Weingut wechselt den Besitzer Familie Möltgen verkaufen Anwesen am Menzenberg

SELHOF · Neue Zeiten brechen an am Menzenberg: Das Weingut Menzenberg, zu dem auch ein ehemaliger Weinberg gehört, ist verkauft. Auch die Gastronomie schließt zum Ende des Jahres endgültig.

 Wechselt den Besitzer: Das Weingut Menzenberg ist verkauft, die Gastronomie schließt.

Wechselt den Besitzer: Das Weingut Menzenberg ist verkauft, die Gastronomie schließt.

Foto: Frank Homann

Das bestätigten Hartmut Michael und Helga Möltgen, seit Ende der 90er Jahre Besitzer des denkmalgeschützten Ensembles, dem General-Anzeiger. Der gastronomische Betrieb, den das Ehepaar betrieben hat, ruht bereits zum größten Teil. Ende des Jahres wird er endgültig eingestellt. In Zukunft wird das historische Anwesen ausschließlich als Mehr-Generationen-Wohnhaus genutzt.

Der Abschied fällt dem Ehepaar, das sich vor 16 Jahren Hals über Kopf in das Anwesen verliebt hatte, nicht leicht. "Irgendwann mussten wir Schluss machen mit der Gastronomie", so Hartmut Möltgen. Eigentlich sei geplant gewesen, noch bis Mitte 2014 weiterzumachen. "Wir hätten nicht gedacht, dass es so schnell gehen würde mit dem Verkauf. Ende 2013 ist definitiv Schluss."

Erworben hatte das Lehrer-Ehepaar das Weingut Menzenberg 1997 ursprünglich ebenfalls als Familienwohnsitz. Bei der Sanierung des Anwesens mit im Kern vier Gebäudeeinheiten, Innenhof sowie insgesamt gut 12 000 Quadratmeter Grund samt früherem Weinberg, kamen Fachwerk, 400 Jahre alte Mauern, ein Brunnen im Keller und Relikte der jüngeren Geschichte zum Vorschein. So hatten im Haus zeitweise Silentien des benachbarten Gymnasiums Schloss Hagerhof stattgefunden.

2005 eröffnete die Möltgens, heute 68 und 66 Jahre alt, die Gastronomie und knüpften so an die Geschichte als Restaurationsbetrieb im 19. Jahrhundert an. Gerne waren sie Gastgeber literarischer Zirkel der Weinbruderschaft Mittelrhein-Siebengebirge, Ausstellungen und kleiner Konzerte. "Es hat uns viel Freude gemacht", so Helga Möltgen. Nun aber freue sie sich auf den Ruhestand mit freier Zeit. Sein Wunsch für das Anwesen, so Möltgen: "Dass hier irgendwann wieder Wein wächst."

Wie berichtet, gibt es seit 2012 den Plan, Teile des früheren Wingerts als ökologischen Weinberg zu rekultivieren. Denkbar ist eine Projekt-Zusammenarbeit mit der Hagerhof-Schule sowie mit Mitteln aus dem Projekt Chance 7 zur Förderung der Natur- und Kulturlandschaft zwischen Siebengebirge und Sieg. "Wir haben großes Interesse daran, das Projekt weiterzuverfolgen", untermauerte gestern auch Georg Persch, Projektleiter Chance 7 beim Rhein-Sieg-Kreis. Indes: Bislang sei es nicht gelungen, einen Winzer zu finden, so Möltgen.

Beim neuen Besitzer, der namentlich nicht genannt werden möchte, fällt die Idee jedenfalls auf fruchtbaren Boden: "Es wäre schön, den Weinberg aufleben zu lassen. Wir sind hier für alles offen", ließ die neue Eigentümer-Familie auf GA-Anfrage wissen. Am selben Strang zieht auch die Weinbruderschaft, wie deren Vertreter Dankward Heinrich betonte. Morgen ab 19 Uhr heißt es für die Bruderschaft jedoch zunächst, Abschied zu nehmen vom Weingut Menzenberg - mit dem letzten literarischen Zirkel dort.

Die Historie

Die Geschichte des früheren Menzenberger Hofes hat einst Heimatforscher Adolf Nekum untersucht. Demnach erlangten die Jesuiten den Hof 1637 von Adam Wolff, Besitzer seit 1624. Halbwinner bewirtschafteten das Gut und mussten einen Teil der Erträge an die Jesuiten abliefern. Nach der Säkularisation kaufte das rheinische Bürgertum gern einstigen Klosterbesitz als Kapitalanlage und verpachtete ihn. So auch am Menzenberg, der als Ganzes berühmt wurde durch Dichter Simrock, der in der Nachbarschaft sein Gut hatte. Die Familie Carl Bachem aus Königswinter hatte das Weingut Menzenberg 1889 erworben und zum Restaurationsbetrieb umgebaut. Damals erhielt das Haus sein heutiges Aussehen und den Schriftzug "Weingut Menzenberg". Später wurde es von Familie Engels bewirtschaftet, die bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts Weine vom eigenen Berg anbot. Danach fielen Haus und Weinberg in einen Dornröschenschlaf bis zum Kauf durch das Ehepaar Möltgen Ende der 90er Jahre.

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