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Schließung von Geburtshilfe in Bad Honnef: Antwort von Minister Laumann

Trotz Schließung der Geburtshilfe Bad Honnef : Gesundheitsministerium sieht Versorgung von Gebärenden gesichert

Gut ein halbes Jahr ist es her, dass die Geburtshilfe im Bad Honnefer Krankenhaus geschlossen wurde. Die Antwort des NRW-Gesundheitsministers Karl-Josef Laumann auf eine Resolution des Kreistages fällt ernüchternd aus.

Fast vier Monate sind vergangen, seit der Kreistag des Rhein-Sieg-Kreises eine Resolution gegen die Schließung der Geburtshilfe im Bad Honnefer Cura-Krankenhaus auf den Weg gebracht hat. Reichlich Zeit eigentlich, sich auch im Ressort von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann eingehend mit der wichtigen Materie zu befassen. Die Antwort, die Landrat Sebastian Schuster und über ihn die Kreistags-Fraktionen jetzt erreicht hat, ist „ernüchternd“, wie die SPD-Kreistagsfraktion mitteilt. Mit dieser Einschätzung dürfte sie alles andere als alleine stehen. Die Schließung der Geburtshilfe in Bad Honnef gefährde nicht die Versorgung der Gebärenden, heißt es aus Düsseldorf. Die nächste Geburtshilfe müsse mit dem Auto in 40 Minuten Fahrzeit erreichbar sein - und das sei gegeben, so der Minister.

Vorübergehende Schließung über den Jahreswechsel

Wie mehrfach berichtet, hatte die zunächst vorübergehende Schließung von Kreißsaal und Geburtshilfe in Bad Honnef Ende 2020 einigen Staub aufgewirbelt. Werdende Eltern und Hebammen machten mobil, Unterschriften wurden gesammelt. Doch nichts half: Wenig später kam die Nachricht, dass die Abteilung am 1. Februar endgültig dicht gemacht wird. Die Geschäftsführung der GFO-Kliniken Bonn nannte ein Defizit der geburtshilflichen Abteilung von 700 000 Euro jährlich als Grund, das nach Umsetzung des neuen Tarifabschlusses auf 1,2 Millionen Euro steigen werde.

Für werdende Eltern bedeutet die Schließung, dass sie auf Kliniken in Bonn oder Troisdorf ausweichen müssen - vor allem dann, wenn sich ein Baby zu schnell auf den Weg macht oder es unter der Geburt zu Komplikationen kommt, ein (zu) langer Weg, so die Kritik. Kein Problem sieht darin Minister Laumann. Zwar äußert der Ressortchef Verständnis dafür, dass die Schließung „die Menschen, insbesondere im östlichen Rhein-Sieg-Kreis, besorgt“. Jedoch: In ihrer Entscheidung seien die Krankenhausträger frei.

Laumann: Versorgung gesichert

Die Versorgung sei durch benachbarte Krankenhäuser gesichert; Bezirks- und Landesregierung hätten dies abgeprüft und orientierten sich an einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses. Der besage, dass eine flächendeckende Versorgung in der Geburtshilfe als gefährdet einzustufen sei, „wenn die Pkw-Fahrzeit mehr als 40 Minuten zur nächstgelegenen Geburtshilfe beträgt. Dies gilt für städtische und ländliche Regionen gleichermaßen“, so Laumann.

Die Regel sei eine „verlässliche Vorgabe zur Erreichbarkeit in der Geburtshilfe“ und Grundlage für die Krankenhausplanung. Laumann: „Auf dieser Grundlage ist die geburtshilfliche Versorgung im Rhein-Sieg-Kreis auch gesichert, nachdem die Geburtsstation am Cura-Krankenhaus in Bad Honnef geschlossen wurde.“ Mit dem Uni-Klinikum Bonn, dem Johanniterkrankenhaus Bonn, den GFO-Klinken Troisdorf, Betriebsstelle Sankt Johannes in Sieglar, und dem Gemeinschaftskrankenhaus Bonn, Betriebsstelle Sankt Elisabeth, seien „Kliniken in der Umgebung, welche die geburtshilfliche Versorgung übernehmen und sicherstellen“.

500 Geburten in Bad Honnef pro Jahr

Versorgungsengpässe in der Region seien nicht bekannt. Laumann an die Adresse des Kreistages: „Ich stimme ihnen zu, dass ökonomische Überlegungen sowie der allgemeine Fachkräftemangel im Bereich der Pflege und der Hebammen manche Zusammenlegungen beschleunigen können.“ Im Fall Bad Honnefs „soll die Verlagerung zudem dem Abbau doppelt vorgehaltener Versorgungsstrukturen dienen“. Das Cura-Krankenhaus habe mit knapp 500 Geburten im Jahr zu den kleinen Geburtshilfen im Land gehört; größere Strukturen könnten dem allgemeinen Personalmangel aber besser begegnen. Von der Gründung des Vereins „Geburtshilfe und Familiengesundheit“ in Bad Honnef  erhofft sich Laumann zudem „wichtige Impulse für die geburtshilfliche Versorgung in der Region“.

SPD: Dem Minister fehlt es an Empathie

Das alles mag Denis Waldästl, Chef der SPD-Kreistagsfraktion, nicht stehen lassen. .„Herr Minister Laumann und sein Ministerium scheinen die Verkehrssituation in unserer Region nicht zu kennen oder bewusst zu ignorieren. Gleichzeitig fehlt dem Minister die Empathie für die Sorgen der Familien wohnortnah ihr Kind auf die Welt bringen zu können“, teilt Waldästl mit. Und: „Viele Eltern wünschen sich eine wohnortnahe, familiäre Umgebung für die Geburt ihres Kindes und nicht die Anonymität eines großen Krankenhauses. Statt das Kernproblem zu lösen, wird mit der Zentralisierung versucht, ein krankes Gesundheitssystem am Leben zu halten.“