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Sammler steuern auf einen neuen Rekord zu

Sammler steuern auf einen neuen Rekord zu

2002 ist ein gutes Kastanien- und Eicheljahr - Kinder und Erwachsene haben so viele Früchte geerntet wie nie zuvor - 700 Meter lange Schlange ums Bonner Firmengelände von Haribo

Bonn-Bad Godesberg. Seit vier Stunden steht Irmgard Crispin aus Siegburg mit ihren Söhnen Julian und Fabian und deren Freund Jürgen in der Schlange vor dem Haribo-Gelände. Die Kinder beginnen zwar zu quengeln, doch so kurz vor dem Ziel wollen sie nun doch nicht aufgeben. Rund 90 Kilogramm Eicheln und zehn Kilogramm Kastanien haben die drei mit Freunden gesammelt und in Kisten verstaut.

Schon seit Jahren bedrängten die Kinder sie, zur großen Haribo-Tauschaktion nach Bad Godesberg zu fahren, berichtet die Mutter. In diesem Jahr hat sie sich breit schlagen lassen. Zum Glück für die Kinder, denn die freundlichen Haribo-Mitarbeiter geben ihnen für fünf Kilogramm Eicheln oder zehn Kilogramm Kastanien ein Kilogramm Süßigkeiten: Goldbärchen, Lakritz und andere Süßigkeiten.

Als 1936 die erste Kastanien-Tauschaktion von Haribo stattfand, richtete sich diese vornehmlich an Kinder aus Friesdorf und Kessenich. Heute reisen sogar Familien aus Belgien, den Niederlanden und aus Bayern mit Tauschgut an. Mehr als 700 Meter lang war am Donnerstagnachmittag die Schlange rund um das Haribo-Gelände. In Kisten, Taschen und Säcken, in Einkaufswagen und Hubwagen waren die Kastanien und Eicheln verstaut.

"So viele wie noch nie", sagt Firmensprecher Marco Alfter, vermutlich weil es in diesem Jahr extrem viele Eicheln und Kastanien gibt. Gegen 14 Uhr hatten bereits mehr als 5 000 Menschen rund 75 Tonnen Kastanien und 18 Tonnen Eicheln abgegeben. Bei der Sammelaktion im vergangenen Jahr waren es insgesamt 115 Tonnen Kastanien und 40 Tonnen Eicheln. Je Person dürfen nur 50 Kilogramm abgegeben werden. Dieses Limit habe Haribo vor fünf Jahren eingeführt, als jemand mit einem mit mehreren Tonnen Kastanien beladenen Lastwagen angekommen war, berichtet Alfter.

Mehr als 200 Kilogramm haben die Kinder von Claudia Fountoukakis und ihren Freunden aus Köln-Deutz gesammelt. Sie sind schon zum vierten Mal dabei. "Und bestimmt nicht das letzte Mal", sagt Frau Fountoukakis, obwohl sie noch nie so lange in der Schlange gestanden hätten wie diesmal. Auch schon zum dritten Mal dabei ist Familie Reif aus Xanten, die mit zwei Einkaufswagen angerückt ist. Hauptsächlich Eicheln haben sie gesammelt - sie, das heißt, Oma und Opa. Aber die drei Enkel Daniel, Florian und Julian haben natürlich auch geholfen. "Es kommen auch Eltern, die selbst schon als Kinder dabei waren", berichtet Alfter.

Doch die Aktion nützt nicht nur den Kindern: Firmengründer Hans Riegel startete die Aktion in den 30er Jahren, um das Wild in seinem Jagdrevier in Österreich im Winter mit Nahrung zu versorgen. Heute werden daneben zahlreiche Tierparks in der weiteren Umgebung mit den Wildfrüchten beliefert. Und auch der gewünschte Werbeeffekt für Haribo bleibt nicht aus: Am Ausgang des Werksgeländes an der Friesdorfer Straße singen Freude strahlende Kinder "Haribo macht Kinder froh."

Der Tausch wird am Freitag um 7 Uhr fortgesetzt und gegen 16 Uhr abgeschlossen.