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Kommunalwahl in Bad Honnef: Stadtjugendring informiert

Umfrage unter Jugendlichen : Stadtjugendring in Bad Honnef informiert zur Kommunalwahl

Von der Umfrage bis zum Wahlcheck: Der Stadtjugendring Bad Honnef will die Jugendlichen informieren und zugleich ihre Meinungen in die Politik kommunizieren. Bei einer Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten kommt die Politik auf den Prüfstand.

Stell Dir vor, es ist Wahl – und keiner geht hin? Für die Jugendlichen, die an der Umfrage des Stadtjugendrings Bad Honnef vor der Kommunalwahl am Sonntag, 13. September, teilgenommen haben, ist das keine Option. 130 der 155 Jugendlichen, die diese Frage beantworteten, sagten: Sie wählen auf jeden Fall. Macht 84 Prozent.

Nun erhebt die Umfrage mit 210 Teilnehmern insgesamt nicht den Anspruch, repräsentativ zu sein. So leben in Bad Honnef etwa 800 junge Menschen zwischen 16 und 18 Jahren, die (teils erstmals) wahlberechtigt sind. Aber zum einen ist der Stadtjugendring kein Meinungsforschungsinstitut. Zum anderen, und das gelingt den Initiatoren zum wiederholten Mal: Sie wollen die Jugendlichen informieren und zugleich ihre Meinungen in die Politik kommunizieren. Auch eine Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten wird es geben, Corona-geschuldet erstmals als Live-Stream im Internet. Und einen Wahlcheck.

Mit seinem Kommunalwahlprojekt, das aus Mitteln des Kinder- und Jugendförderplans NRW und durch die Stadt Bad Honnef unterstützt wird, knüpft der Stadtjugendring an Projekte zu vorangegangenen Wahlen an. Basisdemokratisch, versteht sich: Von der Formulierung der Fragen bis zur Podiumsdiskussion – die Jugend hat das Heft in der Hand. Nicht zuletzt ist das Projekt wichtiger Teil der Jugend-Partizipation, die neue Impulse bekommen kann, so Stadt-Jugendpfleger Frank Brehm. Feste Gremien wie das „Change“-Team waren irgendwann gescheitert, weil die Mitglieder in Studium oder Beruf wechselten. Brehm: „Das waren starre Beteiligungsformen. Digitalisierung und neue Medien bieten aber neue Chancen der Partizipation.“

Eben so, wie es mit der Online-Umfrage geschah und auch am Donnerstag, 3. September, 16 Uhr, passieren soll: Die Podiumsdiskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten gibt es live im Internet. 25 Jugendliche, die sich jetzt dafür bewerben können, diskutieren im Saal mit: Corona gibt die Beschränkung vor. Aber auch für alle anderen Jugendlichen gilt: Mitmachen ist erwünscht. Fragen werden im Vorfeld gesammelt oder können während des Live-Streams übermittelt werden. Die Aufzeichnung wird danach veröffentlicht. Neu im Projekt ist der Wahlcheck „Honnef-O-Mat“ mit 38 Thesen, die auf den Umfrageergebnissen beruhen und weitere Hilfe zur Wahlentscheidung geben können.

Auch die Umfrage, so Jugendring-Vorsitzender Marius Nisslmüller, ist mit Jugendlichen entstanden. Eine Broschüre, gedruckt und online als pdf, wird auch über die Schulen verteilt. Und „die Ergebnisse gehen an alle Ratsfraktionen“, so Kassierer Marcelo Peerenboom. Was die Teilnahme angeht, so blieb die Zahl mit 210 Teilnehmern etwas hinter der von vor sechs Jahren zurück. Peerenboom: „Da die Schulen geschlossen hatten, konnten wir diesen Verteiler nicht nutzen.“ Zufrieden sei man gleichwohl, so auch Nisslmüller.

Und das liegt nicht zuletzt daran, wie die Jugendlichen geantwortet haben: Mit Multiple-Choice-Kreuzchen war es oft nicht getan. Beispiel: Zur Frage nach der Zufriedenheit mit Radwegen heißt es etwa wörtlich, „außer auf der Linzer Straße gibt es kaum gute Fahrradwege. Die Menzenberger Straße hoch kommt man sich vor wie ein Verkehrshindernis. (...) Der Schulweg ist eine Katastrophe für Auto- und Fahrradfahrer.“ „Das Sibi fällt auseinander“, heißt es anderswo. Und: „Die Klassen sind viel zu groß. Die Klassenzimmer sind oft ganz stickig und viel zu warm.“ Schulen, meint ein anderer, müssten generell „moderner“ werden: „Jeder sollte ein Tablet haben und damit lernen können. Alles andere ist eine Mega-Papierverschwendung!“

„Die Jugendlichen sind realistisch und denken wirtschaftlich“, so Peerenboom. Wieder das Beispiel Sibi: 55 Prozent sagen Ja zur Sibi-Renovierung, abreißen und am Platz neu bauen wollen nur 21 Prozent, woanders neu bauen nur acht Prozent. Auch zu Sportstätten („Das Stadion ist eine Zumutung“), ÖPNV („Es braucht spätere Busse und mehr Verbindungen nach Aegi­dienberg“) wurde ausführlich geantwortet. Hinter den Spiegel stecken dürfen sich die Politiker dieses Ergebnis: 71 Prozent der Teilnehmer gaben an, die Politik kümmere sich nicht genug um ihre Belange. „Als Jugendlicher habe ich kein richtiges Sprachrohr oder wüsste nicht, wo ich mich hinwenden soll“ und „hier wird viel auf die alten Generationen geachtet. Die Zukunft liegt aber in der Jugend, man muss Bad Honnef für die Jugend interessant machen“, so die junge Expertise.

Dafür, ernst genommen zu werden, können auch die Jugendlichen selbst etwas tun: wählen gehen. „Mach von deinem Wahlrecht Gebrauch. Unsere Demokratie kann nur funktionieren, wenn möglichst viele mitmachen“, so der Stadtjugendring auf seiner Internetseite, die Informationen zu Wahlrecht und Wahl, zu Parteien und Kandidaten und ihren Positionen gibt. Peerenboom: „Wir wollen die Jugendlichen informieren und zwingen die Kandidaten und die Parteien, sich mit ihren Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Als Lobby der Jugend ist das ein dankbares Thema für uns.“