Jugendamtsleiter zum Arbeitspensum: "Die absolute Obergrenze"

Rhein-Sieg-Kreis · Kommt ein Kind zu Tode, wie vor wenigen Tagen die kleine Anna in Bad Honnef, steht schnell die Frage nach der Verantwortung im Raum. Wer hätte die Tragödie verhindern können?

Kommt ein Kind zu Tode, wie vor wenigen Tagen die kleine Anna in Bad Honnef, steht schnell die Frage nach der Verantwortung im Raum. Wer hätte die Tragödie verhindern können? Schneller als sie sich versehen, stehen die Jugendämter im Fokus. Dabei weisen gerade in diesen Institutionen verantwortungsbewusste Mitarbeiter schon im Vorfeld darauf hin, dass sie wegen Arbeitsüberlastung nicht mehr genau genug hinsehen zu können glauben.

Zum Beispiel im Jugendamt Sankt Augustin. Und das ist kein Einzelfall. Auch im Hennefer Jugendamt habe es bereits in der Vergangenheit Überlastungsanzeigen gegeben, sagte dessen Leiter Jonny Hoffmann dem GA. "Wir sind jetzt auch nicht top besetzt, aber durch die Neubesetzung vakanter Stellen und Umschichtungen innerhalb des Jugendamtes haben wir die Lücken geschlossen."

Ein Weg, den auch die Augustiner nach Angaben des Stadtsprechers Wolfgang Strauch beschreiten wollen. "Gemeinsam mit dem Personalrat arbeiten wir an einer Entlastung", sagte er. Unter anderem werde geprüft, zusätzliches Personal einzustellen.

"Trotzdem bewerten wir unser eigenes Jugendamt als Erfolg", urteilt Strauch. Sankt Augustin hatte sich 1989 als dritte der 19 Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises mit dem Jugendamt auf eigene Füße gestellt, nachdem 1981 Troisdorf den Anfang gemacht hatte.

Voraussetzung dafür ist, dass eine Kommune in drei aufeinander folgenden Jahren nachweisen kann, dass sie mehr als 20 000 Einwohner hat. Insgesamt elf Kommunen scherten bis heute aus der Solidargemeinschaft des Kreisjugendamtes aus, darunter auch Honnef und Königswinter. Im Fall der toten Anna sind es die Ämter in Honnef und Königswinter, die sich fragen mussten, ob sie Pflichten versäumt haben.

Das größte der zwölf Jugendämter im Kreis ist nach wie vor das Kreisjugendamt, wie Sprecherin Katja Lorenzini bestätigte. Dort werden acht Kommunen mit 150 000 Einwohnern betreut. Auf die Frage, wie sich der Kreis zur Abspaltung der anderen Jugendämter stellt, sagte die Kreissprecherin: "Es ist die politisch souveräne Entscheidung eines Gemeinderates. Das haben wir im Kreis zu respektieren.

Für die Kommunen, die im Solidarverband bleiben müssen, wird die Situation dadurch immer schwieriger." Was die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter in den Jugendämtern angeht, gibt es eine Empfehlung des Landesjugendamtes, die bei 60 zu betreuenden Kindern in Pflegefamilien pro Vollzeitkraft liegt. "Das ist die absolute Obergrenze", so Amtsleiter Hoffmann. In Hennef liege die Fallzahl bei 40.

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