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Helga Kaes zeigt im Kunstraum ihre Werke: Fantasiefrauen mit Ecken und Kanten

Helga Kaes zeigt im Kunstraum ihre Werke : Fantasiefrauen mit Ecken und Kanten

Starken Frauen gibt sie Gestalt. Mal in Bronze, mal in Gips, mal in Ton: Die Remagener Künstlerin Helga Kaes formt Skulpturen abseits des klassischen Schönheitsideals. Derzeit sind ihre Arbeiten im Kunstraum Bad Honnef zu sehen.

Starke Frauen in Bronze und bizarre Gischt in hellblauem Gips: Mitreißend wie eine Welle wirkt die sinnliche Ausstellung, die Bildhauerin Helga Kaes aus Remagen im Kunstraum des Vereins zur Förderung von Kunst und Kultur in Bad Honnef derzeit präsentiert.

Sie liebt den schäumenden, wilden Atlantik genauso wie den Rhein, der meist gemächlich direkt vor ihrem Atelier entlang fließt. Und sie mag starke Frauen, denen sie Gestalt gibt. Dabei testet sie aus, wie gleiche Formen bei unterschiedlichen Materialien ihre Wirkung variieren.

Geschwungene Formen des Körpers

„Starke Frauen sind ein Thema für mich, bei dem nicht das vorgestanzte Schönheitsideal eine Rolle spielt“, so die Künstlerin, „mich interessieren Extreme, Brüche, Ecken und Kanten“. Ihre Frauen dürfen rund und sinnlich sein, nur der Torso zählt, die geschwungenen Formen des weiblichen Körpers, die Figuren haben oft keinen Kopf und kein Gesicht.

„Ich will nicht porträtieren, keine Botschaft senden, sondern lasse dem Betrachter Spielraum für die Interpretation. Es sind Fantasiefrauen. Ich arbeite völlig intuitiv, fertige keine Skizzen“, erläutert Kaes, die nach 21 Jahren als Assistentin der Geschäftsführung und der Chefredaktion des General-Anzeigers und einem berufsbegleitendem Studium seit März 2020 hauptberufliche Bildhauerin ist, ihre Vorgehensweise.

Kaes gibt dem Material mit geschickter Hand und immensem Gespür Ausdruck und Kraft. Aus Modellierwachs formt sie die Figuren. Ein Kunstgießer kommt danach ins Spiel, der im traditionellen Wachsausschmelzverfahren die Modelle detailgenau in Metalle übersetzt.

Statuen mit individuellem Ausdruck

Patina verleiht den Bronzestatuen dann den individuellen Ausdruck. Ein spannender Prozess für die Künstlerin, die gerne gleiche Formen in verschiedenen Materialien gegenüberstellt: Bronze gegen Gips, Gips gegen Ton, Bronze gegen Nickel. So gelingt es ihr, die jeweiligen Charaktere deutlich zu machen.

Und so gibt es auch in der Ausstellung die Skulpturen mit Namen wie „Ruhe“ oder „Befreiung“ in unterschiedlicher Anmutung – mal kühl bei Bronze vernickelt, mal warm mit Kupferpatina oder Eisen und den ihnen eigenen Farbenspielen. So entstehen unnachahmliche Unikate.

Kaes' Gipsarbeiten zeigen die Stärke der Frauen, zugleich aber auch Brüche und Verletzlichkeit. „Bronze assoziiert Befreiung - von Konventionen, von Zwängen. Die Tonarbeiten strahlen Ruhe aber auch Kraft aus, die sich im erdigen Material widerspiegelt.“ Aufgereckt die Figur mit dem Titel „Aufbruch“ im hinteren Bereich des Kunstraums, die Helga Kaes in Bronze zeigt und die Vorlage für die Skulptur aus Draht, Stahl, Leinen und Gips direkt dazustellt.

Darüber hinaus flutete Kaes den Kunstraum mit himmelblauen, wolkigen, bizarren Gipswellen unter dem Motto „Aqua“ – hier kann der Betrachter seine Fantasie einschalten und in den Gebilden aus Draht, Leinen und mit Blau pigmentiertem Gips alles sehen wie beim „Wolkenlesen“. Einfach himmlisch.