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Geflüchtete Kinder aus der Ukraine lernen in Bad Honnef schwimmen​

Unterricht im Freibad : Geflüchtete Kinder lernen in Bad Honnef schwimmen

Die Schüler der Internationalen Sprachförderungsklasse am Siebengebirgsgymnasium lernen jetzt in Bad Honnef schwimmen. Unter ihnen sind auch Kinder, die mit ihren Familien vor dem Krieg in der Ukraine fliehen mussten.

Brust- und Rückenschwimmen hat Kirill im Fluss Psel in der Ukraine gelernt – als noch kein Krieg in seinem Heimatland herrschte. Vor drei Monaten war der Zwölfjährige mit seiner Mutter nach Bad Honnef gekommen, wo er seitdem die Internationale Sprachförderungsklasse am Siebengebirgsgymnasium besucht. Für deren 32 Schüler war nun am Schuljahresende der Unterricht ins Insel-Freibad verlegt worden. Uli Medenbach und Stephan Priß von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) erteilten Schwimmunterricht. Statt Noten gab es das Seepferdchen. Und fünf Kinder erlangten Bronze.

„Toll, selbst Kinder, die vorher das Gesicht nicht unter Wasser gebracht haben, haben in einer Woche die Bedingungen für das Seepferdchen geschafft“, sagt Medenbach. Das bedeutet: 25 Meter schwimmen, ein Sprung vom Beckenrand und das Bergen eines Rings aus schultertiefem Wasser. Die Baderegeln wurden ebenfalls abgefragt.

Manche Kinder hatten Angst vor dem Wasser

„Zwei bis drei Kinder konnten bereits schwimmen“, berichtet Medenbach, „wir haben drei Gruppen gebildet: Die erste Gruppe waren die Kinder, die Angst vor dem Wasser hatten, auch durch Fluchterfahrung. Sie sind in diesen Tagen viel selbstbewusster geworden.“ Kirill, Ivan, Nazar, Dimitri und Anastasiia holten sich Bronze, Fulla ist noch Kandidatin dafür.

„Ein Schwimmbad haben wir in unserer Stadt mit 250.000 Einwohnern nicht“, erzählte Kirill. Er kommt aus Sumy, nicht weit entfernt von der russischen Grenze. 300 Kilometer sind es bis Kiew und rund 200 bis Charkiw. In Sumy gibt es den Fluss Psel, ein Seitenarm des Dnepr, nicht so breit wie der Rhein.

Beim Schwimmen auf andere Gedanken kommen

Der Junge half bei der Verständigung zwischen DLRG-Lehrern und Kindern. Kirill hatte bereits drei Jahre Deutschunterricht und legte am Goethe-Institut zu Hause eine Prüfung ab. „Am Gymnasium bei uns lernen wir Deutsch und Englisch.“ Wie es hier weitergeht? „Alles ist ungewiss. Mein Vater ist in der Ukraine, er ist Journalist. Jeden Tag telefonieren wir.“

Mit seiner Mutter stand Kirill eines Tages im Honnefer Rathaus. „Dort haben sie uns gesagt: Niemand wird ohne Dach sein. In zwei Stunden hatten wir eine Unterkunft.“ Eine Familie hat die beiden aufgenommen. Mit den zwei Söhnen der Familie hat Kirill Freundschaft geschlossen. Auch in seiner Klasse fand er Freunde, etwa Dimitri aus Russland. Seine Lieblingsfächer sind Sport und Fremdsprachen. Am Siebengebirgsgymnasium lernt er nun auch Latein.

Mit den Freunden spielt er Fußball und Tennis. Und jetzt schwimmt er auch. „Das ist für den Kopf gut, ich komme auf andere Gedanken.“ Früher hatte er sich vorgestellt, in Deutschland zu studieren. Dass er einmal hier zur Schule gehen würde, hatte er da nicht geahnt.