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Waldbild im Wandel: Fremde Arten verändern das Siebengebirge

Waldbild im Wandel : Fremde Arten verändern das Siebengebirge

Eingeschleppte Pilze und klimaresistente Kastanien werden das Wildnisgebiet im Siebengebirge in den nächsten Jahren stark verändern. Neugierige führt der Verschönerungsverein Siebengebirge durch den Wald.

Es brechen spannende Zeiten an für alle, die die Entwicklung des Wildnisgebietes im Siebengebirge aufmerksam verfolgen. Marc Redemann, Förster des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge (VVS), bietet regelmäßig Exkursionen zu dem Thema an und freut sich stets darüber, wie groß das Interesse der Bevölkerung ist. So zuletzt auch am Sonntag beim „Grenzgang“ durch den Rhöndorfer Wald, einer Wanderung entlang der Grenze von Wirtschaftswald und Wildnisgebiet. „Das Waldbild wird sich im Wildnisgebiet in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren drastisch ändern“, ist dabei die zentrale Botschaft Redemanns.

Grund ist nicht nur, dass bis zum Jahr 2030 die Nadelhölzer aus den Wildnisgebieten nahezu vollständig entnommen sein sollen, auch haben viele alte Buchen mit rund 200 Jahren das natürliche Lebensende erreicht und werden absterben. Die dadurch entstehenden „Lichtschächte“ ermöglichen es anderen Arten, an dieser Stelle Fuß zu fassen. „Kurzzeitig werden dies Pionierarten wie Birken oder Ebereschen sein, langfristig wird sich aber auch hier die Buche wieder durchsetzen. Das ist eine völlig natürliche Entwicklung“, so Redemann.

Pilze sorgen für großes Eschensterben

Gewöhnen müssen sich Waldspaziergänger schon sehr bald an den Anblick zahlreicher toter Eschen. Rund 95 Prozent dieser Laubbäume werden nämlich dem Eschentriebsterben zum Opfer fallen, schätzt Redemann. Somit wird die Esche in den nächsten Jahren beinahe vollständig aus dem Siebengebirge verschwunden sein. Sie ereilt damit das gleiche Schicksal wie einst die Ulmen, die ebenfalls einer eingeschleppten Pilzkrankheit zum Opfer fielen.

Der Übeltäter trägt den Namen „Falsches weißes Stängelbecherchen“ – ein aus Asien stammender Pilz, gegen den buchstäblich noch kein Kraut gewachsen ist. Im Gegensatz zu seinem harmlosen heimischen Namensvetter, dem echten „Weißen Stängelbecherchen“, richtet er nicht nur im Siebengebirge, sondern bundesweit große Schäden an. „Man hat allerdings festgestellt, dass ein bis fünf Prozent der Eschen resistent gegen den Pilz sind“, so Redemann. Das heißt, ihnen kann die Krankheit nichts anhaben.

Gefällt werden sollen befallene Bäume im Siebengebirge nur dort, wo sie eine Gefahr für Wanderer darstellen. Großflächige Fällaktionen kommen im Wildnisgebiet ohnehin nicht infrage, auch, um nicht Gefahr zu laufen, resistente Eschen ebenfalls abzuholzen.

Fichten fielen Stürmen zum Opfer

„Gibt es im Siebengebirge irgendwann nur noch Buchen?“, ist eine Frage, die Redemann oft gestellt wird. Auch wenn die Buche sicherlich der landschaftsprägende Baum sein wird, so bietet das Siebengebirge zahlreiche Sonderstandorte wie zum Beispiel felsiges Terrain, auf dem andere Arten besser gedeihen. Nadelhölzer werden – zumindest im Wildnisgebiet – allerdings nur noch in Einzelexemplaren vorkommen. „Die letzten beiden Stürme haben massiv Fichten zu Fall gebracht“, so Redemann. „Das zeigt, dass die Fichte hier nicht heimisch ist und hier auch nicht hingehört.“

Künftig vermehrt vorkommen könnte indes die Edelkastanie, vielen bekannt als „Esskastanie“. „Sie ist vor allem im Zusammenhang mit dem Klimawandel hochinteressant“, so Redemann. Der Baum des Jahres 2018 mag es gerne warm und kommt sowohl mit Feuchtigkeit als auch mit trockenen Perioden gut zurecht. Außerhalb des Wildnisgebietes ist die Edelkastanie aufgrund ihres „witterungsbeständigen, tollen Holzes“ (Redemann) auch unter forstlichen Aspekten gern gesehen.

Der VVS ist derzeit dabei, einen oberhalb des Annatals gelegenen Bestand besonders schöner Edelkastanien als sogenannten „Saatgutbestand“ anerkennen zu lassen. „Solch gute Bestände an Edelkastanien sind sehr selten“, erläutert der Förster. Baumschulen können die Früchte aus dem „Sonderbestand Siebengebirge“ ernten und sähen. Einige junge Bäume sollen später zurückgekauft und im Siebengebirge angepflanzt werden. Auch für die Buche gibt es bereits einen solchen „Saatgutbestand“.