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Benefizkonzerte im Siebengebirge: Musiker spielen für Flutopfer

Benefizkonzerte im Siebengebirge : Musiker spielen für Flutopfer

Mehrere Vereine und Institutionen haben Konzerte organisiert, um Flutopfern aus der Region zu helfen. Aufgetreten ist unter anderem das Akkordeonorchester Königswinter.

Heisterbacherrott. Eineinhalb Jahre lang keine Auftritte, Treffen nur auf Distanz am Bildschirm, Musizieren allein im heimischen Kämmerlein – die Corona-Pandemie hat auch das Akkordeonorchester Königswinter hart getroffen. Nun, wo endlich wieder etwas geht, war er da, der große Wunsch, wieder einmal vor Publikum zu spielen.

Am Wochenende war es soweit: Bei gleich zwei Open-Air-Konzerten erfreute das kleine, aber feine Orchester am Samstag vor der Chorruine Heisterbach und am Sonntag auf dem Königswinterer Marktplatz viele Zuhörer mit einem bunten Strauß sommerlicher Melodien – und tat damit gleich im doppelten Sinne etwa Gutes. Denn statt Eintrittskarten zu verkaufen, wurde um eine Spende für die Aktion Weihnachtslicht des General-Anzeigers zugunsten der Flutopfer an der Ahr gebeten.

Ausflugswetter lockt Besucher ins Siebengebirge

Sehr zur Freude der Musiker wurde das große Sparschwein an beiden Tagen gerne und großzügig gefüttert. „Wir waren uns sofort einig, dass der Erlös den Flutopfern zu Gute kommen soll“, sagt Orchester-Vorsitzender Peter Reichelt.

Das schöne Ausflugswetter zog am Wochenende viele Menschen ins Siebengebirge, so dass sich neben den Konzertbesuchern, die gezielt gekommen waren, um das Akkordeonorchester zu hören, auch spontane Zuhörer einfanden – und erstaunt waren, wie schön Akkordeonmusik in einem Orchester klingt.

Zuhörer bringen Klappstühle und Picknickdecken mit

„Ein Akkordeonorchester hört man ja eher selten“, so Reichelt. Für die Musiker ist das Zusammenspiel in einem größeren Ensemble eine Herausforderung. „Man muss sehr gut aufeinander hören, das ist etwas ganz anderes im Vergleich dazu, wenn man für sich alleine spielt.“ Umso eindrucksvoller war das Ergebnis: Unter Leitung von Dirigent Stephan Dörrenbächer erzeugten die neun Musiker mit ihren Instrumenten ein Klangvolumen, wie man es sonst von einem großen Orchester kennt.

Vor der Chorruine Heisterbach saßen die Zuhörer auf mitgebrachten Klappstühlen oder Picknickdecken und lauschten andächtig den Klängen. Zu stimmungsvolle Melodien wie dem bekannten „Air“ von Bach und der Filmmusik aus der „Bezaubernden Welt der Amelie“ ließ sich der Spätsommertag doppelt so gut genießen. „Es ist ein bisschen so wie ein Kurkonzert“, befand Reichelt schmunzelnd.

Viel Zeit, sich auf ihren Auftritt vorzubereiten, hatten die Musiker nicht: Erst kurz vor den Sommerferien konnte überhaupt wieder mit der Probenarbeit gestartet werden. So griff Dirigent Dörrenbächer auf Stücke aus dem reichhaltigen Repertoire des Orchesters zurück.

Junge Musiker helfen

Bad Honnef. Beim Titel „Joyful, Joyful“ aus „Sister Act“ mit dem köstlichen Rapsolo von Jaydon Morouse winkten die Sänger vom Jugendchor der Musikschule auf der Bühne der Sibi-Aula bei der Liedstelle „Fill us“ mit den Spendenzylindern – und die wurden dann auch gleich in der Pause kräftig vom Publikum gefüllt. Das Benefizkonzert für die Flutopfer wurde ein Erfolg: 1 136 Euro ersangen die 15 Jugendlichen um Leiter Johannes Weiß unter dem Motto „Musik für Musik – Young Voices hilft“.

Musikschullehrerin Marie-Claire Junke stimmte das Publikum auf das Konzert ein und erklärte: „Die Sammlung ist für eine Musikerfamilie bestimmt, die nicht nur große Schäden an ihrem Haus an der Ahr zu beklagen hat, das nach dem Unwetter zum Teil unbewohnbar ist, sondern auch alle Instrumente und Noten gingen bei der Katastrophe verloren.“

Anspruchsvolles Programm

Johannes Weiß gab danach die Bühne frei für die 13 jungen Damen und zwei Herren, denn seine Schüler führten selbst durchs Programm. Der Chorleiter hatte extra für das Benefizkonzert eine Band zusammengestellt und bediente selbst das Keyboard. Die 12- bis 19-jährigen Sänger verblüfften die Besucher mit einem anspruchsvollen Programm.

Ihre Präsenz war beeindruckend. Und mit einem kleinen Trick meisterten sie auch gleich am Anfang das vierstimmige Daft-Punk-Medley – sie lasen in der Dunkelheit die schwierigen Textpassagen des Liedes, die kaum auswendig erlernbar sind, geschickt vom Handy ab. Dann wurde es hell, das Stück nahm Fahrt auf und steigerte sich in ein fulminantes Bass-Solo-Ende.

