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Hommage an Walther Kniebe in Bad Honnef: Skulptur „Die Fliehende“ steht nun am Rathausplatz

Hommage an Walther Kniebe in Bad Honnef : Skulptur „Die Fliehende“ steht nun am Rathausplatz

Von 1935 bis 1970 lebte der Künstler Walther Kniebe in Bad Honnef. Im Mucherwiesental fand der Künstler, dessen Werk für die Nationalsozialisten als „entartet“ galt, ein Refugium. Der Kunstraum Bad Honnef zeigt Werke des Künstlers - und eine Skulptur ziert neu den Rathausplatz.

Ein neues Kunstwerk schmückt den Rathausplatz. Der Verein „Mucherwiese“, der sich um den umfangreichen Nachlass des Bildhauers und Malers Walther Kniebe kümmert, schenkte dem Verein zur Förderung von Kunst und Kultur in Bad Honnef einen Bronzeabguss von dessen Werk „Die Fliehende“. Im Beisein von Kniebes Enkeltochter Maria Sohni aus Konstanz enthüllten Vereinsvorsitzender Peter Krüger, Bürgermeister Otto Neuhoff sowie die Vorsitzende des Fördervereins Cornelia Nasner und Geschäftsführer Werner Osterbrink die Skulptur, die vor der Westseite des Kunstraums ihren Platz erhielt.

Ausstellung zum 50. Todestag

Die Freude über dieses Geschenk war groß. Mit ihm findet sich ein Zeugnis von Walther Kniebes reichem Schaffen in jener Stadt, in der er von 1935 bis zu seinem Tod am 13. Oktober 1970 lebte. Aus Anlass seines 50. Todestages wurde außerdem im Kunstraum eine Ausstellung eröffnet, zu der Professor Lars Ulrich Schnackenberg, der die Schau auch konzipiert hatte, und Professor Dieter Ronte die Arbeit Kniebes würdigten.

Refugium im Mucherwiesental

Die 75 Zentimeter hohe Original-Ton-Skulptur „Die Fliehende“ aus dem Jahr 1921 ist Bestandteil dieser Präsentation mit grafischen und plastischen Arbeiten. Teilweise entstanden sie in Honnef, wo der gebürtige Dortmunder, Jahrgang 1884, mit Freunden 1935 ein Anwesen im Mucherwiesental erworben hatte. In politisch bedrohlicher Zeit widmeten sie sich dort künstlerischen, sozialen und landschaftspflegerischen Aufgaben im Sinne der Anthroposophie Rudolf Steiners. 1986 vertrauten die Erben die Mucherwiese einem Verein an. Kniebe, der sich als Einzelgänger fühlte, war schon bekannt, als sein Werk von den Nationalsozialisten als entartet verfemt und gegen den Bildhauer ein Arbeitsverbot verhängt wurde. So musste er sein Atelier in Radebeul aufgeben und fand Zuflucht im Mucherwiesental – hier arbeitete er bis zu seinem Tode.

Hauptwerk wurde zerstört

Kniebes Leiden ist nur zu erahnen. 1940 zerstörten die Nazis sein Hauptwerk, das Friedensdenkmal „Michael Hilf“ in Rheydt. „Es wurde Metall für das Töten benötigt“, schreibt Professor Schnackenberg im Ausstellungskatalog. An einem Abend begab sich Kniebes mit einem Beil zum Honnefer Güterbahnhof. Hier stand bereits seit Jahren ein Waggon, in dem Teile seiner plastischen Arbeiten weggesperrt waren. „Er brach die Tür auf, schlug zu und zerstörte seine Skulpturen, Freunde retteten, was zu retten war“, so Schnackenberg. Ein Männerkopf in der Ausstellung, abgeschlagen am Hals, ist Zeugnis dieser Verzweiflung. An der östlichen Stirnseite des Kunstraums hängt ein Corpus aus Birkenholz, 1918 geschaffen, aus im Schützengraben gefundenem Holz. Peter Krüger: „Die Skulptur war verschollen, wurde unterm Dach entdeckt.“ Begleitet wird diese bemerkenswerte Arbeit von dem graphischen Zyklus „Blätter vom Krieg“ auf der einen Seite und einem Zyklus großformatiger Kohlezeichnungen aus dem Jahr 1939.

Holzschnitte unter verschiedenen Zyklen-Titeln, bisher selten gezeigt, dürfen zu den bedeutendsten Werken des Künstlers gehören, in denen er Emotion und Sinnlichkeit ausdrückt. Auch interessant sind die Lithografien und Pastell-Kreidezeichnungen aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Übergang zu den Farben? Auf dem Speicher warten noch 80 Ölbilder auf ihre Archivierung. Stoff genug für weitere Ausstellungen.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 1. November, im Kunstraum zu sehen. Öffnungszeiten: donnerstags und freitags, 16 bis 19 Uhr, samstags und sonntags, 11 bis 16 Uhr.