Naturparke Siebengebirge und Rheinland VVS-Beirat zweifelt an erfolgreicher Kooperation

Siebengebirge · Burkhard Hoffmeister, Politiker und VVS-Beirat, steht einer Zusammenarbeit zwischen den Naturparken Siebengebirge und Rheinland kritisch gegenüber.

 Schöne Aussichten? Über die Zukunft des Naturparks Siebengebirge wird derzeit viel diskutiert.

Schöne Aussichten? Über die Zukunft des Naturparks Siebengebirge wird derzeit viel diskutiert.

Foto: Frank Homann

Anders als mancher seiner Mitstreiter im Geiste ist er bereit, dazu auch offen Stellung zu nehmen. Wovor hat er denn bei einer Zusammenarbeit Angst? Der Bad Honnefer Hoffmeister, Mitglied im Beirat des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge (VVS) und Kreistagsabgeordneter für die Grünen, überlegt einen Moment. „Die Frage kann nur stellen, wer keine Ahnung hat“, sagt er schließlich. Welche Erfolge der Naturpark Rheinland denn vorweisen könne, fragt er. Und: „Das ist nur der Kottenforst mit seinen Fichten. Welche Erfahrungen haben die denn, die das Siebengebirge befördern könnten?“

Auf den Hinweis, dass eine Naturparkleitung, die aus einem möglicherweise weniger attraktiven Gebiet etwas machen kann, das bei sehr guten Voraussetzungen erst recht könnte, antwortet er entschieden: „Das ist Quatsch mit Soße.“ Ein guter Kegler sei noch lange kein guter Bowler. „Was die machen ist nett. Aber es ist Kreisliga. Die ist für das Siebengebirge nicht gut genug. Das Siebengebirge ist eine Weltmarke.“

Er sei nicht sicher, „ob Harald Sauer (Geschäftsführer des Naturpark Rheinland, Anm. d. Red.) den Horizont hat, zu kapieren, was er da an der Hand hat“. Auch wenn er in Bezug auf Sauer sagt: „Die Arbeit, die er macht, ist gut.“ Gleichzeitig weist er Sauers Kritik zurück, die Gegner einer Zusammenarbeit hätten bislang nicht das Gespräch mit ihm gesucht. „Ich wollte sehr dringend mit ihm reden“, so Hoffmeister.

Das Siebengebirge als Marke

Das Siebengebirge gehöre zu den 100 Destinationen weltweit, die in einer Riege mit der Wüste Gobi und Machu Picchu spielten, der Drachenfels sei der bekannteste Berg Deutschlands. Eine Marke, die sich im Ausland, beispielsweise in China, hervorragend verkaufen lasse. „Wer das nicht weiß, sind wir“, beklagt Hoffmeister. „Das ist viel wichtiger als die Obstbaumblüte“, glaubt er. Schließlich biete der Naturpark Siebengebirge auf seinen 49 Quadratkilometern eine „höchst verdichtete Natur mit einer großen Artenvielfalt“.

Wenn es um die Ursachen für die von Hoffmeister ausgemachte Misere geht, holt der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen-Kreistagsfraktion und stellvertretende Vorsitzende des Kreisumweltausschusses ein wenig aus. „Das alles hat mit dem großen Trauma Nationalpark zu tun“, sagt er. „In dieser Diskussion hat der damalige Vorsitzende des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge, Herbert Krämer, gesagt, der Verein könnte die Trägerschaft nicht mehr ehrenamtlich machen.“ Eine Argumentation pro Nationalpark, die nicht verfing, wie Hoffmeister sagt. Die aber dann in der Welt war.

Dennoch glaubt Hoffmeister: Wenn die beteiligten Kommunen mit Anteilen am Naturpark (Bonn, Sankt Augustin, Bad Honnef und Königswinter) sowie der Kreis bereits damals bereit gewesen wären, einen finanziellen Beitrag zu leisten, „hätte man das mit dem VVS als Träger machen können“.

Schließlich können von den rund 185.000 Euro, die nun von allen Beteiligten anteilig ihrer Flächen im Naturpark und ihrer Einwohnerzahlen aufgebracht werden, zwei Stellen finanziert werden. Dass es dazu nicht gekommen ist, erklärt Hoffmeister so: „Ich glaube, jeder will den VVS so weit weg haben, wie es möglich ist“. Zu einem Teil könne er das verstehen. Der Verschönerungsverein habe sich in Sachen Schutzzaun für die Weinberge am Siegfriedfelsen sehr ungeschickt verhalten.

Das sinkende Interesse an dem Verein macht er auch an den Mitgliederversammlungen fest. „Früher haben wir leicht den größten Saal im Maritim in Königswinter gefüllt, jetzt können wir den kleinen Saal in Haus Schlesien in Heisterbacherrott nehmen, ohne Gefahr zu laufen, überrannt zu werden“, so Hoffmeister. Aber dieses Problem hält er für überwertet. „Hier wird der Verein, der den Naturpark erst möglich gemacht hat, der ihn geschaffen und ihn über Jahre geführt hat, mit seiner derzeitigen Führung verwechselt.“

Regionalmarketing erwünscht

Und wie sieht Hoffmeisters Alternativlösung aus? Ihm sei bewusst, dass der Rhein-Sieg-Kreis allein nicht die Lösung sein kann. „Der besteht aus fünf verschiedenen Regionen. Das Siebengebirge ist nicht gleich Rhein-Sieg-Kreis.“ Er plädiert dafür, dass gerade die Städte Bad Honnef und Königswinter den Naturpark Siebengebirge als Chance sehen. Er ist für ein System, in dem der VVS seine Leistungen fakturieren kann. Und er wünscht sich ein Regionalmarketing. Gerade Bad Honnef könne sich nur über den Naturpark verkaufen, meint Hoffmeister.

Er kann sich vorstellen, dass das Marketing die beiden Siebengebirgsstädte sowie die Tourismus Siebengebirge GmbH übernehmen. Zwar müsse letztere „ertüchtigt“ werden, aber er glaube nicht, dass man da Einwände von der Gesellschaft erwarten müsse. Dass dann auch der Naturpark Rheinland einen Teil der Aufgaben übernehmen könnte – möglich. Aber den Schwerpunkt sieht er bei den Städten im Siebengebirge.

Der Naturpark Siebengebirge

Der Naturpark Siebengebirge umfasst mehr als 11.200 Hektar und erstreckt sich zwischen Sankt Augustin und der Landesgrenze bei Unkel im Süden sowie dem Siedlungsband am Rhein im Westen bis zum Pleiser Ländchen beziehungsweise den Ausläufern des Unterwesterwalds im Osten.

Seine Rettung vor der Zerstörung im 19. Jahrhundert durch zahllose Steinbrüche verdankt das Siebengebirge dem 1869 in Bonn gegründeten Verschönerungsverein für das Siebengebirge (VVS), der den Steinbruchbesitzern die Brüche abkaufte und bis heute rund 850 Hektar besitzt.

Bereits seit einem Jahr wird über eine Übergabe der Trägerschaft an den Kreis und eine Zusammenarbeit mit dem Naturpark Rheinland diskutiert.

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