Gewalt gegen Kinder: Bad Honnef und die Folgen

Tausende Pflegefamilien in Deutschland helfen ganz uneigennützig dabei, Kindern ein Leben im Heim zu ersparen. Reich wird man damit nicht, und die Entscheidung, ein fremdes, nicht selten in seiner Entwicklung gestörtes Kind aufzunehmen, erfordert Mut und Opferbereitschaft - und verdient den größten Respekt.

Auch wenn wir uns nach dem Tod der neunjährigen Anna in Bad Honnef zwangsläufig an Übergriffe vergangener Jahre erinnern, sollten wir nicht vergessen, was die Fall-Statistik der Kriminologen lehrt: Das Leid, das Kindern durch leibliche Eltern zugefügt wird, ist unendlich größer.

Die Eignung leiblicher Eltern, ein Kind zu erziehen, lässt sich vorab nicht prüfen - die Eignung von Pflegeeltern schon. Wer hat die Bad Honnefer Pflegeeltern ausgewählt und überprüft, bevor man Anna in ihre Obhut gab?

Dies ist nur eine von vielen, zu vielen unbeantworteten Fragen. Was geht in einem Jugendamt vor, das den Anruf einer besorgten Nachbarin ignoriert, indem man sich für nicht zuständig erklärt und die Frau auffordert, doch bitteschön beim Jugendamt der Nachbarstadt anzurufen? Könnte Anna noch leben, wenn die Honnefer Mitarbeiter selbst zum Telefon gegriffen hätten?

Niemand wird gezwungen, sich als Pflegeeltern zur Verfügung zu stellen. Wer sich im Einzelfall überfordert fühlt, kann die Verantwortung zurück an das Jugendamt geben. Hat es solche Hilferufe gegeben? Lässt die personelle Ausstattung von Jugendämtern überhaupt eine effektive Kontrolle zu? Fragen über Fragen. Nicht nach Antworten zu suchen, wäre verantwortungslos.

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