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Werkschau in der „Alten Schreinerei“: Ilse Wegmann öffnet ihr Atelier in Bad Honnef

Werkschau in der „Alten Schreinerei“ : Ilse Wegmann öffnet ihr Atelier in Bad Honnef

Päckchen mit gesammelten Todesanzeigen aus 20 Jahren, kunstvoll aufeinander gesetzte Holzrahmen oder an die Wand genagelte Teile von schwarzen Bilderrahmen - es gibt viele zufällig entstandene Arrangements in der Werkschau von Ilse Wegmann zu sehen. Die Bad Honnefer Künstlerin öffnet noch an zwei Wochenenden ihr Atelier für Besucher.

„Manchmal weiß ich gar nicht, warum genau ich etwas mache oder etwas sammele. Doch irgendwann kommt der Tag, da merke ich, es war genau richtig so.“ 20 Jahre lang zum Beispiel hat Ilse Wegmann Zeitungsseiten mit Todesanzeigen gesammelt, sie sorgsam zusammengefaltet und mit feiner Kordel zu Hunderten winzig kleiner Päckchen verschnürt. „Eigentlich wollte ich diese irgendwann zu einer Art Grabmal zusammensetzen“, sagt die Künstlerin.

Jetzt, anlässlich der erstmaligen Öffnung ihres Ateliers für interessierte Besucher, holte sie zumindest einige Dutzend der Päckchen aus ihrem Dornröschenschlaf und stellte sie nebeneinander auf einer alten hölzernen Werkbank auf. Ein eher zufälliges Arrangement, das aussieht, als wäre es füreinander bestimmt: das alte Schreinertischchen mit seinem morbiden Charme und die vergilbten Zeitungsseiten von „damals“.

Es sind viele solch eher zufällig entstandener Gefüge oder Fragmente alter Installationen, neu zusammengesetzt, die die Besucher am Wochenende unter dem Titel „UM.BRUCH“ in der „Alten Schreinerei“ in Bad Honnef entdecken konnten. Zum Beispiel einen ganzen Stapel kunstvoll aufeinander gesetzter Holzrahmen. „Die waren alle mal mit Leinwand bezogen. Jetzt sind sie abgetakelt“, sagt Wegmann und schmunzelt.

Keine Galerie

Oder die Leisten einfacher, schwarzer Plastikbilderrahmen, „eigentlich hässlich wie die Nacht“, die in Einzelteilen an die Wand genagelt wie ein raffiniertes geometrisches Gesamtkunstwerk wirken. „Sie gefallen mir so viel besser als mit einem Bild drin.“ Auch die Böden der Zinkregale aus dem Baumarkt, die die Künstlerin mithilfe einer Fliegenklatsche „schwarz auf Silber“ bedruckt hat, sehen als Wandschmuck ausgesprochen edel aus. „Vielleicht baue ich sie aber irgendwann auch wieder zu einem Regal zusammen. Ich nutze die Dinge oft doppelt und dreifach.“

Dass die Räume im Hinterhof an der Austraße keine Galerie sind, sondern dass dort tagtäglich Kunst „gemacht“ wird, ist nicht zu übersehen: hier steht ein Rollwagen mit Spraydosen, Farbgläsern und Sprühfalschen, dort ein Kasten mit einem bunten Sammelsurium an Pinseln, am Eingang hängt ein abgetragener Blaumann. Auch den Wänden ist anzusehen, dass an ihnen 15 Jahre rumgenagelt und rumgehämmert wurde.

Bevor Wegmann dort 2005 ihr Atelier einrichtete, in dem sich auch andere Künstler „austoben“ durften, befand sich in dem Gebäude eine Schreinerei. Als der Inhaber starb, verfiel die Werkstatt mehr und mehr, bis Wegmann zunächst einen Raum und dann die ganze Werkhalle mietete.

Alte Werkzeuge sollen präsentiert werden

Gezeigt hat die Künstlerin ihre Werke schon bei vielen Ausstellungen, doch ihr eigenes Reich hat sie bisher für Besucher noch nie geöffnet – bis jetzt. „Ich dachte mir immer, wer kommt da schon. Aber nach 15 Jahren habe ich mir gesagt: Jetzt oder nie.“ Aufgehübscht wurden die Räume dafür nicht extra: „Es ist ja kein Museum“. Aber die Werke, die sich überall verstreut finden und die einen Querschnitt aus Wegmanns langjährigem Schaffen zeigen, entfalten ihre Wirkung auch so. Vielleicht sogar so auch noch viel besser.

Schön gemacht werden soll die alte Werkstatt demnächst aber dennoch – denn Wegmann hat große Pläne: „Hier kommt alles raus. Dann möchte ich die ganze Halle renovieren und nur Requisiten aus der alten Schreinerei präsentieren“, verrät die Künstlern. Alte Geräte und Schreinerwerkzeug sollen veredelt und zu etwas Besonderem gemacht werden, aber ohne sie zu verfremden. „Da freue ich mich schon drauf.“

Die Werkschau: „UM.BRUCH“ von Ilse Wegmann in der Kulturwerkstatt „Alte Schreinerei“, Austraße 4 (Hinterhof) in Bad Honnef, kann noch bis zum 23. August angeschaut werden. Geöffnet ist jeweils samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr, außerdem am Mittwoch, 19. August, von 17 bis 19 Uhr.