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Corona im Siebengebirge: Gastronomen fürchten um ihre Existenz

Ernüchterung statt Sektlaune : Gastronomen im Siebengebirge fürchten um ihre Existenz

Das Gastgewerbe leidet. Um die 40 Prozent ist wegen Corona der Umsatz im ersten Halbjahr 2020 gesunken. Weniger Gäste, die Hygienemaßnahmen und der nahende Herbst bereiten den Gastronomen im Siebengebirge Sorgen. Viele bangen um ihre Existenz.

Voll hat es ausgesehen. Gerade an heißen Tagen waren die Außenbereiche mancher Gastronomiebetriebe gut frequentiert. Aber die Zahlen entsprechen längst nicht denen vor dem Corona-Shutdown. Dazu kommt für die Gastronomen das Beachten und Überwachen der Einhaltung der Corona-Schutzverordnung.

„Im Juni 40 Prozent weniger Umsatz“ gegenüber dem Vorjahresmonat hat Rainer Schmitz, Inhaber des Wein- und Bierlokals „Im Tubak“ in der Königswinterer Altstadt, verzeichnet. Seine Konsequenz: „Neuerdings machen wir auch sonntags auf. Das heißt, ich habe keinen Ruhetag mehr, aber selbst wenn sonntags nur wenige kommen, nimmt man mit, was geht.“

Corona-Schutzmaßnahmen sorgen im Siebengebirge für Diskussionen

„Allein draußen haben wir zehn Tische weniger“, sagt Dieter Schwalb vom Alten Standesamt/Alten Rathaus in Bad Honnef. Einfach einen Stuhl oder zweiten Tisch an einen Tisch dranstellen, geht auch nicht – wegen des Abstandsgebots. „Das trifft bei einigen Gästen auf Unverständnis“, sagt Schwalb. Durchweg erklären die Gastronomen, dass die allermeisten Gäste die Schutzmaßnahmen befolgen. Indes gebe es laut Schwalb auch die Gruppe derer, die die Vorgaben nicht verstehen, und einige, die diese „für Quatsch“ halten: „Aber dass der Laden am Laufen bleibt, geht nur mit Einhaltung der Regeln. Wir wollen kein Hotspot werden, denn eine erneute Schließung könnte für uns tödlich sein.“

Sophie Lange vom Königswinterer Kaufmannsladen hat erst einen Fall seit der Wiedereröffnung erlebt, „wo jemand keine Maske tragen wollte“. „Solche Kunden schicken wir dann raus und bedienen sie erst gar nicht.“ Viele Gäste vergessen nach Angaben der Gastronomen den Mund-Nasen-Schutz, den sie am Tisch nicht tragen müssen, wieder aufzuziehen, etwa wenn sie zur Toilette gehen. Oft heißt es dann: „‚Aber ich wollte doch nur gerade...“. Das Personal weist dann freundlich auf die Tragepflicht hin, oder die Mitarbeiter zeigen dezent auf ihren eigenen Mundschutz. Meist ist dann ein entschuldigendes „Ooh“ die Antwort.

Corona im Siebengebirge: Kleinere Speisekarten

Wenn ein Gast erst gar keinen Mundschutz dabei hat und auch kein Tuch oder ähnliches, erhält er im Weinhaus „Zur Traube“ in Unkel eine Einwegmaske. Mit Maskenverweigerern war Kathrin Lanz dort noch nicht konfrontiert, aber einen gewissen Schlendrian stellt sie fest, „obwohl es überall steht, dass sich die Leute beim Reinkommen die Hände desinfizieren müssen.“

Ein Problem für die Gastronomen ist manchmal das vorgeschriebene Erfassen der Kontaktdaten. „Manche verstehen nicht, dass das keine staatliche Verfolgung, sondern dem Wohl des Gastes dient, weil sie nur so informiert werden können, wenn ein Corona-Fall auftritt“, sagt Schwalb. „Es gibt Leute, die wollen ihre Adresse und Telefonnummer nicht angeben. Da muss man manchmal diskutieren“, berichtet auch Schmitz. Aber des Lokals habe er noch niemanden verweisen müssen.

Nicht nur Plätze, sondern auch der Sauerbraten vom Pferd ist der Corona-Pandemie im Restaurant Altes Standesamt/Altes Rathaus zum Opfer gefallen. Das Speisenangebot ist teils reduziert, weil einige Gerichte vorbereitungsintensiv sind oder Waren dafür in großen Mengen eingekauft werden müssen und die Gastronomen im Falle einer erneuten coronabedingten Schließung diese nicht wegwerfen möchten. Auch der erhöhte Personaleinsatz macht Probleme. Das Desinfizieren und Reinigen von Speisekarten und Möbeln ist aufwendig und das Personal muss sich oft die Hände waschen. Zeit, die es nicht für den Gast zur Verfügung steht. Oft müssen deswegen derzeit die Chefs im operativen Geschäft mehr mit anpacken.

Corona in der Gastronomie im Siebengebirge: Blick mit Sorgen in die kältere Jahreszeit

Zurzeit können noch die Plätze draußen besetzt oder drinnen Fenster und Türen geöffnet werden. Dem Herbst sehen die Gastronomen mit Sorge und auch Ratlosigkeit entgegen. Bei offenen Fenstern frieren manche oder beschweren sich, weil es „ziehe“. „Wir sind Opfer unserer Gegebenheiten“, sagt Schwalb. Heizpilze für die Terrasse seien aber auch aus ökologischen Gründen keine Option für ihn. „Jetzt kommen die Tage der Wahrheit“, schwant es Schwalb. Man müsse sehen, wie sich die Zahlen entwickeln.

Die Unkeler Traube baut einen Frühstücksraum des angeschlossenen Hotels als weiteren Gastraum neben der Weinstube um, weil Rebengarten und Hofgarten ab November nicht mehr zu nutzen sind. Fast überall schlagen fehlende Gruppenbuchungen und Festlichkeiten ins Kontor. „Jetzt geht es noch, aber die ruhige Zeit von November bis April habe ich bisher immer mit Karnevalsveranstaltungen aufgefangen“, sagt Schmitz. Seinem „Tubak“ fehlten abends auch die ausbleibenden Touristen wegen fehlender Hotelkapazitäten: „Wie ich diesmal über die Zeit komme, weiß ich noch nicht, aber ich versuche durchzuhalten.“