100 Jahre Schachclub Bad Honnef Wo Zug um Zug den Geist beweglich halten

Bad Honnef · Eigentlich hatte Werner Völker dem Schachbrett bereits den Rüclken zugekehrt. Im fortgeschrittenen Alter entflammt seine Liebe zur Sportart neu. Bei den Siebengebirgs-Open in Bad Honnef zum 100-Jährigen des Schachklubs Bad Honnefs gehört er zu denen, die dem Denksport am Brett Tribut zollen.

 Seine Liebe zum Schach nach vielen Jahren wiederentdeckt hat Werner Völker. Heute ist er im Schachklub auch im Vorstand aktiv.

Seine Liebe zum Schach nach vielen Jahren wiederentdeckt hat Werner Völker. Heute ist er im Schachklub auch im Vorstand aktiv.

Foto: Frank Homann

Es ist mucksmäuschenstill im Kursaal. 140 Schachsportler kämpfen beim „Siebengebirgs-Open 2024“ anlässlich des 100. Geburtstages des Schachklubs Bad Honnef, der 1996 mit dem SK Turm Königswinter zur Schachgemeinschaft Siebengebirge fusionierte, um den Sieg. Der erste Zug obliegt Bürgermeister Otto Neuhoff: Das Turnier ist eröffnet. Und für die zweite Vorsitzenden Claudia Borriss gibt es ein Präsent obenauf.

„Als ich beim Tag der Offenen Tür den Kursaal nach der Renovierung gesehen habe, war mir klar, hier müssen wir etwas machen“, sagt indes Werner Völker, Schriftführer der Schachgemeinschaft. Er ist 73 Jahre alt, einer der Älteren im Verein. Der gebürtige Düsseldorfer, der seit seinem Eintritt in den Ruhestand in Königswinterer lebt, hatte im Schullandheim als Elfjähriger die Regeln erlernt. „Da standen Schachbretter rum, jemand wusste, wie es geht.“ An der Schule gründete er den Schachverein „Fideler Bauer“ mit.

Regeln als Elfjähriger erlernt

Nach dem Abitur mit 18 Jahren war Völker nicht mehr am Zug. Nach dem Studium wirkte er in der Bildungsarbeit mit Jugendlichen, im Bereich internationale Begegnungen und als Repräsentant für Jugendarbeit bei der evangelischen Kirche. „Ich habe fast 50 Jahre kein Schachbrett mehr angefasst“, sagt er.

Eine kleine Zeitungsnotiz der Schachgemeinschaft Siebengebirge 2017, die den Großmeister Vlastimil Hort als Gast ankündigte, brachte die Wende. Völker: „Ich besuchte die Spielabende, habe wieder Bücher dazu gelesen, mich um die Spieleröffnung gekümmert, damit ich nach zehn Zügen nicht schon matt bin.“ Zweimal im Monat trainiert er seither. 2021 wurde er in den Vorstand gewählt, kümmert sich auch um die Wahrnehmung des Vereins in der Öffentlichkeit.

Das offene Turnier 2023 im Probsthof mit 60 Teilnehmern war schon ein Erfolg. Für das Turnier jetzt im Kursaal musste eine Warteliste angelegt werden, so viele Spieler, auch aus Luxemburg und den Niederlanden, hatten ihr Interesse bekundet. „In solch schönen Räumen werden sonst Weltmeisterschaften ausgetragen.“ Und: Für die 36 Teilnehmer unter 18 Jahren spendierte der Verein Verzehrbons.

Das Repro zeigt einen Zeitungsausschnitt samt historischem Foto, das auf die lange Geschichte des Schachklubs Bad Honnef verweist.

Das Repro zeigt einen Zeitungsausschnitt samt historischem Foto, das auf die lange Geschichte des Schachklubs Bad Honnef verweist.

Foto: Frank Homann

Turnierplan nach Orten festgelegt

Werner Völker spielte selbst mit bei diesem Turnier. Siebenter war er bei seinem ersten Turnier bei der Deutschen Amateurschachmeisterschaft 2018 geworden, stand in der Endrunde in Leipzig. Seinen Turnierplan legt er nach den Orten fest. Seine Frau Ruth Klevinghaus macht während des Spiels Sightseeing. 2022 verbrachten die Eheleute vier Wochen in Norwegen; Anlass war ein Turnier.

„Mein Ehrgeiz hält sich in Grenzen, aber ich ärgere mich, wenn ich einen halben Zug später sehe, dass ich Mist gebaut habe“, so Völker. Er betont: „Schach hält den Geist fit. Als Rentner muss ich nicht mehr strategisch denken, beim Schach jeden Tag.“ Er räumt ein, wer immer gespielt hat, sei im Vorteil. „Als älterer Mensch lerne ich weniger aus Fehlern als Jugendliche.“ Ist es nie zu spät, mit dem Schachspiel zu beginnen? „Es ist wichtig, über den eigenen Ehrgeiz den Spaß nicht zu verlieren.“ Das gelte aber für alle Altersklassen.

„Schach ist eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung“, unterstreicht auch Claudia Borriss. Ihr Mann Martin ist Internationaler Meister und ihre Kinder Emma (14) und Benjamin (16) saßen im Kursaal ebenfalls am Brett. Vielleicht fängt ja auch Otto Neuhoff später wieder an. Der Bürgermeister: „Die Regeln kenne ich noch.“ Und das 125. Jubiläum findet bestimmt wieder im Kursaal statt.

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