Zeitzeuge stirbt mit 99 Jahren in Bad Honnef Trauer um den Ex-Soldat Jürgen Tegethoff, dem die Versöhnung so sehr am Herzen lag

Bad Honnef/Heisterbacherrott · Der frühere Panzerkommandant während der Ardennenschlacht im Zweiten Weltkrieg aus Königswinter setzte nach dem Krieg viele Zeichen der Versöhnung – etwa bei Treffen mit amerikanischen Veteranen. Ferner hielt er viele Vorträge als Mahnung gegen Krieg und er engagierte sich im Friedensmuseum in Remagen.

Weltkriegsveteran Jürgen Tegethoff (links) blättert zusammen mit seinem amerikanischen Freund Andrew Denison in einem Buch mit Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg.

Weltkriegsveteran Jürgen Tegethoff (links) blättert zusammen mit seinem amerikanischen Freund Andrew Denison in einem Buch mit Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg.

Foto: Frank Homann

Der Königswinterer Jürgen Tegethoff, der sich durch seine Versöhnung mit amerikanischen Weltkriegssoldaten einen Namen gemacht hat, ist am Samstag im Alter von 99 Jahren gestorben. Der ehemalige Wehrmachtssoldat, der in Königswinter aufwuchs und später viele Jahrzehnte in Heisterbacherrott lebte, verbrachte seine letzten Lebensjahre in der Bad Honnefer Parkresidenz.

Im Dezember 2019 hatte Tegethoff an den Feierlichkeiten „75 Jahre nach der Ardennenschlacht“ in belgischen Bastogne teilgenommen. Ein Jahr zuvor war er erstmals mit den Feinden von einst, den amerikanischen Soldaten, zusammengetroffen. Bei Coca-Cola, Sauerkraut und Bier begegneten sich der Deutsche und die Amerikaner. Dabei entstanden neue Kameradschaften.

Zeitzeuge Jürgen Tegethoff aus Königswinter als junger Offizier

Zeitzeuge Jürgen Tegethoff aus Königswinter als junger Offizier

Foto: Frank Homann

Die früheren Gegner begrüßten den Deutschen mit den Worten „The Kingtiger-Commander is coming!“ Im Winter 1944/45 war er als Kommandant in den Ardennen auf einem „Königstiger“-Panzer zum Einsatz gekommen. Zum Abschied erhielt Tegethoff von den US-Veteranen den Spitznamen „German Gentleman“. Als Zeichen des Friedens pflanzten der Deutsche und die Amerikaner in Bastogne einen Nussbaum. Als Zeitzeuge sprach Tegethoff in den Jahren danach immer wieder an Schulen und setzte sich für die Versöhnung ein – ebenso engagierte sich der frühere Offizier für das Friedensmuseum in Remagen.

Jürgen Tegethoff reichte seinen früheren Feinden die Hand

Nach dem Krieg hatte Tegethoff Jura studiert, wurde Richter am Bonner Landgericht und später ein hoher Beamter im Verteidigungsministerium. Den Wunsch seines 1967 verstorbenen Schwiegervaters Wilhelm Bachem, die Steinbrüche der Familie im Siebengebirge zu übernehmen, schlug er aus. Den Familiensitz, das Haus Bachem, verkaufte er in den 1980er Jahren an die Stadt Königswinter. Heute befindet sich in dem Gebäude der Dienstsitz von Bürgermeister Lutz Wagner.

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