Verbindung zur Insel eingestellt Nonnenwerth-Fähre steht für rund 77.000 Euro zum Verkauf

Bad Honnef · Axel Bungarz schipperte mit der „Grafenwerth“ zwischen den Rheininseln hin und her, brachte die Nonnenwerth-Schüler zum Unterricht. Mit dem Schul-Aus kommt auch das Aus seiner Firma. Was die Zukunft des Schiffes angeht, hat der Kapitän eine besondere Idee.

 19 Jahre lang hat Axel Bungerz die Schülerinnen und Schüler von Grafenwerth nach Nonnenwerth geschippert.

19 Jahre lang hat Axel Bungerz die Schülerinnen und Schüler von Grafenwerth nach Nonnenwerth geschippert.

Foto: Frank Homann

19 Jahre war der Arbeitsplatz von Axel Bungarz ein ganz besonderer: die Strecke über den Rhein zwischen den Inseln Grafenwerth und Nonnenwerth. Damit ist nun Schluss. Nach der Schließung des Franziskus-Gymnasiums hat die wirtschaftliche Existenz als Fährmann, der den Schülerverkehr zwischen Bad Honnef einerseits und der auf Remagener Gebiet gelegenen Schulinsel andererseits sicherstellte, buchstäblich keine Handbreit Wasser mehr unter dem Kiel. Das Schiff steht zum Verkauf. Wie es für seinen Kapitän weitergeht, ist noch offen.

Auch der Fährbetrieb auf der gegenüberliegenden Rheinseite zwischen Remagen-Rolandswerth und der Insel Nonnenwerth, der anders als die private Linie von Bungarz seit jeher vom Schulträger betrieben wurde, ist eingestellt. „Dauerhaft geschlossen“, so steht es im Netz zu lesen. Die Bushaltestelle „Rolandswerth Fähre Nonnenwerth“ ist sozusagen namentliches Relikt im VRS-Fahrplan.

„Klar, das war auch für mich ein Schlag vor den Kopf“, kommentiert Bungarz rückblickend die Nachricht, dass es – zumindest vorerst und auf unabsehbare Zeit – nicht weitergehen würde mit einem Schulbetrieb auf Nonnenwerth. „Wir hatten ja lange noch Hoffnung, auch wenn klar war, dass es eng wird. Es ist schon ein Lebensabschnitt, der damit jetzt zu Ende geht“, so Bungarz zum GA. Der letzte Schultag Ende vergangener Woche sei damit auch für ihn „der erste Tag, an dem man sagen musste: Das ist jetzt Geschichte“.

Seit 35 Jahren selbstständig

Selbstständig bereits seit 35 Jahren, hatte Bungarz vor annähernd zwei Jahrzehnten das Unternehmen und damit den rechtsrheinischen Fährbetrieb zur Insel Nonnenwerth übernommen. Der gelernte Binnenschiffer hatte mit Anfang 20 auch das Rheinschifferpatent erworben, bildete später selber aus. Von ungefähr kam die Berufswahl nicht: Auch sein Vater war in der Rheinschifffahrt tätig, dies mit mehreren Fahrgastschiffen. Zusätzlich betrieb die Familie ein großes Café.

An jedem Schultag und zu besonderen Anlässen schipperte der „Königswinterer Jung“, wie Bungarz sich selber nennt, vor allem Schüler hin und her. Nach dem Abschied des Ordens von Nonnenwerth investierte er erneut in sein Schiff im Vertrauen auf die Zusicherung, dass der Schulbetrieb bleibe und sogar die Erweiterung anstand.

Für die Schulfamilie war der Kapitän der „Grafenwerth“ eine Institution – nicht allein, weil er „auch schon mal eine Extra-Tour einlegte, wenn wieder jemand zu spät war“, wie er erzählt. Wie es für ihn persönlich weitergeht, ist offen, zumal ein Neustart mit bald 60 Jahren nicht leichter wird. Seine Frau Claudia, die ebenfalls im Familienunternehmen tätig war, habe sich beruflich bereits neu orientiert, so Bungarz. „Einfach ist das alles nicht, aber ich werfe die Flinte nicht ins Korn“, so Bungarz, der trotz des Einschnitts ehrlichen Optimismus ausstrahlt.

Einstweilen steht die „Grafenwerth“ zum Verkauf. „Einmalige Gelegenheit“, die ehemalige Personenfähre zur Insel Nonnenwerth, eigne sich auch wunderbar zum Umbau als Hausboot, heißt es dazu im Inserat auf Ebay. Und dass das gültige Fahrattest noch bis Juli 2025 laufe. Der Preis: 77.350 Euro.

Könnte er einen Wunsch äußern: „Ich fände es schön, die Grafenwerth fände eine neue Verwendung in ihrer Heimat“, sagt Bungarz. Vorstellbar wäre für ihn zum Beispiel gastronomische Verwendung, „etwa auf der Terasse der Blauen Sau, das fände ich gut“. Immerhin ist die Grafenwerth auch ein Stück Geschichte: Baujahr 1924, gehört sie zu den Schiffen, die zwischen 1886 und 1967 ganz in der Nähe gebaut wurden – auf den Lokalbootwerften unterhalb des Drachenfels in Königswinter, wo die Grafenwerth jetzt auf einen neuen Liebhaber wartet.