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Gutenberghaus: Peter Besgen stiftete lokalhistorische Schätze

Gutenberghaus : Peter Besgen stiftete lokalhistorische Schätze

Die Bilder zeigen Bad Honnef von einer Seite, wie es den Rheinort schon lange nicht mehr gibt. Es sind Luftbilder von Straßenzügen, wie sie vor Dekaden einmal aussahen, Nahaufnahmen von Läden, die bereits vor langer Zeit ihr Geschäft aufgaben, und Schnappschüsse von Menschen, die längst verstorben sind.

Peter Besgen hatte diese Zeugnisse vergangener Tage schon einige Zeit auf dem Dachboden liegen. Nun stiftete er seine kleine Sammlung dem Verein Gutenberghaus, das "Gedächtnis Bad Honnefs".

Zahlreiche alte Fotografien aus der Zeit der Jahrhundertwende um 1900 und aus den 70er Jahren, alte Geschäftsunterlagen und Kontoauszüge seiner Familie aus der Zeit des Nationalsozialismus - Renate Mahnke, die Gründerin des Vereins, ist sichtlich aufgeregt.

Was für andere unbrauchbare Staubfänger sind, darin sieht sie echten lokalhistorischen Wert: "Da hüpft mein Herz hoch, wenn ich solche alten Schätze sehe", so die Historikerin. "Das ist eine echte Bereicherung für unser Archiv!" Für Peter Besgen war die Entscheidung, die Dokumente zu stiften, eine leichte. "Wer weiß schon, was mit all dem später passiert, wenn ich nicht mehr bin?", erklärt der ehemalige Honnefer. "Nachher werden die ganzen Sachen noch weggeworfen und sind dann für immer weg."

Darum muss er nun nicht mehr fürchten: Sämtliche gestifteten Dokumente werden von sachkundigen Mitarbeitern professionell archiviert und anschließend der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zu den Perlen seiner kleinen Sammlung zählt ein Stapel Zeitungen und Zeitschriften - allesamt Sonderausgaben zum Tode Konrad Adenauers. "Der Vater der Nation ist tot", titelte etwa einst die Boulevardzeitung "Mittag - Zeitung für Rhein und Ruhr". Wenige Monate später wurde ihr Vertrieb eingestellt. Auch Exemplare der Honnefer Volkszeitung, der Bonner Rundschau, der Neuen Revue und des Stern finden sich unter den historischen Schätzen.

Aus heutiger Sicht besonders kurios: das ungemein unhandliche Format der alten Illustrierten. Und wer schon immer einmal mit eigenen Augen sehen wollte, wie die Linzer Straße vor rund vier Dekaden aussah, hat dazu bald ebenfalls im Archiv Gelegenheit: Ein Großteil der gestifteten Bilder zeigt die dortige Häuserfassade vor dem Bau des Weinhauses Besgen in den frühen 70ern. Damals, erinnert sich Peter Besgen, sei man auf der Linzer Straße noch auf Kopfsteinpflaster gefahren: "Und sie war auch noch Autobahnzubringer. Stellen Sie sich mal vor, was da nachts los war!"

Zu guter Letzt findet auch der Stammbaum der Winzerfamilie Besgen seinen Platz im Archiv des Gutenberghauses - allerdings als Kopie: Der 64-Jährige brachte es doch nicht übers Herz, sich von über 450 Jahren dokumentierter Familiengeschichte zu trennen. Denn dieser Stammbaum ist eine wahre Rarität. Der erste von Dutzenden Einträgen lautet: "Wilhelm Besgen, geb. um 1661".

Info: Wer den Verein mit historischen Quellen unterstützen möchte, erreicht Renate Mahnke unter 02224/9870950 oder per E-Mail an info@gutenberghaus.org. Geöffnet hat das Museum über der Buchhandlung Werber derzeit jeden Sonntag von 10 bis 13 Uhr.