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Bad Honnef tanzt: Proben fürs Beethovenfest ab Januar

Bad Honnef tanzt : Proben fürs Beethovenfest ab Januar

Die Proben des Vereins „Bad Honnef tanzt“ zum Beethovenjahr mit insgesamt 140 Schülern und einem Ensemble aus Profitänzern wurden im Frühjahr jäh vom Ausbruch der Corona-Pandemie gestoppt. Nach der unfreiwilligen Vollbremsung gibt der Verein längst wieder Vollgas.

Anna-Lu Masch ist ein Energiebündel, und sie schaut immer nach vorn. Jammern ist ihre Sache nicht. Indes: Beim Thema Corona kann auch sie nicht umhin, tief durchzuatmen. „Das war ein Schock, für den Verein und für das Projekt. Die Proben liefen auf Hochtouren, dann kam der Lockdown“, erzählt sie. Konkret ging es vor allem um das Projekt des Vereins „Bad Honnef tanzt“ zum Beethovenjahr mit insgesamt 140 Schülern und einem Ensemble aus Profitänzern, das eigentlich im Mai auf der Insel Grafenwerth über die Bühne gegangen wäre. Nach der unfreiwilligen Vollbremsung gibt der Verein längst wieder Vollgas, unter Corona-Bedingungen, aber nicht weniger enthusiastisch.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, das gilt auch für das Vorhaben, das in Kooperation mit der Beethoven-Gesellschaft umgesetzt wird: Mit einem Jahr Verspätung soll das Stück im Mai 2021 zu sehen sein; geprobt werden soll ab Januar 2021. Beteiligt sind Kinder aus Grund- und weiterführenden Schulen sowie bis zu zehn Profitänzer. Choreografen sind Anna-Lu Masch als Leiterin und Co-Choreograf Tom Langen. Im Zirkuszelt gibt es dann Hip-Hop, Breakdance & Co. sowie Musik vom „Zille“-Streichquartett aus Berlin – eine sehenswerte Art, den Lebensweg des großen Komponisten „neu“ zu erzählen.

Kulturszene in Existenznöten

Nicht nur für die Kinder, auch für die beteiligten Profis ist die Aussicht auf die Wiederaufnahme der Proben ein Lichtblick. Schließlich steht die Kulturszene in der Pandemie vor größten Herausforderungen. Die Zahl der Freischaffenden wie eben auch Masch und ihre Kollegen ist besonders hoch. Und kein Engagement für Monate, „das kann sehr schnell an die Existenz gehen. So lange man etwas tun kann, aktiv sein kann, geht es noch. Aber der Lockdown war für viele Kollegen extrem“, sagt Masch.

„Ich habe durchgearbeitet, die Konzepte umgestrickt, damit wir auch unter Corona-Bedingungen bald wieder würden starten können“, ergänzt die 32-jährige Mutter von vier Söhnen. Neue Umsetzungsideen zum Beethovenprojekt wurden entwickelt, die Projektarbeit etwa mit Verzicht auf Gruppen- und Patenarbeit und mehr auf die Hygienebedingungen umgestellt. Einen Einschnitt bedeutete Corona auch für die Vereinsfinanzen, da sich der Verein alleine aus Förderung wie von Bund und Land und Sponsorengeldern finanziert. Für das Beethovenprojekt gelte: „Wir sind sehr froh, es gibt mehrere Förderzusagen. Das wird laufen.“

Saal für Benefizgala gesucht

Auch sonst muss es weitergehen in Gelddingen. Noch nicht ganz in trockenen Tüchern ist die Idee, eine Benefizgala für den Verein auf die Beine zu stellen. Denn auch hier gilt: Corona gibt den Takt vor. Genug „Material“ in Form von Stücken, die die Kids aus dem Effeff beherrschen, gibt es. Aber natürlich braucht es einen Saal, in dem genug Platz ist für den nötigen Abstand.

Daran ist laut Masch dennoch nicht zu rütteln: Zur Philosophie von „Bad Honnef tanzt“ gehört, dass es für die Kinder und Jugendlichen kostenfrei ist. „Wir wollen ja gerade die niederschwelligen Angebote machen“, so Masch. Stolz ist sie auch auf die enge Kooperation mit den Schulen: „Wir stehen dafür, dass unsere Projekte im Schul- und Klassenkontext stattfinden. Kreativität ist nicht zu trennen von anderen Inhalten der Bildung. Und es ist toll, wie wir hier von den Schulen unterstützt werden.“ Sie implementierten damit kulturelle Bildung quasi aus sich heraus, ohne dass es in den offiziellen Curricula vorgeschrieben sei.

Wenn es im Januar wieder losgeht mit den Proben für das Beethovenprojekt, wird nicht einfach nahtlos angeschlossen an das abrupte Ende wegen des Lockdowns. Masch: „Wir starten erneut.“ Die Teilnehmer, ist sie sicher, gewännen so sogar noch an Ausdruckskraft und Sicherheit, zudem seien auch neue Kinder und Jugendliche dabei. Das gilt auch für die anderen Projekte des Vereins, so aktuell in Klassenverbänden. „Ich hatte das Projekt schon beantragt, und dann hat es ganz besonders gepasst“, so Masch zu „Schule neu denken“ an Bad Honnefer Schulen. Zusammen mit bildenden Künstlern, Musikern und Filmemachern schufen die Kinder schon sehenswerte Videos; fünf weitere Projektwochen stehen bis Dezember auf dem Programm.

Im Projekt „Was bewegt Dich?“ hingegen wird „der Spieß umgedreht“: In Workshops werden Kinder und Jugendliche gecoacht, um eigene Tanz-Choreografien zu schaffen. Auch hier gelte der Grundsatz: Profis und junge Teilnehmer begegnen sich „immer auf Augenhöhe. Mir geht es um die Begegnung von Menschen.“ Und nicht zuletzt: „Die Corona-Krise hat auch bei den jungen Menschen Spuren hinterlassen. Uns war sofort klar, dass wir jetzt mehr denn je gebraucht werden.“