Rechtsstreit beendet Johnson Controls kann Werk erweitern

BUCHHOLZ · Der vier Jahre dauernde Rechtsstreit zwischen der Kreisverwaltung Neuwied und Anwohnern in Buchholz um die Erweiterungspläne des dort ansässigen Batterierecyclingwerks Johnson Controls ist beendet.

 Ein Mitarbeiter von Johnson Controls im Buchholzer Werk an einem Schmelzofen: Der Autozulieferer könnte durch den geplanten Ausbau in zweistelliger Millionenhöhe mehr als die doppelte Menge Blei aus Autobatterien einschmelzen.

Ein Mitarbeiter von Johnson Controls im Buchholzer Werk an einem Schmelzofen: Der Autozulieferer könnte durch den geplanten Ausbau in zweistelliger Millionenhöhe mehr als die doppelte Menge Blei aus Autobatterien einschmelzen.

Foto: Johnson Controls

Die Klageführer aus den Ortsteilen Hammelshahn und Kölsch-Büllesbach und das Unternehmen haben sich nach Angaben beider Parteien vergangene Woche geeinigt. Seit Jahren waren die Anwohner gegen die bereits im Jahr 2010 erteilte Genehmigung der Ausbaupläne juristisch vorgegangen, weil sie zusätzlichen Lärm und weitere Umweltbelastungen befürchteten. Vor dem Verwaltungsgericht hatten sie allerdings zuletzt eine Niederlage einstecken müssen. Die nun getroffene Vereinbarung hat das Oberverwaltungsgericht Koblenz bereits akzeptiert und das anhängige Berufungsverfahren in dieser Woche eingestellt.

Johnson Controls bewegt sich weit auf die Bürger zu: Die Emissionen sollen auf ein Drittel der ursprünglich genehmigten Ausstoßmenge an den Giftstoffen Dioxinen und Furanen reduziert werden. Sie entstehen beim Einschmelzen der bleihaltigen Altbatterien aus Fahrzeugen. Mit der Erweiterung soll außerdem die Zahl der Messstellen zunehmen, um besonders an sensiblen Orten wie Kindergärten oder Schulen die Luftwerte gut überwachen zu können. Das Recyclingwerk will außerdem einmal im Jahr seine Umweltdaten in verständlicher Sprache im Mitteilungsblatt der Verbandsgemeinde Asbach veröffentlichen.

Die klagenden Bürger monierten auch, dass der Lärm auf dem Gelände zunehmen werde, wenn Johnson Controls künftig bis zu zwölf Millionen Batterien statt bislang 4,5 Millionen wiederaufbereiten könnte. Die Firma hat sich deshalb bereit erklärt, die Batterien in ihre Bestandteile Blei, Säure und Kunststoff zu zerlegen. Nur noch das Schwermetall Blei käme in den Schmelzofen fürs Recycling. Bislang werden die Batterien im Ganzen aufgelöst und alle Bestandteile wiederverwertet.

Der Autozulieferer will außerdem prüfen, ob er für die Materialtrennung einen zweiten Standort an anderer Stelle errichten kann und letztlich nur noch das Schwermetall nach Buchholz fährt. Das würde eine Entlastung beim Schwerlastverkehr bewirken.

Wie berichtet, saniert das Land Rheinland-Pfalz seit vergangenem Jahr die marode Zubringerstraße L 275, ebenfalls eine Forderung der Kläger. Johnson Controls hat sich bereit erklärt, eigenes Geld in die Verkehrsinfrastruktur zu stecken, beispielsweise anteilig in den Bau von Rad- und Fußwegen entlang dieser Landstraße. Einer solchen Entscheidung müssten aber zunächst die zuständigen Gemeindegremien zustimmen.

Die Anwohner Hans Konrad Koch, dessen Frau Sybille von Stocki sowie Barbara und Günter Wagner sehen in diesen Maßnahmen "Erleichterungen für die Bürger, die uns überzeugt haben". Johann-Friedrich Dempwolff, einer der Europa-Geschäftsführer bei Johnson Controls, hält die Vereinbarung und den Weg dorthin für ein Beispiel "gelungener Kommunikation". In der Kreisverwaltung Neuwied nahm Ina Heidelbach, die Leiterin des Umweltreferates, die Einigung erfreut zur Kenntnis: "Mit der Einstellung des Verfahrens ist die 2010 erteilte Genehmigung nun rechtskräftig."

Für den Buchholzer Werksleiter Frank Toubartz fängt nun die Planungsarbeit wieder an. Der Ausbau war zwar schon auf dem Papier ausgearbeitet, aber die angedachte Investitionssumme im zweistelligen Millionenbereich dürfte nach den vier Jahren nicht mehr zu halten sein. "Ich rechne nicht damit, dass die Arbeiten noch in diesem Jahr beginnen können", sagte Toubartz. Um die Produktionskapazität mehr als zu verdoppeln, muss zwar nicht das Gelände erweitert, aber die entsprechenden technischen Voraussetzungen geschaffen werden.

Dazu ist beispielsweise der Bau eines 100 statt des bisher 50 Meter hohen Schornsteins angedacht. Toubartz sagte gegenüber dem GA, Johnson Controls wolle mit den Investitionen den Standort des ehemaligen Varta-Werks für die Zukunft aufstellen. Nach der Erweiterung, deren Bauzeit vor fünf Jahren mal mit zweieinhalb Jahren veranschlagt wurden, könnten dort bis zu 35 oder 40 zusätzliche Stellen entstehen. Die versprochenen niedrigen Emissionswerte hält er für ambitioniert, "aber wir gehen davon aus, dass wir das können". Damit könnte das Werk in Buchholz eine Vorreiterrolle einnehmen und Beispiel geben für andere Aufbereitungsanlagen des Unternehmens.

Das Unternehmen

Der Autozulieferer Johnson Controls hat den Hauptsitz in Milwaukee in den USA. Das börsennotierte Unternehmen hat laut Geschäftsbericht von 2013 42,7 Millionen Dollar umgesetzt und beschäftigt 170 000 Mitarbeiter. Etwas jede dritte Autobatterie kommt laut Hersteller von Johnson Controls. 2002 hat die US-Firma die Autobatteriesparte von Varta übernommen und im Zuge dessen auch den seit 1904 bestehenden Standort im Westerwald. Dort arbeiten heute 120 Mitarbeiter. Autobatterien haben die eine Recyclingquote von 99 Prozent. Das darin enthaltene Blei verliert durch die Aufbereitung kaum an Qualität.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort