1. Region
  2. Siebengebirge
  3. Bad Honnef

Löwenburger Tal: Freiwillige befreiten einen Hang von Gestrüpp

Löwenburger Tal : Freiwillige befreiten einen Hang von Gestrüpp

Mit einem schrillen Zischen frisst sich die Motorsense durchs Gestrüpp, trennt mit ihrem scharfen Blatt stachelige Brombeerbüsche, hartnäckiges Efeu und knorrige Sträucher ab. Gleich nebenan fallen junge Birken und andere kleine Bäume der Motorsäge zum Opfer.

Auf dem Abschnitt zwischen Waldfriedhof und Ulanen-Denkmal wird "Großputz" gemacht. 25 freiwillige Helfer beteiligten sich trotz schlechten Wetters an der zweiten Aktion des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge (VVS) - und legten lange verschollene Weinbergmauern frei.

Biotoppflege lautet das Stichwort, sagt Revierförster Stephan Mense. "Wir entbuschen ehemalige Weinberghänge, um Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten zu schaffen." Und tatsächlich: Je mehr Gestrüpp abgetragen wurde, desto mehr wurde von der "Gestalt" des Ex-Weinberges sichtbar. Die Stützmauern, die von Reptilien so gerne als "Sonnenterrasse" genutzt werden, waren zuvor überwuchert. Mense: "Mitte der 70-er Jahre wurde der Weinberg aufgegeben, weil sich die Bewirtschaftung nicht mehr lohnte."

In einer Studie im VVS-Auftrag hatten Wissenschaftler festgestellt, dass das rund 1 000 Quadratmeter große Gelände ein wichtiges Biotop für Eidechsen, Nattern und andere seltene Tier- sowie Pflanzenarten sei. Bedrohte Exemplare wie Mauereidechsen haben Biologen dort gesichtet. Sie hoffen jetzt, dass in den kommenden Jahren noch mehr hinzu kommen.

Im Umkreis des Biotops kommen alle Reptilienarten vor, die es im Rhein-Sieg-Kreis gibt. Und bis auf die Kreuzotter auch alle, die in Nordrhein-Westfalen zu Hause sind. "Das Highlight ist die Mauereidechse", sagt auch Biologe Lutz Dalbeck von der Universität Bonn. Das höchst seltene Reptil, das auf der Roten Liste für vom Aussterben bedrohte Tierarten steht, brauche viel Licht und Wärme. "Es ist eine Art, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt", sagt Dalbeck. Gleiches gilt auch für die scheue Schlingnatter, auf deren Speisekarte wiederum die Mauereidechse steht. "Darum muss es hier möglichst viele davon geben", schmunzelt Dalbeck.

Zu den Biotop-Bewohnern zählen außerdem Blindschleichen, Zauneidechsen und Ringelnattern. Letztere gibt es laut Dalbeck im Siebengebirge zwar noch häufiger. "Die an sich ist aber zunehmend bedroht. Auf der Roten Liste ist sie als stark gefährdet vermerkt." Und seine Kollegin Monika Hachtel ergänzt: "Es ist sehr wichtig, dass es solche Biotopflegemaßnahmen wie die des VVS gibt. Es kommt leider immer häufiger vor, dass Populationen, die früher stark vertreten waren, abnehmen." Daran sind auch Spaziergänger und Freizeitsportler nicht unschuldig: "Am Stenzelberg zerstören Kletterer unbewusst die Eier, die Eidechsen und Nattern in Felsspalten abgelegt haben." Frisch geschlüpfte Jungtiere würden zudem verschreckt.

Neben Reptilien finden auch andere Tiere ein ideales Zuhause an den Weinberghängen im Löwenburger Tal, die Sichelheuschrecke etwa oder die Zippammer. Diese Vogelart ist extrem selten: In ganz NRW gibt es nur noch zwei bis vier Paare - eines davon am Drachenfels. "Wir hoffen, dass wir noch ein bis zwei Pärchen dazu bekommen", sagt Hachtel.

Aber nicht nur geschützte Tiere, sondern auch seltene Pflanzenarten sollen jetzt mehr Licht und Luft zum Atmen und Wachsen bekommen. "Verschiedene Spezies brauchen offene Bodenverhältnisse zum keimen", sagt Barbara Bouillon. Der schmalblättrige Hohlzahn etwa, der pink blüht und den es im Siebengebirge nur noch an zwei Stellen gibt: "Nämlich hier und an der Wolkenburg", weiß die Biologin. Gleiches gilt für das sichelblättrige Hasenohr.

Die Entbuschung ist effizient, da herrscht bei den Wissenschaftlern Einigkeit: "Die Tiere sind danach meist sofort da", erklärt Dalbeck. Wer sie beobachten möchte, muss sich aber gedulden: Zurzeit haben sich die Reptilien verkrochen und halten Winterschlaf. Die Heuschrecken haben Eier ins Erdreich gelegt, aus denen nächstes Jahr neue Insekten schlüpfen werden.

Und die Zippammer? Die verbringt die kalte Jahreszeit ohnehin im warmen Süden. Dalbeck: "Die Zeit für die Biotop-Pflegeaktion war also auch vor dem Hintergrund ideal, da jetzt auch keine Tiere gestört werden."