1. Region
  2. Siebengebirge
  3. Bad Honnef

Heimatverein Herrschaft Löwenburg: Ausbau von Domizil zum Archiv

Heimatverein Herrschaft Löwenburg : Bad Honnefer Heimatverein baut sein Domizil zu einem Archiv aus

Der Bad Honnefer Heimatverein Herrschaft Löwenburg baut sein Domizil zu einem Archiv aus, das bereits zahlreiche Zustiftungen verzeichnen kann. Zur 1100-Jahr-Feier der Stadt 2022 sind weitere Projekte in Planung.

Wenn die schwedische Königin Sophia einst nach Honnef kam, dann waren ihr die Bürger gern zu Diensten. 1892 weilte die Herrscherin erstmals in Honnef, 1896 sogar zehn Wochen lang. Da benötigte sie für sich und ihre Entourage natürlich auch Lebensmittel. Wer sie beliefern durfte, war stolz und machte diesen ihm gewährten Vorzug auch nach außen sichtbar – zum Beispiel mit einem eindrucksvollen Ladenschild. „Godfr. Stang – Hoflieferant Ihrer Majestät der Königin von Schweden-Norwegen. Inhaber Franz Kreymborg“ steht auf der pompösen, schweren Tafel in Goldschrift, die nun ihren Platz in der Geschäftsstelle des Heimatvereins Herrschaft Löwenburg gefunden hat.

Die neue Bleibe des Vereins an der Bergstraße 3, die unter dem Titel „Das Honnefer Heimatarchiv“ firmiert, bewog Winfried Schaefer, dem Verein das Überbleibsel aus kurköniglichen Zeiten zu vermachen. Die Tafel zierte einst das Eckhaus an der Hauptstraße/Weyermannallee, in der Schaefer seine Apotheke hatte und früher Franz Kreymborg sein Feinkostgeschäft. Hier war der Kunde König(in).

Der Vorstand des Heimatvereins ist glücklich über die Ladentafel. Und noch über einige weitere überlassene Raritäten. So hat der Selhofer Josef Reins die Königskette des Kegelclubs, der im Saal Kaiser ab 1952 aktiv war, gestiftet. Auch Fotos vom Sankt Josef Meisterverein, von der Cäcilia Selhof, von den Großeltern und das imposante Erinnerungsplakat des Opas an seine militärische Dienstzeit. Vorsitzender Rolf Junker: „Seitdem wir in diese schöne Räumlichkeit eingezogen sind, haben wir schon etliche Dinge erhalten.“ Und: An jedem ersten Donnerstag im Monat ist Gelegenheit, dort Einblick zu nehmen ins Archiv.

Überhaupt, wenn sich der Vorstand immer donnerstags zum Arbeiten in dem hellen Raum zusammenfindet, den freundlicherweise Hausherr Wolf Diepenseifen unentgeltlich zur Verfügung stellt, kommt es immer öfter vor, dass Leute anklopfen und sich informieren wollen oder sogar dem Verein Bilder, Bücher oder Altertümchen überlassen. Wie an diesem Tag auch. Sonja Roleff lebt seit 2004 in Bad Honnef und fragte nach einem Buch über die Historie der Stadt und speziell zum Hintergrund der Namensgebung Lohfeld. „Ich interessiere mich für alles in der Region.“ Mit einem Heimatheft in der Tasche verabschiedete sie sich. Und Dieter Kreutz, Kassierer des Vereins, sagte: „Wenn Sie in einigen Monaten kommen, dann gebe ich nur Lohfeld ein – und auf dem PC erscheinen alle Informationen.“ Derzeit erfolgt nämlich die Digitalisierung des vorhandenen Materials, von Unterlagen, von Fotografien. Und die Katalogisierung der rund zweieinhalbtausend Bücher. Der komplette Vorstand ist eifrig dabei. „Unterstützer sind herzlich willkommen.“

Historische Fotos im Schaufenster

Neue Schriften stehen bereits ins Haus. „Uns wurde eine Schenkung der Rheinischen Vierteljahresblätter in Aussicht gestellt“, meinte Rolf Junker hocherfreut über diesen Schatz. Und: Wer die Geschichte Honnefs betreffendes Material zu Hause hat, muss sich ja nicht vom Original trennen. Der Verein ist schon froh, wenn er Kopien davon machen darf für das Archiv. „Wir suchen alles, was mit Honnef zu tun hat“, so Michaela Diepenseifen-Alfter, die zweite Vorsitzende.

Auch das Schaufenster ist anschaulich. Hier werden historische Fotos gezeigt. Der Verein ist stark daran interessiert, die Menschen auf den Bildern zu identifizieren. Künftig soll es ein Quartalstreff unter dem Motto „Honnefer Erinnerungen“ geben. Dann wird die Tafel im Raum verlängert, Glühwein, Tee und etwas zum Knabbern bereitgestellt und über Heimatkundliches gesprochen, so Wolf Diepenseifen, der wie Helgi aufm Kampe als Beisitzer mitarbeitet. Kreutz: „Die Leute sollen alte Fotos mitbringen, sich austauschen.“ Start ist am 13. Januar. Diesmal geht es vorwiegend um die Rommersdorfer Straße, eine ehemalige Geschäftsstraße. Kreutz: „In meiner Kindheit wurde ich dort zum Einkaufen geschickt und habe alles bekommen.“

Das Programm des jetzt 65 Jahre alten Heimatvereins ist noch vielfältiger. Exkursionen mit dem Bus und Museumsbesuche stehen auf dem Programm, jederzeit können auch Kinderführungen stattfinden. Langfristig ist daran gedacht, den Grundschulen für den Sachkundeunterricht einen Besuch im Archiv anzubieten oder eine Führung auf dem unter Federführung des Vereins gestalteten Geschichtsweg.

Darauf war man stolz in Bad Honnef: Das Schild weist darauf hin, dass das Geschäft Stang sogar die schwedische Königin belieferte. Foto: Frank Homann

Und dann wird 2022 ein besonderes Jahr: Dann hat Honnef seine 1100-Jahr-Feier. 2021 ist bereits der 50. Todestag von Heimatdichter Franzjosef Schneider. Wolf Diepenseifen hatte die Idee, dass der Heimatverein aus diesen Anlässen ein Buch herausgibt. Und zwar mit den „übersetzten“ Mundart-Texten von Schneiders „Briefe von Hause“. Wer anders als Willi Birenfeld, der Schneider-Interpret, hätte dies leisten können? Junker: „Ohne finanzielle Hilfe können wir dies allerdings nicht leisten.“