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Geschlossene Geschäfte und Restaurants im Siebengebirge

Maßnahmen gegen Coronavirus : Im Siebengebirge bleiben Geschäfte und Restaurants geschlossen

Auch in Königswinter und Bad Honnef sind die meisten Geschäfte geschlossen. Nicht alle Bürger zeigen Verständnis für die Regelungen.

Das Coronavirus lauert überall – auch beim Einkaufen. Viele Geschäfte müssen deshalb nach der Allgemeinverfügung des Landes schließen. In den Geschäften, die noch offen sind, sind teilweise die Kassenbereiche zum gegenseitigen Schutz von Kunden und Mitarbeitern mit Plexiglas-Scheiben abgetrennt. Ungeschützt waren die Kunden allerdings vor einem jungen Mann, der freimütig erzählte, dass er zur Zeit nicht arbeiten dürfe, weil er in Tirol im Urlaub war und nun zwei Wochen zu Hause verbringen solle. „Aber mir geht´s doch gut“, meinte er schulterzuckend. Dass das so bleibt, hofft wahrscheinlich jeder, der ihm bei seinem Ausflug unfreiwillig begegnet ist.

„Es ist einfach noch nicht überall angekommen, wie wichtig das alles ist“, kommentierte am Mittwoch unter anderem auch Norbert Eimermacher, dass sich offenkundig nicht alle Bürger an die Regeln halten wollen, die ja sie selbst und andere vor Ansteckung schützen sollen. „Stattdessen macht man sich über unsere Sicherheitsvorkehrungen lustig“, so der Inhaber von Tabakwaren und Zeitschriften Joest-Eimermacher in der Bad Honnefer Fußgängerzone über Kommentare zu den schützenden Trennscheiben in seinem Geschäft. Schließen müsse er nicht, mit Zeitungen und Zeitschriften deckt er täglichen Bedarf wie auch andere Kollegen, etwa Welters in Aegidienberg.

Erstes Paket ist bereits verschickt

„Alle sollten die Regelungen respektieren und sich daran halten“, sagt auch Annette Jungblut. Die Unternehmerin ist seit 20 Jahren selbstständig und betreibt zwei Modegeschäfte in Oberpleis und der Bad Honnefer Innenstadt. Seit Dienstag sind ihre Läden geschlossen. „Ich habe am Montagabend überlegt, was ich jetzt mache“, sagt sie. „Nichts zu tun, kam für mich nicht in Frage.“ Ihre Lösung: Per Aushang informiert sie ihre Kunden, dass sie auf Wunsch individuelle Outfits zusammenstellt und zuschickt. „Viele kenne ich ja schon seit Jahren“, sagt sie. „Und kann ihnen per Face-Time oder WhatsApp etwas zusammenstellen.“ Das erste Paket hat sie am Mittwochmorgen bereits verschickt. „In diesen Zeiten sind kreative Ideen gefragt“, sagt Jungblut.

Davon ist auch Leonhard Millinger überzeugt, der seit 1993 in Oberpleis die Buchhandlung Seidel & Millinger betreibt. Auch sein Geschäft ist seit Mittwoch geschlossen. Das Telefon stand indes am Vormittag nicht still. „Wir haben etliche Bestellungen“, sagt er. Insbesondere Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker“, Storms „Schimmelreiter“ und „Rico, Oscar und die Tieferschatten“ von Andreas Steinhöfel hießen die Lektürenwünsche. „Absolute Schulklassiker“, so Millinger. Er bestellt die Bücher im Großhandel und fährt die Ware persönlich zu seiner Königswinterer Kundschaft, „um sie dann mit zwei Meter Abstand zu übergeben“, wie er sagt.

Aktualisierte Infos aus dem Einzelhandel

„Es ist eine Katastrophe. Ich hoffe, wir haben das alles in drei bis vier Wochen gut überstanden“, so Millinger. Ähnlich wie er verfährt auch die Buchhandlung Werber in Bad Honnef. „Bücher sind Grundnahrungsmittel für Kopf, Geist und Seele“, lässt das Team um Ulrike Helmling die Kunden per Infoblatt an der Türe wissen, die ebenso wie viele andere in Bad Honnef ab Mittwoch sogar schon seit Dienstag geschlossen ist. Die bestellten Bücher ab einem Bestellwert von 20 Euro würden dann über Nacht kostenlos an die Heimanschrift geliefert, so der Aushang weiter. Das Team von Intersport Axel Schmidt wirft per Aushang auch einen Blick in die Zeit nach Corona: „Der stationäre Einzelhandel braucht uns alle.“

Vor vier Jahren hat Jörg Haase, Inhaber der Honnefer Copy-World, auf Facebook die Gruppe „Bad Honnefer Geschäfte“ gegründet, rund 1700 Mitglieder erhalten dort seither ständig aktualisiert Informationen aus Einzelhandel, Gastronomie, Handel, Handwerk und Dienstleistung. Sie ist zur Zeit für die Mitglieder wichtiger denn je. Die beherrschenden Themen sind auch dort die Geschäftsschließungen und alternative Angebote wie Online-Service und -Beratung.

Auch über Sonderleistungen wie Lieferservice von Gastronomen wird informiert; der Service soll nun weiter geöffnet werden. Haase, der auch in Hilfsorganisationen engagiert ist, appellierte zudem an die Vernunft der Menschen und forderte zu Rücksichtnahme auf. „Die Regelungen machen Sinn, aber man muss sie auch umsetzen“, sagte er. Die Mitglieder der Hilfsorganisationen etwa brächten sich in Gefahr – auch wegen der Menschen, die offenbar jeden Expertenrat in den Wind schlagen würden.

Auf mehr Einsicht hofft auch Uwe Gernoth, Inhaber der Brunnen-Apotheke in Bad Honnef. „Die Sorge gilt den Patienten und Mitarbeitern. Wir haben am Wochenende selber gebastelt“, so der Apotheker. Schilder weisen auf einen Mindestabstand von 1,50 Metern hin, Plexiglas-Scheiben und provisorische Abstandshalter tun ein Übriges, um die Kunden zu sensibilisieren. Gernoth: „Wir alle hier gehen davon aus, dass die Ausgangssperre kommt. Und wir wünschen uns das auch.“ Dennoch stellt auch er fest: „Mancher begreift bis zum Schluss nicht, wie wichtig die Einschränkungen sind. Wir haben doch andere Länder als Blaupause.“ Zum Glück steige die Bereitschaft, sich einzuschränken, stündlich.