1. Region
  2. Siebengebirge
  3. Bad Honnef

Flüchtlingsunterkünfte: Turnhallen sind nicht mehr tabu

Flüchtlingsunterkünfte : Turnhallen sind nicht mehr tabu

Der Druck steigt: In kurzer Zeit ist die Zahl der Flüchtlinge in Bad Honnefer Übergangsquartieren um 16 auf aktuell 192 angestiegen. Damit, teilt die Verwaltung in ihrer Vorlage zum Sozialausschuss am kommenden Mittwoch mit, sind die Kapazitäten erschöpft.

Was die Unterbringung von Asylbewerbern angeht, zieht die Verwaltung die Reißleine: Da weiter mit steigendem Zustrom zu rechnen ist, schlägt sie den Bau eines weiteren Übergangsheimes an der Lohfelder Straße vor. Und: Sollte sich die Spirale weiter drehen, rücken Notfallpläne wie die Unterbringung in Turnhallen oder außerhalb der Saison im Freibad auf der Insel Grafenwerth näher.

Bad Honnef ist damit im Bunde mit fast allen Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Denn, so die Verwaltung: Während bislang mit monatlich rund 7000 Flüchtlingen im gesamten Bundesland gerechnet worden sei, kämen nun wöchentlich 6000 Menschen. Derzeit werde 2015 mit 100 000 Flüchtlingen in Nordrhein-Westfalen gerechnet, also mehr als doppelt so viele wie 2014.

Vor diesem Hintergrund sei der Bau eines weiteren Übergangsheimes "zwingend notwendig". Infrage komme ein Grundstück an der Lohfelder Straße neben dem bestehenden Übergangsheim. Auf 600 000 Euro beziffert die Verwaltung den Bau dieses weiteren Quartieres, ausgelegt für 30 Personen - was angesichts des Ringens um den Haushaltsausgleich bis 2017 zur Unzeit kommt.

Aber: Die Flüchtlingsunterbringung sei eine Pflichtaufgabe, so Geschäftsbereichsleiter Richard Thomas zum GA. Und ein Neubau ist laut Sitzungsvorlage nicht nur aus organisatorischen Gründen zu befürworten - die Verteilung auf immer mehr Quartiere bedeute logistisch und organisatorisch "erheblichen Aufwand" und sei "mit dem vorhandenen Personal auf Dauer nicht mehr zu schaffen". Auch in wirtschaftlicher Hinsicht sei der Bau, für den 2016 das Geld zur Verfügung gestellt werden müsste, sinnvoller. Zum einen könnte teils auf gemieteten Wohnraum verzichtet werden.

Die Verwaltung rechnet vor: Würde die Stadt ein vergleichbares Gebäude für zehn Jahre mieten und hierbei einen mittleren Mietzins von 13,50 Euro kalt ansetzen, kämen 1,02 Millionen Euro zusammen. Nicht zuletzt stelle die Anmietung privater Häuser die Stadt vor immer größere Probleme. In Einzelfällen würden Mieten von 20 Euro pro Quadratmeter verlangt und langfristige Verträge. Üblich seien aber sieben bis acht Euro pro Quadratmeter; Forderungen wie die genannten seien "nach Auffassung der Verwaltung völlig inakzeptabel". Fazit: "Von daher erscheint die Errichtung eines weiteren Übergangsheimes wirtschaftlicher und sinnvoller."

Von jetzt auf gleich allerdings ist so ein Bau nicht umzusetzen, und auch in der Übergangszeit "besteht ein erheblicher Platzbedarf, der kaum zu kalkulieren ist". Daher müsse gegebenenfalls "auf städtische Einrichtungen zurückgegriffen werden". Laut Verwaltung käme dafür zum Beispiel "nach dem Ende der Freibadsaison das Freibadgelände infrage, da dort alle sanitären Einrichtungen zur Verfügung stehen.

Auch Turnhallen sind kein Tabu mehr, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind." Das Gebäudemanagement verhandele darüber hinaus derzeit "mit dem Eigentümer einer freiwerdenden Einrichtung, in der kurzfristig eine größere Anzahl Asylbewerber, zumindest vorübergehend, untergebracht werden könnte." Weitere Alternativen seien angedacht. Konkreter werden wollte Richard Thomas mit Verweis auf laufende Gespräche gestern noch nicht.