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Modellflugtag in Eudenbach: Stelldichein bei Windstärke fünf

Modellflugtag in Eudenbach : Stelldichein bei Windstärke fünf

Es war alles andere als ein laues Lüftchen, das am Sonntag über das Flugplatzgelände bei Eudenbach wehte.

Vielmehr zeigte die rot-weiß gestreifte Windhose am Vereinsheim der Modellfluggruppe strammen Wind aus nordwestlicher Richtung an – es war nicht gerade das Wetter, das sich die knapp 100 Vereinsmitglieder für ihren alljährlichen Modellflugtag gewünscht hätten.

Tatsächlich mussten viele kleinere Modellflugzeuge aus Sicherheitsgründen am Boden bleiben. Vor allem die „Schaumwaffelpiloten“ hatten das Nachsehen: Es bestand die Gefahr, dass ihnen ihre leichten Flieger aus Styropor im wahrsten Sinne des Wortes fliegen gehen. Stattdessen war es der Tag der großen „Brummer“: Maschinen wie zum Beispiel die „Suchoi SU 26 MX“ von Steffen Kirchhof machten auch Windstärke fünf nicht viel zu schaffen.

Der rot lackierte Flieger mit mehr als drei Metern Spannweite bringt ein stolzes Startgewicht von 23 Kilogramm auf die Waage. Ein 250 Kubik starker Motor befördert die Suchoi sicher in die Luft. „Das entspricht dem Wert von fünf Mofas“, erklärt der stolze Besitzer. Ihn ließen die Böen am Sonntag daher kalt: „Je größer der Flieger, desto einfacher für den Piloten. Je kleiner die Modelle, desto zappeliger sind sie.“

Besonders stolz ist Kirchhof darauf, dass sein Flugzeug genau wie das Original über einen Sternmotor verfügt. Kein Originalvorbild hat indes der schwarz-gelbe Jet, den Dirk Bende in zweimonatiger Tüftelei aus einem Bausatz zusammengebastelt hat. Das Besondere steckt im Innern: Eine echte Flugzeugturbine beschleunigt den Jet auf bis zu 400 Stundenkilometer. „Ich schätze, er ist der schnellste Flieger auf dem Platz“, sagt Bende, der nicht nur Modelle, sondern auch echte Flugzeuge steuert.

Die Leistung, die in einem solch pfeilschnellen Modell steckt, erfordert vom Piloten nicht nur viel Können, sondern vor allem Disziplin: „Sonst hat man schnell teure Bruchstücke in der Erde stecken.“ Der Anschaffungspreis für ein Modellflugzeug aus der Profiliga erreicht nämlich durchaus den Betrag, den man für einen Kleinwagen hinblättern muss.

„Manch ein Besucher glaubt ja, es handelt sich hier um eine Art Spielzeugausstellung“, schmunzelt Klaus Bachmann, Pressesprecher der Fliegergruppe. „Das Bild relativiert sich spätestens, wenn man erfährt, wieviel Technik in so einem Modell steckt.“ Den Traum vom Fliegen kann man sich allerdings auch mit einem kleineren Budget erfüllen. Startermodelle wie etwa die „Schaumwaffeln“ aus Styropor mit Elektromotor sind schon fast zum Taschengeldpreis zu haben, sind also auch für jugendliche Hobbypiloten bezahlbar.

Auf die Ausbildung des Nachwuchses legt die Modellfluggruppe denn auch besonderen Wert. „Modellfliegen ist nichts, was man an einem Wochenende lernt“, so Bachmann. Etwa einen Sommer regelmäßiges Üben ist notwendig, um einen Flieger sicher durch die Luft zu manövrieren. Hinzukommen die Wintermonate, um das eigene Modell zusammenzubasteln – es sei denn, man erwirbt ein fertiges Gebrauchtflugzeug.

Ganz gleich ob Bastelfreak oder nicht – alle Vereinsmitglieder eint die Begeisterung für Flugzeuge und Fliegerei, aber auch für die Technik, die dahinter steht. Den Besuchern des Modellflugtages wurde am Sonntag auch ein Querschnitt durch die Luftfahrtgeschichte geboten: Nachbauten aus den Anfängen der Fliegerei waren ebenso zu bestaunen wie moderne Düsenjets und Helikopter. Das Modell der Sikorsky 538 zum Beispiel ist so ein Stück Historie.

Der Doppeldecker mit Zebramuster auf den Flügeln, die es auf eine Spannweite von insgesamt vier Metern bringen, wurde im Original in der Vorkriegszeit gebaut. Wer beim Pfingstflugtag Lust bekommen hat, selbst mal ein Modellflugzeug zu steuern, hat dazu am Samstag, 10. Juli, Gelegenheit. An diesem Tag lädt die Modellfluggruppe alle großen und kleinen Flugzeug- und Technikfans zum Jedermannfliegen ein.

Infos zum Verein gibt es unter www.mfg-eudenbach.de.