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Mohammad Jafar Arya: Klaus Nöldner finanziert einem jungen Afghanen einen Sprachkurs

Mohammad Jafar Arya : Klaus Nöldner finanziert einem jungen Afghanen einen Sprachkurs

Für Mohammad Jafar Arya gibt es ein Leben davor und danach. Davor war der 26-jährige Mann ein privilegiertes Mitglied der afghanischen Gesellschaft und lebte in Kundus.

Sein Elternhaus war so wohlhabend, dass er an englischsprachigen Hochschulen in China und Rumänien Medizin studieren konnte, sein Abschlusszeugnis weist beste Leistungen auf. Doch der Plan, eine eigene Praxis in Kundus zu eröffnen, scheiterte. Die Taliban verwehrten ihm die Niederlassung und drängten ihn, in ihre Dienste zu treten. Als Arya das ablehnte und die Stadt auf dem schnellsten Weg verließ, nahmen sie grausam Rache und ermordeten seinen Vater.

Damit begann das Leben danach: Als Flüchtling kam Arya vor anderthalb Jahren nach Deutschland, in ein Asylbewerber-Wohnheim in Bad Honnef. Seine Befähigung lag brach, seine Sozialkontakte auch. "Niemanden habe ich da kennengelernt, gar nicht gesprochen", erzählt der Akademiker, der inzwischen in Bonn lebt, in einfachem Deutsch. "Keiner konnte Paschtu oder Dari und Englisch auch nicht."

Eine Bekanntschaft machte er aber doch - die mit Klaus Nöldner, einem 79-jährigen Rheinbreitbacher. Als der Senior den Afghanen traf, wurde ihm klar, dass nur die fehlenden Sprachkenntnisse ihn ausgrenzten: Wäre sein Deutsch besser, könnte er sich eine Approbation erteilen lassen und im Krankenhaus arbeiten. "Der einfache Kurs, den er finanziert bekommen hat, reicht dazu aber nicht aus. Er braucht einen zweiten, damit er das Zertifikat B 2 schafft."

Nöldner schildert, wie er mit Jobcenter, Arbeitsverwaltung und verschiedenen Außenstellen des Bundesamtes für Migration telefonierte, um die Möglichkeit der Kostenübernahme von 590 Euro anzuregen. Doch niemand habe sich in diesen Einzelfall hineindenken wollen.

"Das finde ich einfach grässlich", fasst er die Misserfolge zusammen. "Ein begabter und liebenswürdiger Mensch kommt zu uns, wo Tausende von Ärzten fehlen, und wird hier regelrecht zurückgewiesen." Aus seinem früheren Berufsleben ist Nöldner es gewohnt, zu verhandeln und zu überzeugen, auch mit Gegenwind kennt er sich gut aus.

Der Bundesverdienstkreuzträger leitete Entwicklungsprojekte auf drei Kontinenten, war Referatsleiter im rheinland-pfälzischen Kultusministerium, Chef der Hilfsorganisation Care und Geschäftsführer des Hartmannbundes. Seine Umtriebigkeit setzt er nun für den zurückhaltenden jungen Mann ein.

Vor kurzem sprach er mit ihm bei der Uniklinik vor, um eine Art von Praktikum zu organisieren. "Er muss sich ja dringend an die medizinischen Vokabeln auf Deutsch gewöhnen. Da hilft es schon, wenn er täglich ein paar Stunden auf einer Station verbringen darf." Nach dem Termin waren beide zufrieden: "Der ärztliche Direktor hat viel Verständnis gezeigt. Er will sich bemühen, eine geeignete Abteilung zu finden."

Vielleicht geht es dann wirklich bergauf im Leben des Mohammad Jafar Arya. Vor einem Monat konnte er aus dem Heim in eine kleine Wohnung in Tannenbusch ziehen, am 23. September beginnt sein B 2-Sprachkurs - privat bezahlt aus der Tasche Klaus Nöldners: "Seine Chance, approbiert zu werden, darf doch nicht an 590 Euro scheitern."