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SIebengebirge: Hausärzte kommen mit dem Impfen nicht hinterher

Corona-Impfungen im Siebengebirge : Hausärzte kommen mit dem Impfen nicht hinterher

Zwei Ärzte aus dem Siebengebirge berichten über die enorme Belastung durch die hohe Nachfrage nach dem Corona-Impfstoff. Beschimpfungen seien keine Seltenheit.

Zur Zeit der Corona-Impfungen einen Hausarzt zu erreichen, gleicht einer echten Herausforderung. Bei vielen Ärzten ist das Telefon durchgehend besetzt, teilweise wird über eine Ansage gebeten, sich per E-Mail zu melden. „Wir mussten uns ein Praxishandy anschaffen, um Patienten noch selbst anrufen zu können“, erzählt Thomas Hoffmann. In seiner Praxis in Heisterbacherrott impfen der Mediziner und sein Team an zwei Tagen in der Woche rund 100 Menschen. Zwei seiner vier Mitarbeiterinnen seien seit Start der Impfkampagne mit nichts anderem beschäftigt, als Impftermine zu koordinieren und zu organisieren.

„Natürlich ist es gut, dass sich so viele impfen lassen“ so Hoffmann. „Aber wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir unsere psychischen und physischen Grenzen erreichen.“ Insbesondere sein Personal sei überlastet. Dazu kommt: Durch die beginnenden Zweitimpfungen herrscht seit dieser Woche Impfstoffmangel für Erstimpfungen, BionTech-Erstimpfungen sind daher kaum lieferbar.

AstraZeneca gibt es hingegen ausreichend, doch Hoffmann impft diesen nur ungern jüngeren Menschen. Somit steht er vor einem logistischen Problem. Die Über-70-Jährigen sind fast komplett geimpft, für jüngere Patienten fehlt momentan der Impfstoff. Er müsse immer wieder Menschen abweisen oder vertrösten. „Wir würden gerne mehr impfen, aber dann haben wir weniger Kapazitäten für unsere Patienten“, beschreibt er das Dilemma.

Immer wieder habe er auch mit Anfeindungen und Beschimpfungen von Patienten zu tun, die sich beschweren, dass sie noch keinen Impftermin haben. Wie seine Praxis den als noch größer erwarteten Ansturm stemmen soll, wenn ab 7. Juni die Impfpriorisierung komplett aufgehoben wird, weiß er noch nicht. „Ich habe Angst, dass dann alles zusammenbricht.“

Auch die Bad Honnefer Praxis von Klaus Weckbecker und Rolf Straub ist mehr als ausgelastet. Vier Ärzte, fünf medizinische Fachangestellte und mehrere Medizinstudenten impfen hier fast rund um die Uhr. „Es ist eine sehr arbeitsreiche Zeit, aber wir freuen uns, dass wir impfen können“, meint Weckbecker. Da seine Praxis eine Corona-Schwerpunktpraxis ist, können hier bis zu 200 Menschen am Tag geimpft werden, teilweise auch samstags. Weckbecker hat weniger mit Beschimpfungen und hartnäckigen „Impfdränglern“ zu tun. Stattdessen komme es immer wieder vor, dass Über-60-Jährige den AstraZeneca-Impfstoff aus Angst vor Nebenwirkungen nicht wollen und stattdessen beispielsweise BionTech fordern. Dafür hat er wenig Verständnis. „Das ist ein verdammt guter Impfstoff“, so Weckbecker. Für Ältere sei er uneingeschränkt zu empfehlen. „Die Kommunikation zur Risikobewertung war leider etwas unglücklich.“

Auch für seine Praxis ist die Planung der Impftermine aufgrund der beginnenden Zweitimpfungen zur Zeit sehr schwierig. „Wir wissen nicht, wie viel Impfstoff wir in einer Woche geliefert bekommen.“ Er hofft, dass in Zukunft die Praxen der Allgemeinmediziner gestärkt und besser ausgestattet werden. „Man merkt eben: Wenn es wirklich brennt, brauchen wir die Hausärzte.“