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"Musik im Pavillon": Sommerkonzerte in Rhöndorf starten am 7. August

"Musik im Pavillon" : Sommerkonzerte in Rhöndorf starten am Freitag

Mit „Musik im Pavillon“ beleben zwei Rhöndorfer den Pavillon am Ziepchensplatz. Vier Konzerttermine stehen schon fest. Los geht es an diesem Freitag - bei freiem Eintritt „auf Abstand und mit Spende“, wie es in der Ankündigung heißt.

Wenn sich früher Rhöndorfer im Pavillon am Ziepchensplatz einfach nur so zum „Klaaf“ zusammensetzten, „dann konnte man noch an der Kapelle jedes einzelne Wort verstehen“, sagt Alfred Höhler. Was der Vorsitzende des Bürger- und Ortsvereins Rhöndorf, zugegeben humoristisch überspitzt, zum Besten gibt, ist belegbar, weiß auch Ernst Nellessen, ebenfalls Rhöndorfer Bürger sowie seines Zeichens Leiter und Arrangeur der Feedback Dancing Band und virtuos nicht nur am Saxophon: So unscheinbar der Pavillon wirkt, „die Akustik ist hervorragend, das ist wie eine Muschel“, sagt er. Davon überzeugen können sich Musikfans am kommenden Freitag, 7. August. Mit dem Gastspiel des Julia Meißner-Trios startet dann eine kleine, feine Konzertreihe am Ziepchen.

„Musik im Pavillon“, heißt die Reihe unter Ägide des Bürger- und Ortsvereins; Impulsgeber und Motoren sind Thomas Heyer und Nellessen, bei denen auch die Fäden für das Programm zusammenlaufen. Die Reihe schließt in Corona-Zeiten eine Lücke: Nachdem alle Ortsfeste in diesem Jahr wegen der Pandemie hatten abgesagt werden müssen, ist es stiller als sonst rund um den Ziepchensbrunnen. Konzerte unter freiem Himmel, bei denen Abstand gewahrt werden kann, stillen gewissermaßen den Kultur-Durst.

Früher fanden auch immer freitags Konzerte statt

Zugleich ist der Ort, an dem sich an zunächst vier Terminen Musiker ein Stelldichein geben, bei aller Schlichtheit nicht nur baulich und ausgestattet mit „physikalischer Akustik“ (Nellessen) eine Besonderheit. Er ist auch verbunden mit einem bekannten Namen. Denn entworfen wurde der Pavillon von Fritz August Breuhaus de Groot (1883-1960), der sich ab Anfang des 20. Jahrhunderts einen Namen als Architekt, Innenarchitekt und Designer machte.

Der Zufall wollte es, dass Heyer, Journalist und Mit-Inhaber einer Kommunikationsberatung, von der Verbindung Breuhaus de Groots zu Rhöndorf und dem Pavillon erfuhr. Zum einen baute sich Breuhaus de Groot dort ein Haus, lebte dort ab 1950. Zum anderen: Peter Profittlich, dessen Enkel gleichen Namens heute das Café Profittlich in vierter Generation führt, war offenbar nicht nur umtriebig in Sachen Seilbahnbau, was ihm Streit mit Gründungskanzler Konrad Adenauer einbrachte. „Mein Großvater wollte sogar den Kurbetrieb nach Rhöndorf verlegen“, berichtet Enkel Profittlich. Und was gehört zu einem ordentlichen Kurbetrieb? Kurkonzerte und eine Bühne, die diesen Namen verdient.

Während die Seilbahn Utopie blieb, ging die Sache mit dem Pavillon gut aus. Der visionäre Konditor bat Breuhaus de Groot um einen Entwurf. Und so wurde das kleine Gebäude, laut Heyer als „letzter Entwurf“ des Urhebers, Anfang der 60er Jahre errichtet. Fortan diente es als Bühne bei Konzerten oder auch für die Krönung der Schützenkönige, berichten Höhler und Profittlich. „Immer freitags waren Konzerte, mit Kapellen – sogar aus Holland“, so Profittlich.

Umgestaltungen „rückten“ den Pavillon gewissermaßen an den Rand. „Aber er hat nur geschlafen“, wie Nellessen es ausdrückt. Die Idee, einen wiederbelebten Ort kulturellen Lebens zu schaffen, fand aus dem Stand viele Unterstützer, berichtet Heyer. Die umliegende Gastronomie bewirtet während der Abende nicht nur, sie tut auch das ihrige dazu, die Engagements zu finanzieren. Auch Spender meldeten sich. Und bei freiem Eintritt „auf Abstand und mit Spende“, so die Ankündigung, kommt sicher auch einiges zusammen.

Dafür, dass den Corona-Schutzmaßnahmen genüge getan ist, ist gesorgt; der Verein hat ein Konzept mit Abstand, maximaler Besucherzahl und Einlasskontrolle erstellt, das von der Stadt genehmigt ist. Mitarbeiter des Bauhofes – Heyer: „Die Stadt hat uns sofort unterstützt.“ – haben dem Inneren einen frischen Anstrich verpasst. Aktive der Freiwilligen Feuerwehr sorgen am Donnerstag dafür, dass die Kelter einen besseren Platz bekommt und die Bühne freigeräumt wird.

Dies nicht zuletzt: Die Musikfreunde dürfen sich auf vier tolle Konzertabende freuen. Den Anfang macht in dieser Woche das Julia Meißner-Trio. Im Zwei-Wochen-Rhythmus folgen mit Lydie Auvray eine international anerkannte Künstlerin – die „Grande Dame des Akkordeons“ präsentiert in Rhöndorf ihr Programm „Pur Plaisier“ – und das Original Wahnbach Quintett mit Jazz, Blues, Funk und Pop.

Den vorläufigen Schlusspunkt bildet Ende September der Auftritt von Lost in the Jam mit „Best of Cotton Club“. Und dann? „Mal schauen. Hier ist noch weit mehr möglich“, sagt Nellessen. Und damit läuft er in Rhöndorf wohl offene Türen ein.