Netzwerk besteht seit zehn Jahren "Frühe Hilfen Siebengebirge" zieht positive Bilanz

BAD HONNEF · Die Städte Bad Honnef und Königswinter haben seit 2008 mit Akteuren aus dem Gesundheitswesen, der Frühen Bildung und der Jugendhilfe das Netzwerk „Frühe Hilfen im Siebengebirge“ aufgebaut. Die Bilanz nach einem Jahrzehnt fällt positiv aus.

Der Klapperstorch im Foyer des Cura-Krankenhauses trug die Nachricht im Schnabel: „Bei uns geboren: 20.11. Finn, Arel, 21.11. Lina“. Auch die Eltern dieser drei Kleinen werden als „Hallo-Baby“-Begrüßungsgeschenk Lätzchen, handgestrickte Babysocken und eine Informationsbroschüre in der Stofftasche über Angebote für Mütter und Väter erhalten.

Das Netzwerk der „Frühen Hilfen im Siebengebirge“ feierte in der Cafeteria des Bad Honnefer Krankenhauses zehnjähriges Bestehen – und alle, die dabei helfen, Kindern in der Region ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen, präsentierten im Klinikfoyer ihre Arbeit, so wie etwa der Sozialdienst der Katholischen Frauen mit seinem Willkommensbesuch in den ersten Tagen nach der Geburt. Hingucker bei dieser Leistungsschau: der Cura-Klapperstorch mit den Namen der gerade frisch „geschlüpften“ Erdenbürger.

Die Städte Bad Honnef und Königswinter haben seit 2008 mit Akteuren aus dem Gesundheitswesen, der Frühen Bildung und der Jugendhilfe das Netzwerk „Frühe Hilfen im Siebengebirge“ aufgebaut – noch bevor 2012 die multiprofessionelle Vernetzung von Ärzten, Therapeuten, Hebammen, Pädagogen und weiteren Berufsgruppen gesetzlicher Auftrag qua Bundeskinderschutzgesetz wurde.

Da sich die beiden Siebengebirgsstädte schon vorher auf interkommunale Zusammenarbeit in der Jugendhilfe geeinigt hatten, wie etwa bei der gemeinsamen Erziehungsberatungsstelle, setzte sich schnell die Idee durch, die Netzwerkarbeit mit den Trägern für die Zielgruppe Schwangere, werdende Eltern und Familien gemeinsam umzusetzen.

Die kommunalen Koordinatorinnen der Jugendämter, Marion Kramer aus Bad Honnef und Ute Berledt-Dörr aus Königswinter, bauten vor der Festgesellschaft, darunter Königswinters Bürgermeister Peter Wirtz und Honnefs Jugendamtsleiter Julian Schimkowski, das Haus der „Frühen Hilfen“ für Familien mit Kindern bis drei Jahre auf. Bausteine trugen die Aufschriften: „Information“, „Erziehungsangebote“, „Förderung“, „Entlastung/Stärkung“, „Gesundheit“ sowie „Orientierung und Schutz“.

Netzwerk erstreckt sich über zwei Städte

Und darauf setzten Kramer und Berledt-Dörr das Dach mit dem Schriftzug: „Gesundes Aufwachsen im Siebengebirge!“ Als „Kümmerinnen“ bezeichnete Anneli Starzinger, die das stark gewachsene Netzwerk für die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung zeitweise begleitet hatte, die beiden Koordinatorinnen. Und Katarina Fuchs von der Stiftung überreichte den beiden Urkunden für die erfolgreiche Teilnahme am Programm „Qualität vor Ort“. Das Besondere dieses Netzwerkes: Es erstreckt sich über zwei Städte. Fuchs: „Das ist eine Herausforderung, die toll gemeistert wird.“

Auch Anette Theisen, die leitende Ärztin der Geburtsstation am Cura-Krankenhaus, hob die Bedeutung der Frühen Hilfen in einer Gesellschaft hervor, in der sich die Familienstrukturen komplett verändert haben, oft die Anbindung an einen größeren Familienverbund fehlt und viele Frauen den Spagat zwischen Beruf und Familie leisten. Auch das Krankenhaus ist fest in das Netzwerk der Hilfeleistungen integriert.

Das Impulsreferat „Gemeinsam mehr erreichen – lebendige Netzwerkkultur in den Frühen Hilfen“ hielt Alexander Mavroudis vom LVR-Landesjugendamt Rheinland. Er nannte zehn Entwicklungsschritte für ein gutes Netzwerk, das mit dem Finden der richtigen Mitglieder aus der Präventionslandschaft beginne, über ein gemeinsam entwickeltes Leitbild wie in diesem Falle „Gesundes Aufwachsen im Siebengebirge“ weitergehe und bei der Netzwerkkoordination als „Kümmerin“ ende. Und schließlich der Rat: „Tue Gutes und rede darüber!“ – als Werbung für das Thema und das Netzwerk selbst.

Mavroudis gratulierte zum bisher Erreichten und sagte: „Sie kommen nach zehn Jahren in die Pubertät, jetzt gilt es, die gute Aufstellung zu halten.“