Bad Honnef Kabarettist Detlev Schönauer nimmt Kirche und Politik aufs Korn

Bad Honnef · Moses zog 40 Jahre lang durch die Wüste. Das wäre, ehrlich gesagt, auch schneller möglich gewesen. Aber daran zeigt sich eben, dass Moses ein Mann war - denn die Herren der Schöpfung fragen nie nach dem Weg.

 Wortwitz mit französischem Akzent: Detlev Schönauer.

Wortwitz mit französischem Akzent: Detlev Schönauer.

Foto: Frank Homann

Man kann sich regelrecht vorstellen, wie es sich zugetragen haben muss: "Hey Jungs, ich glaube, hier geht's lang! Sorry, doch nicht, ich meinte da lang!" Wäre Moses eine Frau gewesen, wären die Israeliten in zwei Jahren schnurstracks am Ziel gewesen.

Zumindest, wenn man den Worten des Kabarettisten Detlev Schönauer Glauben schenkt, der im Evangelischen Gemeindehaus zu Gast war. Unter dem Motto "Das schreit doch zum Himmel" führte Schönauer als französischer Bistrobesitzer Jacques durch ein rund zweistündiges musikalisches Kirchenkabarett.

Auf charmante Art und Weise beschrieb er allerlei Situationen aus dem kirchlichen Alltag. So plädierte er etwa für einen Hörschutz für Pfarrer, deren Trommelfelle mehrmals die Woche unter dem unerträglich schiefen Gesang des besonders hartnäckigen Erste-Reihe-Kandidaten litten.

Aber auch subtile, in lockere Pointen gepackte Kirchenkritik kam an jenem Abend nicht zu kurz: Jacques berichtete unter anderem von seiner brandneuen Idee, der Online-Beichte, von Bonuspunkten für Vielsünder über die Goldmitgliedschaft ("Mit sieben Freisünden pro Monat") bis hin zur Werbespalte "Sünder, die Unzucht begingen, interessierten sich auch für...".

"Es gibt viel zu wenig Humor in der Kirche", erklärte Schönauer die Motivation für sein Kirchenkabarett. "Dabei hat der liebe Gott sogar sehr viel Humor gehabt, schließlich hat er den Saarländer erschaffen." Doch nicht nur Kirchliches war Thema, auch die altbekannten Probleme zwischen den Geschlechtern oder politische Wahlversprechen nahm er aufs Korn.

"Irgendwann habe ich gehofft, die Merkel nimmt die Perücke ab und es war die ganze Zeit bloß Hape Kerkeling", wetterte Schönauer mit Franzosenakzent. Mit einer Vielzahl von klugen Wortwitzen, derben Zweideutigkeiten und entrüsteten Meinungsbekundungen trieb er dem Publikum die eine oder andere Lachträne in die Augen.

Über seine Verkörperung des betrunkenen Jesus beim letzten Abendmahl und seine Version der Schöpfungsgeschichte von "Monsieur Lieber Gott, Adam und seinem Kotelett" amüsierte sich schließlich auch der kirchentreuste Kabarettbesucher. Zu den Höhepunkten der Veranstaltung wurden jedoch die zwischendurch eingestreuten Gesangs- und Musikeinlagen, in denen Schönauer unter anderem für die Umgestaltung der klassischen Messe in eine Disco-Funk-Party mit Leuchtstrahlern und tanzenden Priestern in Glitzeroutfits warb.

"Als ich vor 32 Jahren in der Unterhaltungsbranche anfing, war ich zunächst Liedermacher", berichtete er über den Ursprung der musikalischen Elemente seines Programms. "Meine kleinen Gags zwischen den Liedern kamen aber so gut an, dass sie mit der Zeit immer mehr wurden. Irgendwann bin ich komplett zum Kabarett gewechselt."

Das Publikum war von der Darbietung Detlev Schönauers hellauf begeistert und honorierte diese mit tosendem Applaus. Der Kabarettist, Jahrgang 1953 und ursprünglich studierter Physiker, ist bereits mehrmals in Honnef aufgetreten, weitere Auftritte sind geplant.

Weitere Informationen unter www.schoenauer.de.