichkeiten, da dort ein achtjähriges Mädchen auf die gleiche, unglaublich grausame Art und Weise ermordet wird wie die wirkliche Anna aus Bad Honnef. Dann aber geht mein Roman in eine andere Richtung. Ich versuche unter anderem zu zeigen, wie schwer es für meine Hauptfiguren - eine Polizistin und einen Polizisten - ist, solch eine Ermittlung zu führen und wer sich vielleicht noch mitschuldig gemacht hat am Tod von Anna außer der Mörderin. Die in meinem Buch übrigens ebenfalls ziemlich am Anfang ermordet wird. In derselben Badewanne. Das war mir ein inneres Bedürfnis, eigentlich Anlass, das Buch zu schreiben.

Haben Sie selbst recherchiert oder haben Sie sich auf die Berichterstattung in den Medien gestützt?
Doerner: Teils, teils. Ich habe zu dem Fall natürlich sehr viel aus den Medien erfahren, da ich auch selbst Journalist bin und das Thema verfolgt habe. Ich habe aber auch mit der Rechtsmedizin gesprochen, mit einem Jugendamt und Ärzten. Zum Prozess vor dem Bonner Landgericht bin ich nicht gegangen, weil ich die ganzen furchtbaren Einzelheiten gar nicht wissen wollte und mir das Schreiben des Kapitels, das direkt mit Annas Tod zu tun hat, schon schwer genug gefallen ist.

Was war Ihre Motivation, den Fall Anna zum Romanthema zu machen?
Doerner: Ich bin selbst Vater von zwei kleinen Söhnen, und als ich damals von dem Fall erfahren habe, war ich nur fassungslos und habe mich gefragt, wie so etwas möglich ist, wie ein Mensch so etwas tun kann. Es ging im realen Fall ja nicht um eine Affekthandlung. Die Mörderin hatte Anna ja schon längere Zeit gequält. Ich habe richtige Hassgefühle gegen diese Frau entwickelt.

Ist es nicht problematisch, einen so tragischen Fall als Vorlage für einen Roman zu nutzen?
Doerner: Eindeutig ja! Ich hatte ja auch die Wahl, den Fall etwas abzuwandeln oder dem Mädchen einen anderen Namen zu geben. Habe ich aber nicht gemacht. Als es dann veröffentlicht war, dachte ich auch: "War das richtig?" Und dann hat sich wenig später die richtige Mutter von Anna bei mir gemeldet und wollte sich mit mir treffen. Ich bin mit dem Buch zu ihr gefahren. Ich fand toll, dass sie mehr erfahren wollte. Ich habe ihr dann von meiner Motivation erzählt und sie schlug vor, dass ich einen Teil des Buchverdienstes der Kindernothilfe spende. Das werde ich wirklich gerne tun, falls ich mit dem Buch Geld verdienen sollte.

Am Donnerstag, 11. April, liest Ditmar Doerner ab 20 Uhr im Theater im Kloster in Bornheim, Secundastraße 2-4, aus dem Buch "Anna - Ein Kindsmord". Karten kosten 10,50 Euro. Am Dienstag, 23. April, liest Ditmar Doerner um 19.30 Uhr in der Bezirksbibliothek Beuel (Brückenforum). Der Eintritt ist frei.