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Festival Bad Honnef tanzt: Tänzer setzen Beethoven ein Denkmal

Festival Bad Honnef tanzt : Tänzer setzen Beethoven ein Denkmal

140 Schüler aus sechs Bad Honnefer Schulen setzten bei „Beethoven@Bad-Honnef tanzt“ die Lebensgeschichte des Bonner Komponisten geschickt in Szene. Weotere Aufführungen im Zirkuszelt an der Endhaltestelle der Stadtbahnlinie 66 sind geplant.

Beethoven, Blumen, Beifall, Bravo-Rufe – das Premieren-Publikum war baff: Die Zuschauer waren ja schon mit hohen Erwartungen zur Aufführung von „Beethoven@Bad-HonnefTanzt“ in das Zirkuszelt an der Endhaltestelle der Stadtbahnlinie 66 eingetreten. Aber nach dem „Hereinspaziert“ erwartete sie eine spektakuläre Schau der großen und kleinen Künstler um Anna-Lu Masch. Und die Begeisterung kannte keine Grenzen.

Zum Beethoven-Geburtstag hatte die Initiatorin von „Bad Honnef tanzt“ in diesem Jahr wahrlich alle Register gezogen, um dem Komponisten zu huldigen.

Endlich war es nun soweit: Im Rahmen des nachgeholten Beethoven-Festivals Bad Honnef konnte nun auch das „getanzte Leben“ des berühmten Bonner Sohnes aufgeführt werden. 140 Schüler zwischen sieben und 17 Jahren aus sechs Honnefer Schulen waren am Start – coronabedingt wurde das große „Starterfeld“ geteilt und insgesamt sind vier Aufführungen angesagt.

Perfekte Geschichte, geschickte Choreographie

Eine perfekte Geschichte und geschickte Choreographie durch Anna-Lu Masch und ihren Co-Choreographen Tom Langen, einem international tätigen Künstler, machte das Leben Beethovens greifbar. Weiße Schuhe standen paarweise auf der Tanzfläche unter der Zirkuskuppel, während das Zille-Quartett aus Berlin die Instrumente zum ersten Mal erklingen ließ.

Auch das eine Premiere: Noch nie hatte „Bad Honnef tanzt“ ein eigenes Live-Ensemble. Extra für dieses Tanztheater hatte Komponist Björn Jentsch vom Streichquartett Nr. 7 in F, Opus 59/1 eine moderne Fassung entwickelt – und somit eine Neuinterpretation des Werkes.

Schließlich kamen Gruppe für Gruppe Tänzer auf die Bühne, schlüpften in ihre weißen Schuhe – der Tanz durch das Beethoven-Leben begann. Mit dabei: ein eigens gegründetes Profi-Tanzensemble, dessen Mitglieder für die Schüler große Vorbilder waren, die aber sichtbar auf Augenhöhe mit dem Nachwuchs über die Tanzfläche „schwebten“ und die Eleven förmlich zu Höchstleistungen anspornten. Die Eltern waren sichtlich stolz auf das, was ihre Kinder leisteten – an der Seite von echten Profis ihres Fachs.

Hommage mit Rapmusik

Eine schönere Hommage an Beethoven hätte er sich wohl selbst nicht wünschen können. Das Tanzstück „Beethoven@BadHonnefTanzt“ verdeutlichte aber nicht nur seine Lebensthemen mit allen Facetten, sondern übertrug sie auf die heutige Lebenswelt. Dann war auch schon mal Rapmusik der Gegenwart angesagt. Im Spannungsfeld zwischen zeitgenössischem und urbanem Tanz sowie professioneller Kunst und kultureller Bildung bewegte sich die Performance.

Alle waren in Weiß gekleidet, arbeiteten mit roten Tüchern, dem Rot von Beethovens Halstuch nachempfunden, und mit weißbestäubtem Haar wie die Locken des Meisters auf seinem Porträt, das auch vor dem Zelt in Licht getaucht war.

Die leidvolle Kindheit Ludwigs, der unter dem Druck zum Üben des Vaters litt, wurden dem „Höher, Besser, Schneller“ von heute gegenübergestellt. Beethovens Welt war im Umbruch, es herrschte Revolution. Rebellion, Kampf und Niederschlag waren sogar im Wortsinne auf der Bühne zu beobachten.

Die unerreichbare Liebe, die Suche nach Freiheit und Freude wurden ebenfalls geschickt dargestellt – Tänzer auf roten Kisten reckten sich die Arme entgegen, konnten aber nicht zueinander finden. Aus Beethovens Lebensgeschichte wurde ein Rap. Der Zusammenhalt – ein Thema der Neuzeit.

Leben in der Stille

Schließlich der Abschluss: Beethovens Leben in der Stille durch Gehörverlust. Besonders originell: der Einsatz von fünf weißen Bändern, an dessen sternförmig angeordneten Enden jeweils ein Kind zog. Schließlich wurden die Bänder als Notenlinien quer über die Fläche gespannt und „Noten“ tanzten durch die Linien.

Musik nicht hören können – das Trauma des Komponisten. „Ich werd‘ verrückt!“, soll er gesagt haben. Das Eingeschlossensein verdeutlichte eine Video-Animation und -Projektion – Aufnahmen von Tänzern aus der Homeschooling-Zeit wurden dafür präpariert und an der in Kästen aufgeteilten Stirnseite des Zeltes immer schneller bewegt. Was bleibt von Beethoven? Im Theater wurde der rote Teppich ausgerollt – und alle Tänzer reihten rundherum ihre Schuhe auf. Und der Schlusspunkt? Nach der Hommage an Beethoven feierte das Premierenpublikum die aktuellen Bühnen-Helden.