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Kommunalwahl in Bad Honnef: Wie sich Bad Honnef als Stadt entwickeln soll

Vor der Kommunalwahl : Wie sich Bad Honnef als Stadt entwickeln soll

Stadtentwicklung ist eine Gratwanderung auf der ständigen Suche nach der richtigen Balance. Das weiß man gerade in Bad Honnef gut. Diskussionen in Bezug auf Bebauung und Zuzug werden dort schon seit Jahrzehnten geführt.

Es muss um 2001 herum gewesen sein. Die Diskussion um eine Bebauung in Selhof-Süd, ein Wiedergänger in der Bad Honnefer Politik par excellence, erregte die Gemüter. Ein befreundetes Paar fragte, ob es im Selhofer Feld Grund und Boden fürs ersehnte Eigenheim kaufen sollte. „Bauerwartungsland“ sei das, so sei ihm versichert worden. Und familientauglich, weil günstiger zu haben als sonstwo in der Stadt. Der Rest ist Geschichte. Das Paar kaufte nicht, zahlt seine Steuern mittlerweile in Königswinter und schickt dort die Kinder in Kita und Schule.

Wann immer es um das Thema Zuzug von Familien geht, ist die Diskussion um das Selhofer Feld nicht weit. Mehr als 50 Jahre geht das schon so. Aber: Die Flächen zerfallen in private Parzellen. Ein Umlegungsverfahren dürfte Jahre dauern. Und so lange dürften weitere Familien woanders ihr Glück suchen. Die Suche nach Alternativen bietet immer wieder erheblichen Sprengstoff. Nördlicher Stadtgarten, Hockeyplatz? Auf keinen Fall, sagen die Gegner, Grün- und Sportflächen sind unantastbar. Das Beispiel des Reitersdorfer Parks habe gezeigt, wie wichtig Wachsamkeit ist: Mit Bürgerengagement blieb dort eine grüne Lunge erhalten.

Alle Experten sagen: Die Region braucht Wohnraum. Aber wo kann günstiger Wohnraum entstehen? Und wie viel Wachstum braucht es überhaupt? Der demografische Faktor wirkt: Fast ein Drittel der Bürger ist älter als 60 Jahre.

 Am Floßweg? Auch da regt sich Protest. Mit Lückenschluss auf vererbtem Privatgrund? Exorbitante Baulandpreise sorgen für Maximalauslastung. Motto: quadratisch, praktisch – teuer. Und städtische Flächen sind Mangelware, vor allem im Tal.

Das Selhofer Feld. Foto: Homann

Stadtentwicklung ist mehr als Bauen

Am Rederscheider Weg in Rottbitze ist Entwicklung auf städtischem Grund angeschoben. Doch keine weiterführende Schule am Berg, zu wenig Busse für Schüler und Pendler? „Auch wir wollten ins Tal. Zum Glück konnten wir es uns leisten“, gestand kürzlich ein nicht namentlich genannter Kommunalpolitiker. Nachholbedarf am Berg, der am stärksten wächst, ist unumstritten. Was Selhof-Süd angeht, hat die Politik Haken geschlagen. Heute Totschlagargument gegen andere Flächen, machte man sich Bürgerproteste gegen eine Bebauung auch dort zu eigen. Wer hat schon gerne Widerstand in der Bürgerschaft?

Kritischer Diskurs ist wichtig, unabdingbar. Er bringt Dinge voran, aber nur dann, wenn er ehrlich und sachlich geführt wird. Ein Schelm, der Böses dabei denkt: „Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann“, befand einst Mark Twain. Und Stadtentwicklung ist weit mehr als Bauen.

Keine Einmütigkeit der Politik bei der Insel Grafenwerth

Zur Ehrlichkeit gehört aber auch: Alles hängt zusammen. In einer alternden Stadt fehlen irgendwann die Kinder für die Schulen, kaufen Familien nicht mehr ein, fehlen Steuereinnahmen, um Straßen und Sportstätten zu sanieren oder das Freibad zu erhalten. Genauso gilt: Wer dort siedelt, tut das auch wegen der Lebensqualität. Und dazu gehören Freiräume, eine lebendige Innenstadt, innerstädtische Parks, der Erhalt der Natur.

Stadtentwicklung ist eine Gratwanderung auf der ständigen Suche nach der richtigen Balance. Was man dazu braucht, sind Leitplanken, sagt Fabiano Pinto, Geschäftsbereichsleiter Städtebau, und meint das Integrierte Stadtentwicklungskonzept, das 2016 vom Stadtrat einhellig beschlossen wurde. Dabei stehen nicht nur klassische Planungsthemen wie Verkehr, Neubauten und öffentliche Plätze im Fokus, sondern auch soziale Aspekte, Familientauglichkeit, Umwelt. 2019 beschloss der Stadtrat die erste Vertiefung für weite Teile des Tals. Prominentestes Beispiel: die Insel Grafenwerth. Mit der Einmütigkeit der Politik war es da schnell vorbei.

Weitere Geschäfte werden schließen

Für die City ist es fünf nach zwölf. Der Generationenwechsel im Einzelhandel ist da, Ende 2020 werden weitere Geschäfte schließen. Dann wäre da noch die geplante Großbaustelle zwischen Vogelbrunnen und Saynschem Hof. Auch die bereitet Bauchweh, will sehr gut geplant sein. Und wird doch Folgen haben, bevor eventuell die Früchte der Neubelebung geerntet werden können.

Die Stadt hat nicht alles in der Hand, kann nur Rahmen stecken. Und hat in den vergangenen Jahren einiges vorzuweisen. Projekte wie die Rettung des Kurhauses und die geplante Sibi-Sanierung sind erst möglich durch das Ende der Haushaltssicherung, eine gemeinsame Anstrengung von Politik, Verwaltung und Bürgern. Manches ist jahrelange Kärrnerarbeit wie zuletzt die erfolgreichen Nachfolgeregelungen in KSI und Commundo. Bad Honnef sei alles andere als eine „Problemstadt“, sagt Pinto. Ein hundertprozentiges Erfolgsrezept für die Zukunft gibt es nicht, über vieles wird zu reden sein. Bei manchem wird man dazulernen müssen, und nicht alles wird funktionieren. Aber um es mit Johann Wolfgang von Goethe zu sagen: „Es irrt der Mensch, solang er strebt.“ Aber wer nicht strebt, ist auf dem Irrweg.