Flutkatastrophe als Weckruf Stadt Bad Honnef wird von Klima- und Umweltbeirat beraten

Bad Honnef · Die Jahrhundertflut an der Ahr und anderen Teilen der Region hat es einmal mehr deutlich gemacht: Fragen, wie dem Klimawandel und seinen Folgen begegnet werden kann, sind drängender denn je. Umgesetzt werden muss das alles in den Kommunen, sagt Wiltrud Terlau, Vorsitzende des Klima- und Umweltbeirates in Bad Honnef. Und einfach werde das gewiss nicht.

 Der Klimawandel wird greifbar, auch vor der eigenen Haustür: Im Schmelztal waren 2019 rund zwei Drittel des Fichtenbestands vom Borkenkäfer befallen und wurden gefällt.

Der Klimawandel wird greifbar, auch vor der eigenen Haustür: Im Schmelztal waren 2019 rund zwei Drittel des Fichtenbestands vom Borkenkäfer befallen und wurden gefällt.

Foto: Frank Homann

Die Bilder hatten schon etwas von der Apokalypse. Verdorrte Wälder, Kahlschlag überall dort, wo sonst undurchdringliches Grün zu sehen war: Wer im Sommer 2019 durchs Bad Honnefer Schmelztal fuhr, dem war es, als halte uns die Landschaft den Spiegel vor. Der Klimawandel droht nicht, er ist da. Hehre Ziele, ihm zu begegnen, gibt es reichlich. Rio, Kyoto, Paris: In internationalen Abkommen wird immer wieder betont, wir müssen runter beim CO2. Schön und gut. „Aber vor Ort wird es Flutimmer konkret. Umsetzen müssen das insbesondere die Kommunen und jeder einzelne von uns“, sagt Professorin Wiltrud Terlau. Da ist man besser gut beraten. Dafür sorgt in Bad Honnef seit 2020 der Klima- und Umweltbeirat.

Flut an der Ahr hat die Menschen aufgeweckt

„Nachhaltige Entwicklung findet letztlich immer vor Ort statt“, sagt Terlau, Leiterin des Internationalen Zentrums für Nachhaltige Entwicklung (IZNE) an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg am Campus Sankt Augustin, die den Vorsitz des beratenden Gremiums inne hat. Die Flut an Ahr, Swist und Erft war so etwas wie der dramatische Weckruf. Terlau: „Dieses Extremereignis hat alle wachgerüttelt.“ Aber: Es zeigt in bislang ungekanntem Ausmaß, dass es Risiken gibt, denen es zu begegnen gilt. Denn treffen kann es jeden überall.

Starkregenereignisse werden zunehmen, davon gehen alle Experten aus. Wie hier 2013 kann es auch Bad Honnef treffen. Der Klima- und Umweltbeirat berät auch hier in Sachen Vorsorge.

Starkregenereignisse werden zunehmen, davon gehen alle Experten aus. Wie hier 2013 kann es auch Bad Honnef treffen. Der Klima- und Umweltbeirat berät auch hier in Sachen Vorsorge.

Foto: Frank Homann

Gebäude und versiegelte Flächen müssen auf den Prüfstand

„Unsere Städte müssen sich anders aufstellen. Gebäude und versiegelte Flächen müssen auf den Prüfstand“, sagt Terlau. Es braucht mehr Grün, mehr Bäume und naturnahe Gewässer, weniger Asphalt und Beton – ein Muss für Böden, Pflanzen, Tiere und auch für den Menschen, denn Hitzeperioden schaden der Gesundheit, kosten Menschenleben. „Stadtplanung ist auf Jahrzehnte ausgerichtet“, so Terlau. Wann immer also gebaut wird, müssen Klimaschutz und Klimaanpassung von Anfang an mitgedacht werden – ein Paradebeispiel für „positive Einmischung“ übrigens der Experten. „Wir müssen mittendrin dabei sein, unsere Expertise muss gefragt sein“, macht Terlau klar.

Wie „positive Einmischung“ im Kleinen, das immer Teil des großen Ganzen ist, aussehen kann, dafür gibt es schon Beispiele. So war und ist das Gremium involviert, wenn es um bessere Verbindungen für Radfahrer, konkret hier: die Bergmarken im Mucherwiesental, geht, oder auch bei einer Online-Veranstaltung zum Thema Starkregen. Und es wurden schon Bachelorarbeiten zu verschiedenen Themen vergeben und vorgelegt. Neben zwei Arbeiten zum Thema Schwammstadt – einem Konzept der Stadtplanung, anfallendes Regenwasser lokal aufzunehmen und zu speichern, anstatt es zu kanalisieren und abzuleiten und so letztlich Überflutungen bei Starkregen zu vermeiden – stand auch ein Konzept für einen eigenen Bad Honnefer CO2-Rechner per App im Fokus.

Weniger Versiegelung oder Platz zum Beispiel für natürliche Bachläufe – wie eben an Anna-, Oh- und Möschbach, die aktuell in den Bachgesprächen Thema sind - sind das Ziel. Allerdings: Es ist und bleibt ein Spannungsfeld, weiß Terlau. Denn beipielsweise mehr benötigter und gebauter Wohnraum – versiegelt natürlich wieder mehr Boden. „Einfach wird das alles nicht“, sagt Terlau. Zielkonflikte müssten konsequent aufgelöst, sicher auch Kompromisse gefunden werden.

„Müssen arbeiten mit dem, was da ist“

Und dann wäre da noch der Status quo: „Die Städte sind ja gebaut, wir müssen zum Teil mit dem arbeiten, was schon da ist, können nicht alles neu denken“, sagt Terlau. Besser spät denn nie, möchte man meinen. „Innovative Ideen“ sind gefragt, um Bestehendes umwelt- und klimagerechter zu gestalten. Fassadenbegrünung, das Nachpflanzen von Bäumen, die Schatten spenden, selbst helle Farben für Gebäude und Wasserspender auf öffentlichen Plätzen gehören dazu: Teile eines Mosaiks, das auch etwas mit Bewustseinwandel zu tun hat.

Ebenso braucht es Energiekonzepte für öffentliche Gebäude und vieles mehr, auch hier sind die Experten einzubinden. „Das wird jedoch nicht ausreichen. Es wird auch einer Vorsorge in Beton und Stahl wie Dämme und Regenauffangflächen bedürfen.“ Effiziente Frühwarnsysteme, das hat die Ahrflut deutlich gemacht, sind wichtig. Und nicht zuletzt: Das alles kostet Geld, es braucht „entsprechend gut ausgebildetes Personal“ und Material. Terlau: „Das bedeutet Kosten und Zeit.“

„Bad Honnef ist sehr aktiv und mit Leidenschaft dabei, die Dinge auf den Weg zu bringen, unter Beachtung der Besonderheiten von Berg und Tal und auch der Demografie“, sagt Terlau. Und sie ergänzt: „Die Menschen müssen es umsetzen. Am Ende sind wir alle gefragt. Deshalb sind Kooperation, Dialog und Kommunikation so immens wichtig.“ Damit die Fragen des Klimaschutzes in der DNA verankert werden.

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