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Internationaler Frauentag: Frauen nehmen sich „Zeit für sich“ in Bad Honnef

Internationaler Frauentag : Frauen nehmen sich „Zeit für sich“ in Bad Honnef

Das Frauenforum Bad Honnef hat am Sonntag anlässlich des Internationalen Frauentages zur Veranstaltung ins Bad Honnefer Rathaus eingeladen. Die Teilnehmerinnen fordern unter anderem gleiche Bezahlung für weibliche Beschäftigte.

„Jin” ist ein bedeutsames Wort in der kurdischen Sprache – es bedeutet Frau, steht aber zugleich dem Wort „jîn” nahe, das wiederum Leben bedeutet. Und das kurdische Wort „war“ bedeutet Land, Heimat oder Ort. Die beiden Wörter zusammengefügt ergeben „Jinwar“ – und das wiederum ist der Name eines Ortes in Nordsyrien, an dem ausschließlich Frauen zusammen kommen, um dort gemeinsam zu leben und zu arbeiten. Jinwar eben.

Wie sich das Leben in Jinwar gestaltet, das konnten Besucherinnen im Bad Honnefer Rathaus erfahren. Dorthin hatte das Bad Honnefer Frauenforum anlässlich des Internationalen Frauentages eingeladen. Unter dem Motto „Zeit für mich“ war ein ganzer Nachmittag ausschließlich Frauen gewidmet. Zahlreiche Vereine und Institutionen hatten im Foyer des Rathauses Stände aufgebaut, um über frauenspezifische Themen zu informieren.

Ausstellung über Jinwar im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt der Aktionen im Foyer stand die bemerkenswerte Ausstellung über das Dorf Jinwar in der Region Rojava/Nordsyrien, in dem Frauen vor allem eines auch tun: sich Zeit für sich nehmen. Nun stehen hinter dieser Zeit, die die syrischen Frauen sich heute nehmen, allerdings oftmals belastende Schicksale. Viele Frauen erlebten erdrückende patriarchische Strukturen in ihren Familien, sie wurden missbraucht, gedemütigt oder hatten keine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.

Das Frauendorf Jinwar wurde am Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen am 25. November 2017 eröffnet. Seither versuchen dort die Frauen, die Vision eines freien, solidarischen Miteinanders zu leben. In den vergangenen Jahren haben Frauen dort vor Ort eine Basis der Selbstorganisierung in allen Bereichen der Gesellschaft geschaffen, die Menschen auf der ganzen Welt beeindruckt und inspiriert. Im Kampf um ein selbstbestimmtes Leben sind Frauen dort jedoch noch immer mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert.

Beeindruckende Fotografien

Die Besucherinnen zeigten sich im Bad Honnefer Rathaus beeindruckt von den Fotografien und einem Film zum Leben der syrischen Frauen. „Wenngleich auch auf anderer Ebene, ist es auch bei uns für Frauen oft nicht leicht, Gleichberechtigung zu leben“, merkte Iris Schwarz, Gleichstellungsbeauftragte von Bad Honnef, an. Sie wünsche sich, dass mehr Frauen den Weg in die Politik fänden: „Ich wünsche mir Parität in den Parlamenten.“ Auch die Gehaltsunterschiede bei Frauen und Männern für gleiche Arbeit wurden thematisiert mit Blick auf den 17. März, der als „Equal Pay Day“ ausgerufen wird.

Rund um die zahlreichen Informationsmöglichkeiten hielten die Initiatoren des Frauenforums und anderer Vereine ein ausgewogenes Workshop-Angebot bereit. Lisa Schulte und Julia Haubs vom Frauenzentrum Bad Honnef boten Entspannung und Wohlfühlen zum mitmachen und kreative Momente zur freien Entfaltung.

Auf den „Equal Pay Day“ machen die Teilnehmerinnen aufmerksam. Foto: Frank Homann

Immer nett sein bringt einen nicht weiter

Susanne Sielaff, Persönlichkeitstrainerin, erläuterte, wie Schlagfertigkeit funktioniert. „Mut, Technik, Achtsamkeit und Humor sind Voraussetzungen für Schlagfertigkeit“, sagte Sielaff. Der eigene Anspruch, immer nett sein zu wollen, bringe einen nicht weiter. Wobei die Ängstlichkeit an sich ja bereits in der Steinzeit angelegt sei. „Wen frisst der Säbelzahntiger zuerst? Den Mutigen, der auf ihn zugeht oder den Ängstlichen, der sich versteckt?“ Klar, den Mutigen, waren sich die Frauen einig. „Da müssen wir noch ganz schön unsere Angst weg trainieren, denn es gibt keine Säbelzahntiger mehr“, so Sielaff. „Einfach mehr Pippi Langstrumpf sein“, lautete die Devise der Persönlichkeitstrainerin.

Und Ella Anschein, die Poetry-Slamerin, machte dann auch gleich vor wie das geht. Mit frechen, witzigen, nachdenklichen und überaus geistreichen Beiträgen verblüffte die schlagfertige junge Texterin die Frauen und erntete immer wieder tosenden Beifall. Iris Schwarz dankte den rund 30 Frauen, die gekommen waren, für den gelungenen Nachmittag.