Am Ende gibt es „California dreaming“ zu hören

Luna Paffen glänzte mit „Story of my life“ und Bertha Jürges mit Lady Gagas „Look what I found“. Josefine Liebermann gefiel sehr, als sie mit zartem Sopran die hohen Passagen von Ella Fitzgeralds „On the sunny side oft the street“ sang, nachdem sie zuvor ihre eher kraftvolle Stimme in Sam Browns „Stop“ zum Einsatz gebracht hatte. Sehr zart wieder die Quartettfassung von „See fire“, vorzüglich begleitet von Lucas Reindl mit der akustischen Gitarre.

 Benefizkonzert für die Flutopfer: 1 136 Euro ersangen die Jugendlichen in Bad Honnef unter dem Motto „Musik für Musik – Young Voices hilft“.
Benefizkonzert für die Flutopfer: 1 136 Euro ersangen die Jugendlichen in Bad Honnef unter dem Motto „Musik für Musik – Young Voices hilft“. Foto: Jan Birkenstock

Ergreifend die Chorfassung von „Don’t worry about me“, bei der Mia Rother und Luca Nellessen am Anfang mit zarten Stimmen lupenrein intonierten. Als Powerkontrast danach der Soulklassiker „Something’s gonna hold on me“: Chiara Zoll riss das Publikum mit ihrer gewaltigen Stimme fast von den Stühlen. Ebenso fulminant die Bandnummer von Raoul Souza „My sweet Lucy“, bei der neben Bandleader Johannes Weiß noch weitere Musiker mit solistischen Einlagen glänzten: Gerhard Halene (Posaune) und Paul Paust (Schlagzeug) sowie Lucas Reindl (E-Gitarre).

Lucas Reindl schaltete danach noch einmal um – als Basssänger bei „Sound of silence“ mit drei weiteren Sängerinnen. Hier gefiel Josephine König mit ihrer glasklaren Sopranstimme im vierstimmigen A-capella-Satz. „California dreaming“ beschloss das Programm.

Unternehmer verdoppeln Spendensumme

Bad Honnef. Mehr als 20 000 Euro hat der Bad Honnefer Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) für die Flutopfer in Empfang genommen. 10 347,63 Euro kamen beim Benefizkonzert unter Schirmherrschaft von Bürgermeister Otto Neuhoff im August im Kursaal zusammen. Die Unternehmer Markus Osterbrink, Uwe Westhoven und Matthias Hupperich verdoppelten den Erlös auf insgesamt 20 695,26 Euro. DRK-Bereitschaftsleiter Jens Koelzer und Kreisvorstand Frank Malotki berichteten den Spendern über die Verwendung der Mittel.

Spitzenkräfte um Pianist Martin Stadtfeld wie Aris Argris, Peter Borrfeldt, Guido Schiefen und Markus Kreul hatte der Kulturring in Kooperation mit der Johannes-Wasmuth-Gesellschaft, dem Forte Club und der Beethoven Academy für den Abend gewinnen können. Viele hatten ihren Beitrag geleistet, um das Konzert möglich zu machen: Die Stadt als Veranstalter stellte den Kursaal und Piano Rumler den Flügel kostenfrei zur Verfügung, Kirberg Catering als Betreiber des Kursaals und Quint Events unterstützten das Vorhaben. Und das Publikum war vielfach nicht nur mit dem Eintrittspreis dabei, sondern spendete noch Bargeld am Abend oder im Nachgang; die Summen reichten von zehn bis 1 000 Euro als Einzelspende.

Flutopfer bekommen Notstromaggregate, Bautrockner und Luftentfeuchter

Bürgermeister Neuhoff sagte: „Das ist ein phantastisches Ergebnis einer phantastischen Veranstaltung.“ Er dankte den Künstlern und Impresario Torsten Schreiber für das Engagement. Auch den Unternehmern dankte er. Uwe Westhoven, der auch Chef des DRK-Ortsvereins ist, sagte: „Den Anstoß zu dieser Spende gab Markus Osterbrink. Der meinte: Jungs, sollen wir da nicht etwas machen, so viele sind in Not.“ Osterbrink kam es darauf an, „dass nicht mit dem Gießkannenprinzip das Geld eingesetzt wird, sondern es individuell an die Leute geht“.

Frank Malotki sagte: „Wir sind in den von der Flut betroffenen Gebieten des Rhein-Sieg-Kreises aktiv. Wir sprechen mit den Leuten, ermitteln den Bedarf und helfen dabei auch mit unserer Expertise. Zum Beispiel stellen wir Notstromaggregate, Bautrockner und Luftentfeuchter zur Verfügung – je nachdem, was für das betreffende Bauwerk das richtige ist.“ Die Stadt Bad Honnef, die Organisatoren und Spender wollten, dass diese Mittel nicht in einen großen Pool kommen, so Malotki, sondern direkt an Betroffene – das werde umgesetzt. Auch vier Rot-Kreuz-Helfer aus Bad Honnef, so Koelzer, seien im Bereich Logistik in den Flutgebieten aktiv.