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Bilanz der Treibjagd: Weniger Wildschweine im Wald im Siebengebirge

Bilanz der Treibjagd : Weniger Wildschweine im Wald im Siebengebirge

Bei der Treibjagd im Siebengebirge haben die Jäger in diesem Jahr weniger Wildschweine als in 2017 geschossen. Gründe für den Rückgang sind wenig Futter im Vorjahr und später Frost.

Das Wetter meinte es an diesem Vormittag nicht gut mit den Jägern. Oder aber gut mit den Tieren – je nach Perspektive. Ein frischer Ostwind fegte vor dem Forsthaus Servatiushof über die Wiese, auf der am Mittwoch rund 100 Schützen und Treiber aus vier benachbarten Revieren nach der Adventsjagd das erlegte Wild zusammentrugen und Fachleute es „aufbrachen“. 14 Wildschweine, sechs Stück Rotwild, 34 Rehe und vier Füchse notierte Forstdirektor Stephan Schütte vom Forstamt Rhein-Sieg-Erft am Ende – deutlich weniger als im Vorjahr.

Mit den Jagdsignalen „Sau tot“, „Reh tot“, „Fuchs tot“ verbliesen Jagdhornbläser des Hegerings Siebengebirge die Strecke, wie es im Fachjargon heißt: Eine Würdigung des Tieres und – nach der Hubertusmesse in der Servatius-Kapelle – traditioneller Abschluss eines langen Jagdtages.

Treibjagden seit mehr als 20 Jahren

Seit mehr als 20 Jahren finden am Mittwoch vor dem ersten Advent zwischen Schmelztal und Rheinbreitbacher Graben Gemeinschaftsjagden statt. Über rund 1500 Hektar erstreckt sich das Gelände, das sich aufteilt zwischen dem Staatswald des Landes Nordrhein-Westfalen, zwei Jagdrevieren im Stadtwald sowie dem gemeinschaftlichen Jagdbezirk Bad Honnef, der die Siebengebirgshänge rund um Bad Honnef umfasst.

„Die Jäger haben eine sogenannte Ansitzdrückjagd durchgeführt“, erklärt Schütte. Das heißt: An ausgesuchten Stellen werden im Waldgebiet kleine Hochsitze für die Jäger errichtet. Treiber durchkämmen mit ihren Jagdhunden großräumig die Reviere – insbesondere die Flächen mit starkem Dickicht, in dem sich Wildschweine bevorzugt aufhalten – und treiben den Jägern das Wild gezielt vor die Büchse.

„Die Schützen sehen die Tiere besser ankommen und können gezielt die passenden Wildschweine und Rehe erlegen“, so Schütte. Zwar sei der organisatorische Aufwand bei dieser Methode aufgrund der erforderlichen Absprachen und dem Bau der Hochsitze höher, doch habe sie sich in der Vergangenheit bewährt.

48 Jagdtermine im Jahr

Früh am Morgen hatten sich die Jäger an verschiedenen Stellen im Siebengebirge getroffen, Warnschilder in den Revieren errichtet und besonders gefährdete Bereiche markiert. „Wir haben insgesamt 48 Jagdtermine im Jahr“, sagt Armin Hübinger, Jagdleiter beim Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft. „Rund die Hälfte sind große Jagden, die zumeist in der Zeit zwischen Mitte Oktober und Mitte Januar stattfinden.“

Sicherheit sei dabei das oberste Gebot. „Für jeden Jäger ist das jährliche Schießtraining Pflicht“, sagt er. „Und vor jeder Jagd werden alle Schützen noch einmal auf die Grundregeln hingewiesen – zum Beispiel einen Schuss ausschließlich im Nahbereich abzugeben.“

Abschuss aus waldökologischer Sicht erforderlich

Dennoch sei man am Ende des Tages froh, wenn alles glatt gegangen sei, Menschen und Hunde sicher zurück seien – so wie am Mittwoch. Für Reh, Wildschwein, Rotwild und Fuchs nahm der Tag gleichwohl einen weniger erfreulichen Ausgang. „Auch wenn es für Nicht-Jäger vielleicht schwer verständlich ist: Der Abschuss ist aus waldökologischer Sicht erforderlich“, erklärt Schütte.

„Die Rehe zum Beispiel fressen die Knospen junger Waldbäume und erschweren so die natürliche Verjüngung des Waldes. Da die Tiere keine natürlichen Feinde haben, muss der Mensch regulierend eingreifen.“ Und gerade im südlichen Siebengebirge sei es in den vergangenen Jahren durch die Überpopulation der Wildschweine zu Problemen gekommen.

77 Wildschweine in 2017, 14 in 2018

Stichwort Wildschweine: 77 Tiere wurden bei der Jagd 2017 erlegt, 14 in diesem Jahr. Der Grund für diesen Rückgang? „Im vergangenen Jahr gab es wenig Nahrung“, weiß Schütte. „Wenig Fraß, wenig Nachwuchs.“ Zudem hätten viele Frischlinge die späte Frostperiode im April nicht überlebt. Anders könnte das allerdings im kommenden Jahr aussehen: „Man muss nur mal auf den Boden gucken: Eicheln und Nüsse gibt es in diesem Winter mehr als genug.“

Und schließlich trug auch das Wetter bei: „Ostwind und dazu ein Umschwung auf regnerisches Wetter macht die Tiere unruhig und hat damit auch Einfluss auf das Jagdergebnis“, so Schütte. Es ist eben alles eine Frage der Perspektive.