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Der Verein Gutenberg-Haus wandelt in Menzenberg auf historischen Spuren: Freiligrath, Simrock und die Unkeler Tropfern

Der Verein Gutenberg-Haus wandelt in Menzenberg auf historischen Spuren : Freiligrath, Simrock und die Unkeler Tropfern

Welch kuriose Begegnung! Gerade hatten etwa 50 Wanderer mit Renate Mahnke den Hof von Simrocks Haus "Parzival" in Menzenberg verlassen, da kam ihnen der Hausherr mit seinem Freund Ferdinand Freiligrath leibhaftig entgegen. "Da ist ja Simrock", rief die Vorsitzende des Vereins Gutenberg-Haus verdutzt.

Die Überraschung war gelungen. Karl Simrock, der Germanist und Poet aus Bonn, der ab 1833 im Ortsteil Menzenberg ein altes Minoritenweingut sein eigen nannte und auf dem alten Gewölbekeller ein spätklassizistisches Wohnhaus errichtete, stand nun plötzlich mit seinem Dichterfreund Ferdinand Freiligrath vor der Gruppe. Die hatte sich gerade unter dem Motto "Dichtung, Musik und Wein" die Geschichte des ehemals selbstständigen Honnefer Ortsteils Menzenberg erwandert.

Es war einfach köstlich, wie Wolfgang Ruland als Simrock und Günter Küpper als Freiligrath ihre jeweilige Rolle in der Kleidung der Zeit spielten. Aus ihrem Zwiegespräch erschloss sich den Zuhörern des kleinen Spektakels die Verbindung der beiden, die angeblich aus Unkel kamen, wo sie den "Unkeler Funkeler" probiert hätten. Sie deklamierten ihre Gedichte "Hoch stand ich auf dem Drachenfels" und "An den Rhein, an den Rhein" und erinnerten sich ihrer alten Zeiten. Meinte Simrock: "Du hattest dich ja noch um deine Revolution zu kümmern!" Antwortete Freiligrath: "Vor allem um meine große Liebe. In Weimar wollten wir heiraten." Schließlich ermunterte Simrock seinen Gast: "Komm, Ferdinand, wir trinken noch einen Schoppen!"

Mit der Gruppe zogen sie nun in den Garten des "Weinguts Menzenberg", den die Eigentümer den Wanderern geöffnet hatten. Dort gab es tatsächlich einen guten Tropfen - allerdings nicht nur für Simrock und Freiligrath, sondern für die gesamte Gesellschaft, spendiert von netten Anwohnern. Dort traten zwei weitere illustre Gäste aus längst vergangenen Zeiten hinzu: Auguste und Herman Grimm, die Märchenkinder, gespielt von Michael Klein und seiner Frau Gabriele Limberger-Klein.

"Gustelchen, ich freue mich, dich hier zu sehen", sagte Herman zu seiner Schwester. Mit ihren Eltern Wilhelm und Dorothea Grimm waren sie 1853 erstmals auf Einladung Simrocks im Clouthschen Hof in Rheinbreitbach. Ihr Spiel verdeutlichte die Beziehung zwischen Simrock und den Brüdern Grimm. Und Gustel berichtete, dass sie nie geheiratet und die Zickelburg von ihrem Bruder Rudolf geerbt hatte. "In Rheinbreitbach hatte ich ein Haus mit Garten. Dort wurde ich die Kamelle-Tant genannt." Die Beziehung zur Familie Simrock hielt auch in dieser Generation und manifestierte sich in Patenschaften. Simrocks Haus "Parzival" in Menzenberg wurde allerdings verkauft. Renate Mahnke erinnerte an Professor Helmut Arntz, dem es zu verdanken sei, dass das Gebäude erhalten blieb. Durch seinen Einsatz konnte das vom Verfall bedrohte Haus gerettet werden.

Nicht alle früheren Bauwerke stehen noch in diesem Gebiet, auch die Weinberge, die es hier gab, sind verschwunden. Die Wanderführerin zeigte der Gruppe auf dem Spaziergang alte Weinbergmauern und Wüstungen, aber ebenso die liebevoll restaurierten Gebäude. Renate Mahnke berichtete über die wechselvolle Geschichte dieser Häuser und ihrer Bewohner, zu denen einst auch die Dichter-Familie Lessing gehörte. Und auf dem Hagerhof, wo einst Johannes Brahms zu Gast war, gab es ein kleines "Konzert" von der CD - mit seinem Ungarischen Tanz und Brahms Wiegenlied.